Köln/Aachen - E-Scooter in Bussen und Bahnen verboten

E-Scooter in Bussen und Bahnen verboten

Von: Henning Rasche und Claudia Schweda
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Der Kölner Erich Domurath auf dem Weg in die U-Bahn: Er setzt sich über ein Beförderungsverbot für E-Scooter hinweg, das inzwischen bei fast allen Nahverkehrsbetrieben in NRW gilt. Foto: dpa

Köln/Aachen. Ein wenig ähnelt das Elektrogefährt, auf dem Erich Domurath da sitzt, einem Golfmobil. Nur deutlich kleiner, ohne Dach und mit bloß einem Sitzplatz. Der 57-Jährige ist gehbehindert. Sein Arzt hat ihm den E-Scooter verschrieben. Mit ihm kämpft er sich in die Kölner U-Bahn. Umständlich wirkt das.

Beim Reinfahren bleibt er auf halbem Weg stecken und braucht die Hilfe eines Passanten. Die Aufzüge sind eng und er muss den E-Scooter durch den Schwall hastig ein- und aussteigender Fahrgäste bugsieren. Doch was Erich Domurath mit Mühe und Übung gelingt, das darf er eigentlich gar nicht.

Wie viele andere haben die Kölner Verkehrsbetriebe (KVB) entschieden, den E-Scootern die Mitfahrt zu verbieten. Erich Domurath bringt dafür kein Verständnis auf. „Eine Unverschämtheit“, findet er. Seine Selbstständigkeit wolle er sich nicht nehmen lassen. Der Rentner fährt weiter mit der Stadtbahn. „Zivilen Ungehorsam“ nennt er das.

Seit der Verband Deutscher Verkehrsunternehmer (VDV) kürzlich Gutachten zum Unfallrisiko durch E-Scooter veröffentlicht hat, reiht sich in NRW Verbot an Verbot. Im Gebiet des Aachener Verkehrsverbundes, der die Region Aachen, Düren und Heinsberg umfasst, fehlt nur noch die schriftliche Anweisung an die Busfahrer der Dürener Kreisbahn, oder – wie es AVV-Sprecher Markus Vogten sagt: „Dort werden die Gegebenheiten den neuen Erkenntnissen noch angepasst.“

Alle anderen Nahverkehrsanbieter in der Region – Aseag, Westenergie und die RVE-Busse der DB-Regio – haben die Elektromobile bereits für tabu erklärt. „Die E-Scooter können die gesetzlich vorgeschriebenen Rückhaltesysteme in Bussen nicht nutzen“, sagt Vogten; selbst die Hersteller der Gefährte würden davor warnen, sie im Nahverkehr mitzunehmen.

Die Studiengesellschaft für unterirdische Verkehrsanlagen (Stuva) fand in dem Gutachten heraus, dass die Mobile beim scharfen Bremsen wahrscheinlich umkippen – wenn jemand darauf sitzt. In dem Gutachten heißt es auch, dass die Kippgefahr bei unbesetzten Mobilen „unwahrscheinlich“, beziehungsweise „praktisch ausgeschlossen“ sei. Die Stuva führte keine eigenen Tests durch, sondern nutzte Berechnungen eines anderen Gutachtens.

Rollstühle mit Elektroantrieb dürfen dagegen weiterhin in Bussen und Bahnen parken. Sie stehen durch ihre kompaktere Bauweise sicherer. Elektromobile müssen oft quer zur Fahrtrichtung stehen, Elektrorollstühle hingegen sind wendiger. Mit durchschnittlich etwa 4000 Euro kosten sie allerdings auch doppelt so viel wie E-Scooter.

Norbert Killewald (SPD) ist Beauftragter der nordrhein-westfälischen Landesregierung für Behinderte. Den Beschluss der Verkehrsbetriebe nennt er „Schwachsinn hoch drei“ und eine „Katastrophe“. „Das ist eine Kampfansage an die Behinderten und ein de-struktives Verhalten“, sagt Killewald. Schnellstens müsse eine Lösung her.

Bei den Verkehrsbetrieben ist man sich der Probleme für die Betroffenen bewusst. Das Unfallrisiko sei aber einfach zu hoch, teilt KVB-Sprecher Stephan Anemüller mit. Da es nun ein Gutachten dazu gebe, könnten die Betriebsleiter bei Schäden haften. Dies könne das Unternehmen nicht riskieren. „Wir wissen, dass das den Menschen derzeit nicht weiterhilft“, sagt Anemüller. Aber Umbauten seien auch finanziell nicht umsetzbar.

Noch einen anderen Blick auf das Problem hat Carsten Ohm. Er ist beim Sozialverband VDK in NRW für Sozialpolitik zuständig. Ohm weist auf das Personenbeförderungsgesetz und die UN-Behindertenrechtskonvention hin. Bis spätestens 2022 muss der Nahverkehr barrierefrei sein. „Man muss sich Lösungen überlegen, indem man an Sicherheitsapparaturen denkt“, fordert Ohm. „Dazu müssen auch Mittel aus dem Haushalt bereitgestellt werden“, sagt Ohm in Richtung Politik.

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