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Ehefrau gibt zu: Mann auf dem Weg zum Gericht erstochen

Von: Wolfgang Schumacher
Letzte Aktualisierung:
Eschweiler Prozess
Als Grund für die Tat gab die Beschuldigte an, sich von ihrem Ehemann bedroht gefühlt zu haben. Foto: Ralf Roeger

Aachen. Eine mutmaßlich psychisch kranke Frau hat vor Gericht zugegeben, ihren Mann kurz vor dem Scheidungstermin in Eschweiler bei Aachen so schwer verletzt zu haben, dass er trotz sofortiger erster Hilfe und schneller Notarztbehandlung starb.

Seit Donnerstag muss sich die 38-jährige Nicole W. vor dem Aachener Landgericht in einem sogenannten Sicherungsverfahren wegen Mordes verantworten. Als Grund für die Tat gab die Beschuldigte an, Angst vor ihrem Mann gehabt zu haben.

Die Frau gab zu, sich am Morgen des 16. Oktober 2015, dem Tag des Scheidungstermins, ein Messer gekauft und in die Tasche gesteckt zu haben. Sie habe vor dem Gericht gewartet, weil sie früh dran gewesen sei. Wegen einer Verletzung kam der Ehemann auf Krücken. Als er schon fast an ihr vorbei war, habe sie zugestochen – das habe sie Überwindung gekostet, sagte sie. Der Mann ist tot, aber die Angst vor ihm sei nicht weg, sagte die Frau mit leiser, aber deutlicher Stimme vor Gericht.

Mit ausgesprochener Vorsicht hatte der Vorsitzende Richter Arno Bormann die junge Frau, die an einer starken Psychose mit paranoiden Wahnvorstellungen leiden soll, befragt. Die ehemalige Kellnerin soll die Tat wegen einer akuten schizophrenen Psychose „im Zustand der Schuldunfähigkeit“ begangen haben. So ist jedenfalls die Auffassung der Staatsanwaltschaft, die eine dauerhafte Einweisung in die forensische Psychiatrie fordert. Die Gründe, die zu dieser furchtbaren Tat führten, traten im Laufe der Verhandlung zutage. Ja, sie habe die Scheidung eingereicht, bestätigte die seit Jahren unter Betreuung stehende Frau, es habe „keinen Fortschritt“ mehr gegeben in der Ehe.

Leise berichtete sie, dass ihr Ehemann, Schweißer von Beruf, in der Vergangenheit zu viel über sie habe bestimmen wollen, deshalb habe sie die Scheidung gewollt. Er habe Drogen genommen und habe auch sie dazu bringen wollen, welche zu nehmen. Doch das habe sie abgelehnt.

Dann erzählte sie, wie ihr Mann quasi ein Netz von Kontrollen um sie herum gelegt habe, das sei noch schlimmer gewesen. Immer wieder stockte sie in ihrem Vortrag. Am Scheidungstermin, als „verhandelt“ werden sollte, habe sie sich gefragt: „Worüber denn verhandeln?“ Sie habe nicht gewollt, dass über sie „verhandelt“ werde, sie habe Angst gehabt.

So viel Angst, dass sie in der Nacht vor der Tat – die Eheleute lebten nicht mehr zusammen – dunkle Gestalten in ihrer Wohnung und im ganzen Haus gesehen habe. Morgens dann „habe sie einen Kurzschluss“ gehabt: Sie habe sich überlegt, dass sie ihren Mann ermorden müsse, damit er nach der „Verhandlung“ nicht wieder „die Macht“ über sie gewinnen könne.

Auf dem Weg zum Gericht habe sie dann in einem Ein-Euro-Laden ein Brotmesser gekauft. Sie habe sich an einen Film erinnert, wo jemand mit einem gezielten Stich in den Hals getötet wurde. So habe sie es dann gemacht. Jetzt, wo sie wieder etwas gesünder sei, täte ihr „das alles schrecklich leid“, sagte sie mit Engelsmiene und unschuldigem Lächeln.

Das Gericht muss entscheiden, ob Nicole W. in einer psychiatrischen Einrichtung untergebracht wird. Der Prozess wird am 25. Oktober fortgesetzt.

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