Ehemann aus Eschweiler im Hotel erschlagen: Mordprozess gegen Ehefrau

Von: wos
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Mord Bulgarien
Julia S. (Mitte) am Montag beim Betreten des Gerichtssaales. Foto: Ralf Roeger

Aachen/Eschweiler. Noch im Januar glänzte der Kölner Strafverteidiger Prof. Ulrich Sommer mit Veröffentlichungen zum Thema „Fehlurteile im deutschen Strafprozess“. Sommer ist zweifellos ein juristisches Schwergewicht, mit dessen scharfzüngigen Anträgen sich das Aachener Schwurgericht seit Montag befassen muss.

Sommer vertritt in dem Mordprozess vor der 1. Schwurgerichtskammer am Aachener Landgericht die Witwe des im September 2015 im bulgarischen Ferienort Varna mit 51 Beilhieben bestialisch niedergestreckten ehemaligen Eschweiler Bundeswehrbeamten Wolfhard S..

Witwe Julia S. (47) wird nun beschuldigt, so die Anklageschrift am Montag, in diesem September 2015 gemeinschaftlich mit ihrem bereits wegen des Mordes an Wolfhard S. zu lebenslanger Haft verurteilten Liebhaber Andrey T. die Tat geplant und T. dazu angestiftet zu haben. Julia S. bestritt das im Gericht nachdrücklich. Die aus Moskau stammende Angeklagte war seit mehr als 20 Jahren mit Wolfhard S. verheiratet, das Paar lebte in einem Haus in Eschweiler.

Sie habe ihren Mann geliebt, entgegnete sie am Montag auf die Vorwürfe der Staatsanwaltschaft, gegen die sie sich vor der Kammer unter Vorsitz von Richter Roland Klösgen nun über mehr als 20 Verhandlungstage verteidigen muss.

Anders als oftmals in solchen schwerwiegenden Kapitalverfahren üblich scheint Verteidiger Sommer die Parole „Flucht nach vorne“ ausgegeben zu haben. Denn noch vor der Einlassung zur Person der Julia S. und nach einigen juristischen Scharmützeln über die, nach Meinung Sommers unzulässige Besetzung der Kammer, nahm die Angeklagte couragiert das Heft in die Hand.

Sie berichtete über ihr Kennenlernen in Moskau, als der Potsdamer Wolfhard S. als Technikstudent dort eingeschrieben war. Es sei „eine sehr große, eine fast kindliche Liebe“ gewesen, sagte die blonde Endvierzigerin, sie heirateten und sie folgte 1994 ihrem Mann nach Deutschland, es sei eine glückliche Ehe gewesen.

Deshalb wisse sie nicht genau, warum sie ein Verhältnis mit Andrey T., einem Arbeitskollegen, angefangen habe, das Ganze sei eigentlich nur eine Affäre und zeitlich begrenzt gewesen. T., der selber aus Varna stammt, war im September 2015 dem Ehemann dorthin nachgereist und hatte Wolfhard S. getötet, wie das Aachener Schwurgericht im Dezember 2016 feststellte. Der Prozess wird am 7. November fortgesetzt.

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