Dürre in der Region: Böden vertrocknen, Pflanzen leiden

Von: Peter Pappert
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Normalerweise ist hier mehr Wasser drin: die Wehebachtalsperre bei Stolberg in einer Aufnahme von gestern Nachmittag.

Heinberg/Düren/Aachen. Die Pflanzen leiden mehr als die Tiere, die Landwirte haben Sorgen, und die Wasserversorger sehen zwar keine dramatische Situation, haben die Entwicklung aber genau im Blick: In vielen Teilen der Republik ist es sehr trocken, und das betrifft insbesondere auch die hiesige Region. Der Regen vom vorigen Wochenende hat nicht viel gebracht; die Böden sind ausgedörrt und nehmen das Wasser nicht richtig auf. Es müsste länger und ausgiebiger regnen.

Es handele sich keineswegs um ein regionales Phänomen, sagt Bernhard Conzen, Präsident des Rheinischen Landwirtschaftsverbandes. Die Situation in Benelux, Frankreich und Süddeutschland sei ähnlich, anders sehe es im Norden aus; Schleswig-Holstein saufe regelrecht ab.

Die Bauern im Rheinland haben bereits angefangen, das Getreide einzufahren, weil die Böden ausgetrocknet sind. „Und die Pflanzen halten die Hitze einfach nicht mehr aus. Die Gerste ist Ende der Woche schon weg“, sagt Conzen, der auch Vorsitzender der Kreisbauernschaft Heinsberg ist. Er neigt nicht zu Dramatisierungen, aber er macht sich zweifellos Sorgen. „Regional waren die Niederschläge im April extrem gering – noch nicht zehn Prozent von dem in einem normalen April.“

Conzen fürchtet um die Qualität: Bei der Gerste werde man das hohe Niveau wie sonst nicht erreichen, sondern allenfalls Durchschnitt. Beim Weizen, der sogar noch mehr gelitten habe, rechnet er mit stärkeren Einbußen. „Genau wissen wir das aber erst, wenn die Mähdrescher unterwegs sind.“ Conzen hofft inständig auf Niederschläge. Die Kartoffeln müssten bereits beregnet werden, und der Mais rolle schon die Blätter ein, um Verdunstung zu vermeiden. „Da sinkt dann die Masse zum Verfüttern; das wird kritisch.“

Als sehr bedenklich beschreibt Josef Stoffels, Förster in Düren-Gürzenich, die Lage des Waldes. „Die Pflanzen befinden sich in einer regelrechten Stresssituation – vor allem die Nadelhölzer, insbesondere die Fichte.“ Die Bäume seien geschwächt, könnten kaum Harzfluss bilden und böten so dem Borkenkäfer zu viel Angriffsfläche. „Im Bereich Gürzenich habe ich es zum Teil mit Kahlschlägen zu tun.“ Die Laubbäume – vornehmlich Buche und Eiche – in den Neukulturen seien ebenfalls dringend auf Regen angewiesen. Stoffels ruft eindringlich dazu auf, im Wald keinesfalls zu rauchen – auch nicht auf den Parkplätzen. „Der kleinste Funke reicht, um einen Brand zu entfachen.“

Irritierend der Blick in die Wehebachtalsperre oberhalb von Stolberg, aus der das Wasser für Düren und Teile von Eschweiler gewonnen wird. Sie kann bis zu 25,1 Millionen Kubikmeter Wasser fassen. Im Durchschnitt der vergangenen Jahre war sie mit rund 15 Millionen Kubikmeter gefüllt; derzeit sind es 8,8 Millionen. Zu Beginn des Sommers 2014 waren es aber auch schon mal nur 6,5 Millionen.

„Es sieht zwar besser aus als vor drei Jahren, aber es ist auch nicht unkritisch“, sagt Christof Homann; der Ingenieur ist beim Wasserverband Eifel-Rur (WVER) zuständig für die Bewirtschaftung der Talsperren. „Wir haben seit August letzten Jahres Monat für Monat sehr unterdurchschnittliche Niederschläge.“ Der März sei – aber auch nur mit Normalwerten – die einzige Ausnahme gewesen. „Eine Trockenheit wie die seit letztem August habe ich hier in unserem Einzugsgebiet noch nicht beobachtet.“

Homann hat festgestellt, dass in den letzten Jahren die Menge der Niederschläge generell abgenommen hat. Das könne mit Klimaveränderungen zusammenhängen, aber auch nur eine Trockenphase sein. Bei lang anhaltender Trockenheit würde der WVER mit der Bezirksregierung und den Trinkwasserversorgern sprechen. Der Verbraucher werde aber so oder so nichts merken.

In Ostbelgien geht man einen Schritt weiter. Die Stadt Kelmis ruft die Bevölkerung auf, „vorerst sparsam mit dem Trinkwasser umzugehen“, den Wasserverbrauch zu reduzieren, Autos nicht unnötig zu waschen und Gärten nicht unnötig zu bewässern. Patrick Kreutz, Leiter des Wasserdienstes der Stadt spricht von einer reinen Vorsichtsmaßnahme. „Wenn der ganze Sommer so trocken bleibt, könnte es kritischer werden.“

In allen Talsperren der Eifel sinken die Wasserstände seit Monaten. Das ist laut Homann im Moment noch nicht dramatisch. „Wenn es allerdings bis in den Herbst hinein trocken bleibt, kann es kritisch werden.“ Ausgleichen lässt sich das bei der Wehebachtalsperre kaum – ganz im Gegensatz zur Dreilägerbachtalsperre (in Roetgen), die über Stollen mit dem Obersee der riesigen Rurtalsperre sowie der Kalltalsperre (bei Simmerath), schließlich auch mit der Urfttalsperre (oberhalb des Obersees) verbunden ist – „ein robustes System“, wie Homann es nennt. „Damit sind wir auf der ganz sicheren Seite.“ Die Wehebachtalsperre ist hingegen auf ihre eigenen Reserven angewiesen.

An der Dreilägerbachtalsperre bereitet die Wassergewinnungs- und -aufbereitungsgesellschaft Nordeifel das Wasser aus dem Talsperrensystem der Nordeifel auf und pumpt es als Trinkwasser in das Leitungsnetz der Stawag (Stadt Aachen) und der Enwor (alter Kreis Aachen und Kreis Heinsberg). Frank Wernicke ist dort für Qualitätssicherung zuständig; die aktuellen Wasserstände beunruhigen ihn nicht. „Der Talsperrenverbund ist eine sehr gute Rückversicherung.“ Auch er beobachtet die wenigen Niederschläge genau, sieht aber noch keine kritische Situation für die Trinkwasserversorgung.

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