Eschweiler - Dürwiß: Ein Wohngebiet mit dem „Faktor X“

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Dürwiß: Ein Wohngebiet mit dem „Faktor X“

Von: Tobias Röber
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Flexibel für alle Lebenslagen: Ein Bauprojekt in Eschweiler soll Ressourcen schonen und so wandelbar sein, dass es an neue Bedürfnisse angepasst werden kann. Grafik: Stadt Eschweiler/Architekturbüro Faerber

Eschweiler. Noch lässt nichts darauf schließen, dass auf diesen Feldern im Eschweiler Stadtteil Dürwiß in Kürze etwas Besonderes entstehen soll. Nach langer Vorlaufzeit sind für nächstes Frühjahr die ersten Spatenstiche für das Baugebiet „Faktor X – Neue Höfe Dürwiß“ geplant. In ganz Deutschland gebe es kein vergleichbares Projekt, sagt Michael Hennemann von RWE Power.

Die Stadt Eschweiler entwickelt auf einer 3,7 Hektar großen Fläche (zwei Drittel gehören der Stadt, der Rest RWE) gemeinsam mit der RWE Power AG und der Aachener Stiftung Kathy Beys ein ressourcensparendes Wohngebiet. Genau dort, wo einst der Fußballverein SC Bewegung Laurenzberg nach der tagebaubedingten Umsiedlung des Ortes eine neue Heimat gefunden hatte.

Der Kern des Projekts sieht wie folgt aus: Bei der städtebaulichen Entwicklung, der Erschließung des Gebietes und der Bebauung soll der Verbrauch an Ressourcen deutlich, aber mindestens um den Faktor zwei gegenüber üblicher Bauweise reduziert werden.

Der Zusatz „Faktor X“ lässt bewusst Spielraum nach oben. In Dürwiß werde man vielfach wesentlich mehr als Faktor zwei erreichen, sagt Klaus Dosch von der Stiftung Kathy Beys. Die Planer betonen, dass dieses Gebiet weit über eine Passivhaussiedlung hinausgehe.

Wechselnde Bedürfnisse

In Dürwiß geht es nicht rein um die Wahl der Baustoffe. Nicht nur der Erbauer, sondern auch nachfolgende Generationen, Hauskäufer oder Mieter stellen Bedürfnisse an den Wohnraum. Wechseln die Bedürfnisse, zahlt sich die Flexibilität von Gebäuden und Siedlungen aus.

Es geht um Variabilität der Grundrisse, An- und Rückbaumöglichkeiten, Flexibilität der Infrastruktur. Mit geringem Bauaufwand kann auf die geänderten Anforderungen reagiert werden. Genau das soll bei der Siedlung umgesetzt werden.

Zehn ressourcen-erfahrene Stadtplanungs- und Architekturbüros wurden zu einem Wettbewerb geladen, der Siegerentwurf wurde Grundlage für den Bebauungsplan. Eine mit nationalen Experten besetzte Jury wählte die Sieger aus. Der Siegerentwurf sah ein verdichtetes, kleinstädtisch wirkendes Quartier mit einer Vielzahl unterschiedlicher Bauformen und Nutzungen vor.

Das Zentrum bildet ein Platz mit windmühlenartiger Randbebauung und einem Wasserspielplatz. Dort ist auch ein Quartierszentrum angeordnet. Hier können Gästezimmer, Werkstätten oder Büroraume von den Bewohnern gemeinsam genutzt werden. Der Genossenschaftsgedanke wurde von den Planern so in den Vordergrund gerückt.

Mittels kleiner Hofinnenbereiche soll es gelingen, den Planbereich in eine Vielzahl überschaubarer Nachbarschaften zu gliedern. Dieser Entwurf stammte von Edith und Harald Faerber, Büro für Architektur und Innenarchitektur aus Mainz, und diente als Grundlage für die Weiterentwicklung des Projekts.

Drei Jahre ist der Wettbewerb inzwischen her. „Wir hatten und haben ein hehres Ziel vor Augen. Gut Ding will manchmal Weile haben“, sagt Eberhard Büttgen, bei der Stadt Eschweiler Ansprechpartner für die potenziellen Bauherren. Thematisch eingebunden ist das Projekt „Neue Höfe Dürwiß“ in die „Strukturentwicklung Indeland“, gemeinsam mit dem sich parallel entwickelnden Projekt „Inden Seeviertel“.

In Dürwiß werden auf den rund 60 Grundstücken Ein- und Mehrfamilienhäuser, Mehrgenerationenhäuser, Wohnhöfe und weitere Wohnformen mit einem breiten Angebot an Familien, Wohngemeinschaften, Individualisten und Senioren entstehen.

Vorgesehen sind drei dreigeschossige Satteldach-Mehrfamilienhäuser mit je sieben bis neun Wohneinheiten, 40 zweigeschossige Einfamilien- und Reihenhäuser sowie Doppelhaushälften, alle mit Satteldach, sechs ebenfalls zweigeschossige „Kettenhofhäuser“ (mit Flachdächern) sowie zwei Wohnhöfe mit etwa elf Einfamilienhäusern beziehungsweise Doppelhaushälften. Garagen und Stellplätze sind ebenfalls vorgesehen.

Erste Kritik gibt es dennoch. So wird von einigen Politikern die ihrer Meinung nach nicht ausreichende Zahl an Parkplätzen bemängelt. Florian Schoop von der Stadt Eschweiler kontert: „Wir setzen da eher auf ÖPNV und Car-Sharing. Sie können nicht in einem Gebiet, das vorbildhaft auf Ressourcenschonung setzt, je Wohneinheit mehr als drei Parkplätze anbieten.“

Ernsthafte Interessenten

Es gibt schon etliche ernsthafte Interessenten, wie die Planer betonen. Mit einigen wurden bereits Gespräche geführt. Darunter sind nicht nur einzelne Bauherren, sondern auch Firmen, die Immobilien vermieten wollen. Ausführliche Bauherrengespräche sind für die Interessenten Pflicht.

Sie bekommen ein Handbuch mit zahlreichen Anleitungen, später wird dann entschieden, ob die Interessenten auch wie geplant bauen dürfen oder ob die Pläne noch modifiziert werden müssen, um eben mindestens Faktor zwei zu erreichen. „Wir wollen Bauherren anregen, über Fragen nachzudenken, über die sie normalerweise nicht nachgedacht hätten“, sagt Michael Hennemann.

„Wir sind zuversichtlich“, betonen die Planer gemeinsam. Am 13. November können sich potenzielle Bauherren und Architekten ab 16 Uhr im Eschweiler Rathaus informieren. Und bald soll man dann in Dürwiß auch sehen, dass etwas Besonderes entsteht. Im Frühjahr 2016 könnte der erste Spatenstich erfolgen.

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