Herzogenrath - Ein Anhänger, ein Unfall und die Folgen

Ein Anhänger, ein Unfall und die Folgen

Von: Beatrix Oprée
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Untersuchungsobjekt: Ein Gutachter prüft auch, warum die Bremsvorrichtung nicht funktionierte. Foto: Roeger

Herzogenrath. Es sollte ein glücklicher Tag werden, ein Tag an dem zwei junge Eltern aus Düren in einem Herzogenrather Immobilienbüro letzte Einzelheiten für den Bau ihres neuen Bungalows klären und sich auf die Zukunft in den eigenen vier Wänden freuen sollten.

Als gerade auch noch der Vertrag für eine ergänzende Risikolebensversicherung ausgearbeitet werden soll, meldet sich das sechs Wochen alte Baby, und die aufgrund einer Krankheit vor Jahren erblindete Mutter zieht sich zum Stillen in ein Besprechungszimmer zurück.

Der 38-jährige stark sehbehinderte Vater und der 53-jährige Unternehmer aus Merkstein, der die Dachdeckerarbeiten vornehmen soll, gehen derweil auf den Gehweg hinaus, um eine Zigarette zu rauchen. Kurz darauf werden die Mitarbeiter des Büros von einem massiven Krachen aufgeschreckt und rennen auf die Straße, wo sie zunächst den herrenlosen Anhänger, der an einer Arkadensäule zum Stehen gekommen ist, und dann die beiden schwer verletzten Männer wahrnehmen.

„Ich habe sofort die Ärztin in unserem Haus alarmiert”, berichtet Jörg Meier, Geschäftsführer der „Town&Country”-Filiale. Kurz darauf ist ein ganzes Heer an Rettungskräften vor Ort, die um das Leben der Verletzten ringen. Der 38-jährige Familienvater aber stirbt wenig später. Der 53-Jährige ist aufgrund schwerer Kopfverletzungen mittlerweile ins künstliche Koma versetzt worden.

Der Anhänger, der sich aus ungeklärter Ursache beim Abbiegen aus der abschüssigen Wendelinusstraße gelöst hatte, gehört einer Gartenbaufirma aus Übach-Palenberg. Gegenüber unserer Zeitung wollte sich der Inhaber und Fahrer des Kleinlasters, der einen Schock erlitt und ebenfalls notärztlich behandelt werden musste, nicht zum Unfallhergang äußern - auch nicht über seinen Anwalt.

Die Polizei hat derweil Ermittlungen wegen des Verdachts der fahrlässigen Körperverletzung mit Todesfolge aufgenommen. Sobald das Gutachten des Alsdorfer Sachverständigen vorliegt, wird der Fall der Aachener Staatsanwaltschaft übergeben. Von den Ergebnissen des Experten - auch er will sich den Medien gegenüber zunächst nicht äußern - wird viel abhängen für den jungen Unternehmer, der im Stadtgebiet mit Gartenarbeiten betraut war.

Warum hat sich die Anhängerkupplung gelöst? Gerd Mylius, Leiter der in Köln ansässigen Technischen Prüfstelle NRW des TÜV, erläutert, dass Kupplungssysteme, da großen Anforderungen ausgesetzt, vom Gesetzgeber mit hohen Auflagen versehen worden sind. Dazu gehören regelmäßige TÜV-Kontrollen. So seien Ereignisse wie das am vergangenen Dienstag „eher selten”: „Es kann aber immer sein, dass Teile etwa beim Rangieren oder durch Verschleiß beschädigt worden sind.” Aber auch der Faktor Mensch spiele hier eine große Rolle, ob etwa das Abreißbremsseil ordnungsgemäß angebracht worden sei, das bei ungewolltem Trennen vom Zugfahrzeug den Bremsvorgang des Hängers einleitet.

Unterstützung für die Familie

Um bei aller Trauer um den tragischen Verlust ihres Mannes die junge Mutter vor wirtschaftlicher Not zu bewahren, hat Jörg Meier Kontakt zur Hausfinanzierungsbank aufgenommen. Von hier gebe es positive Signale, den Vertrag zu stornieren. Zudem ist Meier im Gespräch mit dem Grundstückseigentümer in Düren.

Darüber hinaus hat die Firma „Town&Country” ein Spendenkonto eingerichtet und bittet bundesweit um Unterstützung für die junge Mutter: Wartburg-Sparkasse, BLZ 84055050, Kto-Nr. 12003972, Empfänger: TC Stiftung - Ehrenberg BV 16818, Verwendungszweck: Spende.

Auch die Aktion „Menschen helfen Menschen” unserer Zeitung überprüft, in welcher Weise Opfern und Hinterbliebenen geholfen werden kann. Wir werden in der nächsten Woche ausführlich berichten.
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