Ebay: Bischof setzt auf Maus statt Klingelbeutel

Von: Robert Esser
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Abriss, Umbruch, Neuanfang: Fundraiser Wolfgang Huber (r.) und Bistumssprecher Franz Kretschmann stehen in ihren alten Büros, die bis Ende Oktober zu einem modernen Dominformationszentrum gegenüber der Domschatzkammer in Aachen umgebaut werden. Foto: Andreas Steindl

Aachen. Was den Ebay-Slogan „Drei, zwei, eins ... meins” mit der Heiligen Dreifaltigkeit verbindet, ist buchstäblich eine Preisfrage. Auf Heller und Pfennig. Noch besser: in Euro. Man geht mit der Zeit.

So hat das Bistum Aachen in den vergangenen Wochen in einer beispiellosen Aktion hunderte Sachspenden unter dem Motto „Platz schaffen hilft” im Internet unter den virtuellen Hammer gebracht.

Das Ziel: Möglichst viel Geld zur Finanzierung des 1,2 Millionen Euro teuren Baus der Dominformation am Generalvikariat zu sammeln. Durch diese will man spätestens ab November 2010 gegenüber der Domschatzkammer im neuen, noblen Ambiente hunderttausende Besucher der Kathedrale schleusen.

900.000 Euro fließen aus öffentlichen Fördertöpfen, 300.000 Euro müssen Bistum und Domkapitel aufbringen. Auf rund 40.000 Euro addieren sich die Auktionserlöse über Ebay bislang. „Wir hatten mit etwas mehr gerechnet”, räumt Bistumssprecher Franz Kretschmann ein. Und Chef-Fundraiser Wolfgang Huber fügt hinzu: „Man muss diese Aktion auch als Experiment begreifen. Wir haben hier absolutes Neuland betreten.” Mausklick statt Klingelbeutel.

Nach dem Aufruf des Bischöflichen Stuhls ließen sich die Gläubigen im Herbst 2009 nicht lumpen: Mehr als 20 Pelzmäntel, zahllose Uhren, Gemälde, Staubsauger, Dachgepäckträger etc. wurden angeboten. Die höchsten Gebote holten aber andere Gaben: 1257 Euro für einen Arme-Beine-Trainer, 860 Euro für einen elektrischen Rollstuhl, 780 Euro für eine Sinar-Systemkamera. Eine Geige spielte 420, mit einer Modelleisenbahn fuhr man 351 Euro ein. Das summiert sich.

Dennoch wurde die Diözese nicht alles im weltweiten Netz los. Da ließen sich die Fundraiser des Bistums gerne von ihrem Geschäftspartner, der professionellen Fundraising-Firma „Goodsellers”, belehren. Bistumssprecher Franz Kretschmann: „Mein Schlauchboot für vier Personen konnte ich ohne Foto im aufgepumpten Zustand nur schlecht bei Ebay platzieren - also haben wir das Boot jetzt der Sozialeinrichtung Wabe geschenkt.” Jeder lernt dazu.

Und das müssen die Finanzgewaltigen der Diözese auch. Von 1,1 Millionen Katholiken werden nach Prognosen des Generalvikariats im Jahr 2030 nur noch 830.000 übrig sein. Um 6,4 Prozent schrumpften die Kirchensteuereinnahmen 2009, dieses Jahr rechnet die katholische Kirche mit einem weiteren Minus von mindestens zehn Prozent. Also müssen alternative Einnahmequellen gefunden und ausgeschöpft werden.

In Bittbriefen - etwa zum Weltjugendtag - erbat Bischof Heinrich Mussinghoff zunächst von älteren Katholiken finanzielle Unterstützung für spezielle seelsorgerische Aufgaben. Mittlerweile verfügt man über ein erstaunlich gebefreudiges Adressverzeichnis. Vergangenes Jahr verschickte die Bistumsleitung in vier Runden Bittbriefe - und sammelte insgesamt rund 200.000 Euro.

„Wir hatten trotzdem den Eindruck, dass es den Menschen gerade in Zeiten der Wirtschaftskrise leichter fällt, sich von persönlichen Gegenständen zu trennen, als von Bargeld”, erklärt Bistumssprecher Kretschmann. So entwickelte sich das schlichte Spenden-Sammeln zum modernen Fundraising.

Projektleiter Huber hat gerade einen zweijährigen Management-Studiengang an der Frankfurter Fundraiser-Akademie absolviert. „In den kommenden Jahren wollen wir nun ausloten, auf welchem Weg und für welche Projekte wir weitere, auch neue Aktionen starten”, erklärt der 51-Jährige. Alles läuft in enger Abstimmung mit dem Bischof.

Genauso wie viele andere Prominente aus der Region stiftete Mussinghoff eine Kostbarkeit aus seinem privatem Besitz: eine wertvolle Schatzkiste, eine Schatulle. Der Bischof hatte sie auf einer Reise nach Damaskus als Geschenk erhalten. Aber zur Versteigerung bei Ebay schien das handgearbeitete Schmuckstück - ähnlich wie das Schlauchboot - ungeeignet.

„Allerdings gab es hier kein Problem mit dem Foto. Wir sahen vielmehr die Gefahr, dass außerhalb unseres Bistums der wahre und auch ideelle Wert der Schatulle verkannt wird”, erläutert Huber. Deswegen wird diese Gabe des Bischofs - und ein vom Aachen-Laurensberger Rennverein gespendetes CHIO-Plakat mit seltenen Originalautogrammen vieler Reitlegenden - auf anderem Weg meistbietend versteigert. „Wir freuen uns auf die Gebote”, sagt Kretschmann.

Wer online zuschlagen und gleichzeitig einen Beitrag zum Aufbau der Dominformation leisten will, sollte sich schnellstens auf die entsprechenden Ebay-Internetseiten klicken. Mit der Suchfeldformel „yzy” findet man noch rund 20 Artikel aus der Aktion „Platz schaffen hilft”. Der Rest ist dann nur noch eine Frage des Preises.
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