Aachen - E-Ticket: AVV setzt alles auf eine Karte

E-Ticket: AVV setzt alles auf eine Karte

Von: Angela Delonge
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Handyticket AVV

Aachen. Der Aachener Verkehrsverbund (AVV) will spätestens in zwei Jahren sein gesamtes Ticketsystem digitalisiert haben. Das sagte Geschäftsführer Hans-Peter Geulen auf Anfrage unserer Zeitung.

Dann sollen nicht nur alle Fahrgäste mit E-Tickets ausgestattet sondern auch ein zentraler Webshop für alle sieben Verkehrsunternehmen des AVV eingerichtet sein. Tickets – auch grenzüberschreitende – können dann online gebucht und ausgedruckt oder auf dem Handy gespeichert werden.

Förderanträge sind gestellt

„Das Thema verfolgen wir seit zehn Jahren“, sagt Geulen. Tatsächlich sind andere Regionen und die dortigen Verkehrsunternehmen beim E-Ticketing längst viel weiter als der AVV; immer wieder fragen Kunden nach Onlinetickets und zeigen oft wenig Verständnis dafür, dass der AVV noch keinen entsprechenden Webshop hat.

Hauptgrund dafür war bislang fehlendes Geld. Für ein E-Ticket-System nach neuestem Stand, das sämtliche Verkehrsunternehmen des AVV einschließt, werden Investitionen von 12,5 Millionen Euro benötigt. Erst die Tarifkooperation mit dem Verkehrsverbund Rhein-Sieg (VRS), die der AVV zu Beginn des Jahren einging, ermöglichte es dem Unternehmen, entsprechende Förderanträge zu stellen: Neun Millionen Euro fließen nun in das Projekt E-Ticketing.

Das ist eine komplizierte Welt voller Abhängigkeiten, sagt Geulen, weshalb man auch seit 2010 zunächst auf das Handyticket gesetzt habe. Den großen Vorteil des langen Wartens nennt Geulen aber auch: „Wir gehen jetzt mit der absolut neuesten Technik an den Start – das ist ein deutschlandweiter Standard inklusive euregionaler Angebote, was in unserer Region besonders wichtig ist.“

Nun geht es mit der Digitalisierung des Ticketverkaufs in großen Schritten und zwei Baustufen voran, die die stellvertretende Vertriebsleiterin Katrin Bünten erläutert: Bis Mitte 2017 werden alle Tickets von Abonnenten (Schüler, Studenten, Senioren, Berufstätige) auf das E-Ticket umgestellt. Sie bekommen vom AVV eine Plastikchipkarte ähnlich der Gesundheits- oder Kreditkarte.

Das Ticket für ein Jahr wird elektrisch darauf gespeichert, entsprechend der gewünschten Zahlungsweise wird abgebucht. Die Karte gilt für fünf Jahre, nur wenn der Kunde sein Abo kündigt, verliert sie ihre Gültigkeit.

Die Gültigkeit der Karte wird dann im Bus geprüft. Dafür muss eine riesige Infrastruktur mit elektronischen Prüfanlagen in allen Bussen aufgebaut werden. Dies soll bis Ende 2017 bewerkstelligt sein.

Schauen Geulen und Bünten in die Zukunft, tut sich mit dem E-Ticket ein weites Feld an Möglichkeiten auch für Gelegenheitskunden auf: automatische Fahrgasterkennung, automatisierte Preisfindung, streckenbasierte Abrechnung statt Tarifzonen.

Parallel zu diesen Neuerungen arbeitet der AVV an seinem zentralen Onlineticketshop. Der soll ab 2018 von Kunden genutzt werden können, dann soll auch die gesamte Umrüstung auf das elektronische Ticketsystem abgeschlossen sein.

„Wir setzen alles auf eine Karte“, sagt Geulen und beschreibt die große Herausforderung im Nahverkehr, den Kunden mit der Digitalisierung sämtliche Annehmlichkeiten zu bieten: Zum einen soll das E-Ticket deutschlandtauglich sein, das heißt, auch in Berlin und München sollen einmal registrierte AVV-Kunden damit den Öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) benutzen können.

Zum anderen soll so eine AVV-Card grenzüberschreitend auch in Belgien und den Niederlanden gelten. „Da sind sehr komplexe Abstimmungen nötig“, sagt Geulen, freut sich aber, dass bei dem Thema alle an einem Strang ziehen. Irgendwann soll die AVV-Card sogar das Cambio-Auto öffnen oder das Leihfahrrad entsichern.

Und eine weitere Herausforderung will gemeistert sein: „Bei unseren Bemühungen um Digitalisierung wollen auch zwei Welten vereint werden“, sagt Geulen. Es gebe natürlich noch viele Kunden, die E-Tickets ablehnen, die weiterhin das alte Papierticket wollen. Andererseits müsse man die Wünsche junger Kunden erfüllen, für die eine digitalisierte Welt selbstverständlich ist. „Das alles ist eine große Umbruchsituation, in der wir auch solche Aspekte berücksichtigen müssen.“

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