Bonn - Ein Aachener Prinzenornat hängt im Haus der Geschichte

Ein Aachener Prinzenornat hängt im Haus der Geschichte

Von: Georg Dünnwald und Mira Otto
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Das Kostüm von Prinz Balsam Session 11/12 wird im Haus der Geschichte in Bonn ausgestellt. Balsam war der erste farbige Karnevalsprinz im Rheinland. Foto: Ralf Roeger

Bonn. Nervös ist der 62-Jährige, so richtig aufgeregt. Schließlich wird dem Aachener Balam Byarubanga im Bonner Haus der Geschichte eine Ehre zuteil wie sonst nur wenigen Menschen in Deutschland – wenn sie nicht gerade Joschka Fischer, Konrad Adenauer oder Herbert Wehner heißen oder hießen. Ein Teil seines Lebens wird nun in Bonn als Teil deutscher Geschichte ausgestellt.

Sein Prinzenkostüm aus der Session 2012. Damals war der Mitarbeiter des Uniklinikums Aachen Karnevalsprinz im Aachener Stadtbezirk Richterich. Das Besondere: Nach Angaben des Hauses der Geschichte ist Balam I. die erste Tollität in Deutschland, die vom afrikanischen Kontinent kommt.

Byarubanga steht an diesem Donnerstag im Haus der Geschichte und ist tief beeindruckt. „Ich habe nie gedacht, dass das einmal so weit geht.“ Dabei endete die Session für Balam I. seinerzeit in einem Eklat, für den der Prinz am Allerwenigsten konnte. Der damalige Präsident der „Koe Jonge“ hatte einem Mann aus der rechten Hooligan-Szene mit den Worten „Du weißt schon wofür“ auf der Bühne des Festzelts vor 1000 Gästen den Sessionsorden verliehen. Es sollte ein Dank dafür sein, dass es keine Randale geben hatte. Die ganze Session über hatte nämlich die Polizei ein Auge auf Richterich, weil es Gerüchte über mögliche rechte Übergriffe auf Balam gab. Nach der Verleihung des Ordens im Zelt verließ ein Hofstaatmitglied schockiert die Bühne, in den darauf folgenden Tagen trat zunächst der Präsident, dann der gesamte Vorstand zurück. Mittlerweile hat sich der Traditionsverein von diesem Skandal wieder erholt.

Die Abteilung des Bonner Museums, in der seit Donnerstag das Tollitäts-Ornat ausgestellt wird, heißt „Integration und Migration“. Balam Byarubanga war nach dem Sturz des Diktators Idi Amin als junger Mann vor den bürgerkriegsähnlichen Zuständen in seinem Heimatland Uganda in Ostafrika nach Deutschland geflohen. „Das Bonner Haus der Geschichte musste einfach das Kostüm haben, weil wir das Museum der noch lebenden Generationen sind und am ersten Karnevalsprinzen vom afrikanischen Kontinent nicht vorbeikommen“, sagt Sammlungsdirektor Dietmar Preißler. In dem Museum wird die Nachkriegszeit der Bundesrepublik und der DDR bis zum heutigen Tag gezeigt. Ein Exponat ist Karl Berbuers berühmtes Karnevalslied „Wir sind die Eingeborenen von Trizonesien“ als Originalaufnahme von 1946. Auch Emin Özel als erster muslimischer Schützenkönig einer katholischen Paderborner Schützenbruderschaft hat dort seinen Platz gefunden.

Mit Prinz Balam I. ist Donnerstag in Bonn ein Teil seines weiblichen Hofstaats in original afrikanischen Gewändern mit von der Partie gewesen. Und der ehemalige NRW-Integrationsminister Armin Laschet, heute CDU-Landeschef, war dabei. Er übersetzte als Aachener den Wahlspruch der Tollität aus Richterich „Deine Hautfarbe ist uns egal, wir feiern nur den Karneval“ ins Öcher Platt. Und das hört sich dann so an: „Dinge Teng es os janz ejal, vür fiere Öcher Karneval.“

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