Düsseldorf - Ehrenamtliches Engagement für die Integration: Bereits über 400 Mitglieder

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Ehrenamtliches Engagement für die Integration: Bereits über 400 Mitglieder

Von: Jan Filipzik, dapd
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Der Lehrer Luigi Giunta steht in Düsseldorf im städtischen Leibniz-Gymnasium in einem Unterrichtsraum. Auf den ersten Blick ist Luigi Giunta einfach einer von Tausenden Lehrern im Land. Doch vielen seiner deutschen Kollegen hat der 35-jährige Sohn italienischer Gastarbeiter, der an einem Düsseldorfer Gymnasium Sport und Italienisch unterrichtet, etwas Entscheidendes voraus: „Ich habe die Probleme am eigenen Leib erfahren, die man als Schueler mit Zuwanderungsgeschichte hat.” Foto: dapd

Düsseldorf. Auf den ersten Blick ist Luigi Giunta einfach einer von Tausenden Lehrern im Land. Doch vielen seiner deutschen Kollegen hat der 35-jährige Sohn italienischer Gastarbeiter, der an einem Düsseldorfer Gymnasium Sport und Italienisch unterrichtet, etwas Entscheidendes voraus.

„Ich habe die Probleme am eigenen Leib erfahren, die man als Schüler mit Zuwanderungsgeschichte hat. Wenn solche Schüler mich heute sehen, dann kommen sie oft zu dem Schluss: Der hat es geschafft, also kann ich es auch schaffen”, sagt Giunta selbstbewusst. Diese Vorbildfunktion war für ihn einer der Gründe, weshalb er Mitglied wurde im „Netzwerk der Lehrkräfte mit Zuwanderungsgeschichte.”

Das Netzwerk wurde im November 2007 im Landtag in Düsseldorf gegründet. „Kurz gesagt ging es darum, Schüler, die einen Migrationshintergrund haben, für den Beruf des Lehrers zu begeistern”, erklärt Antonietta Zeoli, deren Eltern ebenfalls aus Italien kommen. Sie ist Landeskoordinatorin des Netzwerkes in Nordrhein-Westfalen und bisher seine einzige feste Mitarbeiterin.

Sie kümmert sich um die Schulbesuche, die Anwerbung neuer Lehrer, die Durchführung von Seminaren und muss dabei mit einer Organisation zurechtkommen, das mittlerweile eine erstaunliche Eigendynamik entwickelt hat. „Bei der Gründung waren wir genau fünf Mitglieder, heute sind es mehr als 400”, sagt sie. Der Erfolg des Netzwerkes hat sich herumgesprochen, es ist inzwischen so etwas wie ein NRW-Exportschlager geworden: Auch in Berlin, Hamburg und Niedersachsen gibt es mittlerweile solche Organisationen. „Hessen und Bayern sind in Planung”, sagt Zeoli.

Der Grundgedanke des Netzwerkes - Lehrer mit Migrationshintergrund durch die Schulen in NRW zu schicken - hat sich seit seiner Gründung erweitert: Es gibt den Schülercampus, eine Veranstaltung, auf der Schüler mit ausländischem Wurzeln zusammentreffen und Seminare für Lehrer mit Zuwanderungsgeschichte. Seit neuestem werden zudem auch Studenten mit Migrationshintergrund, die sich für den Beruf des Lehrers entschieden haben, durch ein Mentoringprogramm begleitet.

Das Netzwerk droht dabei Opfer seines eigenen Erfolges zu werden. „Die Dynamik dieses Projektes wurde von der Landesregierung schlicht und einfach unterschätzt”, sagt Zeoli. Derzeit stützt sich das Projekt mit Zeoli als einziger fester Mitarbeiterin fast ausschließlich auf ehrenamtliche Mitarbeit von engagierten Lehrern wie Luigi Giunta. „Die Arbeit im Netzwerk ist keine Sache, die man mal so eben nebenbei macht. Damit verbringe ich schon etliche unbezahlte Stunden in der Woche”, berichtet der 35-Jährige.

Was also fehlt, sind ausreichende finanzielle Mittel. „Ich organisiere die Netzwerksarbeit überwiegend von Spenden- und Fördergeldern”, erzählt Zeoli und schiebt rasch hinterher: „Es geht mir gar nicht nur ums Geld. Und die bisherige Unterstützung meiner Arbeit ist wirklich super. Aber wenn man als Landesregierung dieses Netzwerk wirklich dauerhaft etablieren möchte, dann sage ich: Tut endlich etwas!”

Etwas zu tun, das ist Aufgabe von Edwin Stiller, Mitarbeiter des Ministeriums für Schule und Weiterbildung des Landes Nordrhein-Westfalen, der das Projekt von Seiten des Ministeriums begleitet. „Für uns ist das Netzwerk zentraler Bestandteil unserer Arbeit. Deshalb bemühen wir uns derzeit darum, dass Frau Zeoli ab dem Frühjahr nächsten Jahres eine weitere Vollzeitstelle zur Seite gestellt wird”, sagt Stiller. Zeoli nimmt diese Ansage mit Freude zur Kenntnis. „Mit mehr Ressourcen können wir noch mehr leisten”, ist die 37-Jährige überzeugt.
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