Napa Valley/Aachen - Ein Aachener im Napa Valley: Wein soll Europa erreichen

Ein Aachener im Napa Valley: Wein soll Europa erreichen

Von: Thorsten Karbach
Letzte Aktualisierung:
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Ein Aachener im Napa Valley: Michael Schwoll lebt seit fast einem Jahr in Kalifornien. Foto: Karbach
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Ein Paradies für Weinkenner: Aus dem Napa Valley im Norden San Franciscos kommen die teuersten Tropfen der USA. Foto: Karbach
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Persischer Palast: Vier Millionen Besucher kommen jährlich ins Napa Valley, um dort Weingüter zu besuchen. Foto: Karbach

Napa Valley/Aachen. Wenn Michael Schwoll ein Glas 2009er Merlot in Händen hält, ihm die sich langsam entfaltenden Aromen in die Nase steigen und der erste Schluck ein richtiges Aha-Erlebnis beschert – dann ist klar: Er hatte den richtigen Riecher.

Denn Michael Schwoll, 25, trinkt nicht bloß einen Wein der Grand Napa Vineyards aus dem Napa Valley in den USA. Er sorgt auch dafür, dass andere ihn trinken. Seine Begeisterung für diese Weine und seine Aufgabe ist allgegenwärtig zwischen den Fässern, die in diesem Raum gelagert werden, während nebenan Flaschen befüllt werden.

Schwoll lebt und arbeitet in diesem fast sagenumwobenen Anbaugebiet im Norden von San Francisco. Aus dem Napa Valley – ein vergleichsweise überschaubares Tal von etwa acht Kilometern Breite und 56 Kilometern Länge – und dem benachbarten Sonoma Valley kommen die besten und teuersten Weine der USA. Es sind Tropfen voller Mythen, Weingüter mit eindrucksvollen Geschichten. Hier stehen Häuser, die von Friedensreich Hundertwasser und anderen berühmten Künstlern und Architekten gestaltet wurden. Und Schwoll ist Teil dieses kleinen Paradieses voller Weinreben.

Michael Schwoll ist Aachener. Er sagt, dass er seiner Heimat sehr verbunden ist, aber die Ferne hat ihn immer angezogen.

Er hat am Kaiser-Karls-Gymnasium das Abitur gemacht, in Iowa studiert, ein Jahr in Paris gelebt, dann in Hongkong eine Ausbildung zum Logistikkaufmann absolviert. Dort hat er die besondere Logistik des Weinhandels kennengelernt – und auf einer Messe den kalifornischen Winzer Dwight Bonewell getroffen. Er holte ihn ins Napa Valley. Seit Juli 2014 ist er dort. Nach fast einem Jahr USA sagt er: „Jeder Tag ist spannend.“

Auf nach Bordeaux!

Schwoll ist offiziell der European Sales Director, der Verkaufsdirektor für Europa, der Grand Napa Vineyards und der West Coast Winegroup. Genau dieser Verkauf nach Europa soll aufgebaut werden. Von der Aachener Heimat aus gibt es noch keine Möglichkeit, diese Weine zu erstehen. Der Logistikexperte soll die Brücke über den Atlantik schlagen.

Aber die Mitarbeit zwischen den Reben gehört auf einem Weingut wie dem der Grand Napa Vineyards ganz selbstverständlich zu den Aufgaben Schwolls. Auch an diesem Morgen hat sein Tag um vier Uhr zwischen den Reben begonnen. Ein paar Stunden später begutachtet er die Abfüllung eines 2012er Merlots, der über den Hafen von Oakland nach China verschifft wird. Dort sind kalifornische Weine heiß begehrt. Etwa 50 Prozent der Erzeugnisse von Schwolls Weingut gehen dorthin.

Das Napa Valley ist gerade erst dabei, Europa als Markt zu erschließen. Es ist immer noch schwierig, in den örtlichen Weinläden Gutes aus den Tälern des nördlichen Kalifornien zu bekommen. Doch die Weingüter wollen sich nicht mehr vor den berühmten Anbaugebieten in Frankreich, Italien und Spanien verstecken. Bei der Vinexpo, der wohl größten Weinmesse Europas, die vom 14. bis 18. Juni nach Bordeaux lockt, werden auch die Grand Napa Vineyards mit Michael Schwoll erstmals vertreten sein.

Dass sich die Napa- und Sonoma-Weine (es gibt hier zusammen mehr als 600 Weingüter, eines gehört zum Besitz des berühmten Regisseurs Francis Ford Coppola) mit der europäischen Konkurrenz messen können, weiß er: Schon 1976 haben Napa-Weine bei einer Blindverkostung in Paris höchste Auszeichnungen erlangt – und die Erzeugnisse aus Bordeaux teilweise übertroffen. Oh là là!

Doch der Weg nach Frankreich und in andere Länder Europas ist ein langer...

Es lockt die Großen

Es gibt aber ein paar unübersehbare Signale, dass auch die Weinwelt zunehmend globalisiert wird. Die kalifornischen Edelweine erreichen fast 40 Jahre nach dieser Blindverkostung langsam aber sicher – und vor allem für die Winzer gewinnbringend – Europa. Weingüter leisten sich Experten für den Verkauf Richtung Europa wie Michael Schwoll. Auf der anderen Seite: Wer auf den Straßen des Napa Valleys unterwegs ist, der wird zwischen Chardonnay-, Zinfandel- und Cabernet-Sauvignon-Reben die Firmen-signets von Mumm Napa und Roederer Napa entdecken können.

Die nahezu idealen Bedingungen für den Weinanbau vor Ort locken die Großen der Branche aus Europa an die Westküste der USA. Das seltene Subklima der Täler ermöglicht sehr effektiven Weinanbau. Tagsüber ist Sonne quasi garantiert, es ist heiß, die Trauben bilden viel Zucker. Nachts ist es verhältnismäßig kühl, dann wird gepflückt. Das ist besser für die Trauben – und damit für den Wein. Und der gilt als auffällig geradlinig im Geschmack. „Nicht so komplex wie europäische Weine“, sagt Schwoll. Genau das ist die Stärke der Napa-Weine.

Trauben aus Napa werden, so rechnet Schwoll vor, oft für den 16-fachen Preis pro Tonne gehandelt. Dafür sind die Auflagen entsprechend klein. All das macht die Region zu einem teuren Pflaster. Einem sehr teuren.

Er hat sie – natürlich – lieben gelernt. „Es fällt einem nicht schwer, sich für diese Weine zu begeistern“, sagt Schwoll und lacht. Seine Arbeit beginnt bei der Kontrolle der wachsenden Trauben und endet beim Verstauen der verpackten Flaschen. Er kontrolliert Flaschen und prüft Korken, mustert die Fässer. So sieht es aus, ein Leben im Zeichen des Weines.

Sonnenschein in Santa Monica

Wer im Napa Valley arbeitet, der kann sich den Weinen schlichtweg nicht entziehen – wobei gerade Kalifornien noch sehr viel mehr zu bieten hat. Schwoll wohnt mit seiner Partnerin in Santa Monica. Er schwärmt vom Wetter, der Sonne, die irgendwie immer scheint, der frischen Luft im Napa Valley, der Offenheit der Menschen.

Die Strände vor der Haustür sind nahezu endlos. Hollywood ist nah. Ja, es ist ein kalifornischer Traum, den er hier (er-)lebt. Wenn die Heimat zu sehr fehlt, werden ihm Printen geschickt und die Ereignisse vom Tivoli berichtet. Das reicht. Kalifornien und die Welt des Weines will er so schnell nicht wieder verlassen – da hatte Schwoll den richtigen Riecher.

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