Eigene Idee von der Zukunft nimmt Schülern die Angst

Von: Claudia Schweda
Letzte Aktualisierung:

Aachen. Wer nicht weiß, was Szenarien sind und wie sehr sie helfen können, die Zukunft greifbar zu machen, der sollte den Schülern des Einhard Gymnasiums Aachen, des Gymnasiums Monschau und der Realschule Baesweiler zuhören.

Sie sind lebende und überzeugende Beispiele dafür, was die Aachener Kathy Beys Stiftung mit ihren Bildern der Zukunft im Prozess „Indeland 2050“ oder „Heimat 2035“ angestoßen hat. Genau das sollte das 5. Aachener Forum im Aachener Krönungssaal, moderiert von Stiftungsvorstand Stephan Baldin und dem stellvertretenden Chefredakteur unserer Zeitung, Bernd Büttgens, zeigen: dass man grobe Strategien mit Leben füllen und damit greifbare Impulse für die Zukunft unserer Region geben kann. Das verfolgten auch zahlreiche hochkarätige Politiker aus der Region.

Kaff oder Weltstadt

Im gut gefüllten Krönungssaal war das Schulprojekt nur eines von sechs, das kurz und knapp präsentiert wurde – von den Schülern selbst. Die Idee der Lehrer Nils Lenzen, René Langohr und Max Theissen war, jungen Menschen ein Werkzeug an die Hand zu geben, um Zukunft mitgestalten zu können. Dafür sollten sie möglichst offen und vielseitig diskutieren, um die Zukunft realistischer einschätzen zu können. „Wir wollen doch alle ein Stück Sicherheit“, sagte Lenzen. Am Beispiel Aachens ging es um die Frage: „Aachen 2040 – Kaff oder Weltstadt“. Die Schüler führten 100 Interviews. Von den Gesprächen angeregt wurden vier Szenarien entwickelt. Wird Aachen mehr oder weniger innovativ sein? Und wie verhält sich jeweils die Wirtschaftskraft? Ist sie groß oder klein? René Langohr von der Baesweiler Realschule hat erlebt, wie Schüler – nachdem sie der Frage nachgegangen sind, wie sie zukünftig arbeiten oder leben werden, – anschließend ihre Zukunft selbst in die Hand genommen haben, sich nicht mehr passiv leiten ließen, sondern selbst wussten, wann sie eine Entwicklung fördern oder wann sie gegensteuern sollten. Eine Schülerin brachte es auf den Punkt: „Wir haben gelernt, die Zukunft aus verschiedenen Perspektiven zu sehen und uns dann zu fragen: Werde ich mich da noch wohlfühlen?“ Der didaktische Leitfaden zu dem schulischen Szenarienprozess liegt für alle interessierten Schulen vor. Die Internetplattform ist fertig. Jetzt starten die Lehrerfortbildungen. Lenzen: „Die Bezirksregierung hat sie gerade genehmigt.“

Wie wichtig gerade die einzelnen Regionen als „Erprobungsräume“ für soziale Innovationen in Zeiten des Umbruchs sind, hatte Uwe Schneidewind, Präsident des Wuppertal Instituts, zu Beginn des Abends verdeutlicht. In Szenarienarbeit, so wie die Kathy Beys Stiftung sie etwa anrege, eng verbunden mit den Menschen vor Ort, könne erkannt werden, was funktioniert – und was nicht. Professor Ulrich Deller von der Katholischen Hochschule in Aachen stellte entsprechende regionale Indikatoren vor: Zahl der Kitaplätze, Busfahrgäste, Anzahl der Betriebe, Vermögensverteilung versiegelte Flächen, etc. „Wir müssen eine Messlatte finden, die regional ist, um zu sehen, ob wir uns in die richtige Richtung entwickeln“, sagte er.

Die FH-Prorektorin für Technologietransfer, Christiane Vaeßen, warnte vor einer zu zerfaserten Region: „Die Region krankt daran, dass zu viele Menschen in kleinen Gruppen unterwegs sind und jede hat einen eigenen Plan. Wir müssen die Interessen bündeln. Wir brauchen einen Leuchtturm!“ Ulrich Schirowski, Geschäftsführer des gerade gegründeten Zweckverbands Region Aachen, sah allerdings keine schnelle Lösung: „Wir brauchen etwas Geduld.“

Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert