Dürens Garnison 1914: „Möge kein Misston die Freude stören“

Von: Stephan Johnen
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Hartmut Böllert hat für das Stadtmuseum den Weg zur Garnisonsstadt nachgezeichnet. Foto: Johnen
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„Gruß aus der Garnison-Stadt Düren“ – zeitgenössische Postkarten reihen die Kasernen in die Liste der Sehenswürdigkeiten ein.
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„Gruß aus der Garnison-Stadt Düren“ – zeitgenössische Postkarten reihen die Kasernen in die Liste der Sehenswürdigkeiten ein.
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„Gruß aus der Garnison-Stadt Düren“ – zeitgenössische Postkarten reihen die Kasernen in die Liste der Sehenswürdigkeiten ein. Repros: Stadt - und Kreisarchiv Düren

Düren. Lange hatte die Stadt auf diesen Tag hingearbeitet. Und dabei besonders auf der Zielgeraden nichts dem Zufall überlassen. Es gab Anweisungen an die Vereine, wo sie an den Straßen Spalier zu stehen hatten, schwarz-weiß-rote Abzeichen lagen zur Abholung im Rathaus bereit, es wurden dekorative Tore aufgebaut.

Die Stadtverordnetenversammlung hatte sogar einen Kredit bewilligt, um die Feier zu bezahlen. „Garnisonsstadt Düren“ – wie das klingt!

5000 Mark war den Stadtvätern allein das Rahmenprogramm am Tag des Einzugs der Soldaten wert. Angesichts der Millionensummen, die die Stadt für die Kasernen ausgegeben hat, ein Klacks. „Alle Bürger werden helfen, den historisch merkwürdigen Tag zu begehen und sich willig den notwendigen polizeilichen Maßnahmen fügen. Möge kein Mißton die Freude stören“, wird Oberbürgermeister August Klotz in der Dürener Zeitung zitiert. Doch im Sommer 1914 kam manches anders als geplant.

Der 1. August 1914

Die Welt geriet in einen Strudel, dem sich auch die Stadt Düren nicht entziehen konnte. Am 1. August 1914 sollte die Garnison in die Stadt einziehen. Zwei Jahre lang wurden die Kasernen für die künftig in Düren stationierten Truppen gebaut, wurde diesem Tag entgegengefiebert. Düren sollte für das 1. Bataillon des 10. Rheinischen Infanterieregiments Nr. 161 samt Stab, Regimentskapelle und Maschinengewehr-Kompanie sowie für eine Abteilung Artillerie des 3. Rheinischen Feldartillerie-Regiments Nr. 83 Heimat werden. Als es soweit war, brach Krieg aus. Der größte Teil der Soldaten hat die ihm zugedachten Kasernen nie bezogen.

Das Vorauskommando der Infanterie, das den Einzug vorbereiten sollte, war bereits zum bisherigen Standort Trier zurückgerufen worden. „Diese Nachricht traf am Vorabend des Festtages in Düren ein“, sagt Helmut Krebs, Leiter des Stadt- und Kreisarchivs. „Die Dürener Garnison ist auch von dem Kriegslärm in Mitleidenschaft gezogen worden“, heißt es in der Dürener Zeitung vom 31. Juli. Aufgrund der politischen Lage werde der Einzug „auf unbestimmte Zeit verschoben“. Artillerieeinheiten, die schon in der Stadt angekommen waren, wurden ebenfalls zurückbeordert. Sie sollten jedoch am 1. August zurückkehren – und feierlich empfangen werden, in einem „engeren Rahmen“, wie es die Stadtverordnetenversammlung in einer Sondersitzung beschloss.

Kriegslärm hin, Kriegslärm her, es war schließlich ein wichtiger Tag für die Stadt – und geschmückt war auch schon alles. Selbst die Aufstellung zum Jubeln war geregelt: Die Herren Stadtverordneten auf der Rathaustreppe, ihre Gattinnen an den Fenstern. Um 19 Uhr gab es ein Festessen in der „Harmonie“, Kostenpunkt: fünf Mark für das „trockene Gedeck“. Für die Soldaten hatte die Stadt „Braten, Kartoffelsalat und Bier“ bestellt.

„Gegen Mittag rückte eine Batterie des 83. Feldartillerie-Regiments in die Stadt ein. Großer Empfang am Rathause. Militärmusik und feurige Reden auf Vaterstadt und Vaterland, Hoch und Hurrah, ganz Düren auf den Beinen – ein großes Erlebnis! – Hei, wie das blitzte und funkelte!“, berichtet der Dürener Lehrer August Lüdenbach in seinen Memoiren vom lang ersehnten Tag.

„Aber alle [waren] ernst, alle in Erwartung der nahen Mobilmachung, die dann nach einigen Stunden kam. Nur einen Tag noch in Düren, dann rollten die Geschütze schon dem Feind entgegen – Soldatenschicksal“, schreibt er weiter. „Wir hoffen, die 161er, die wir ebenfalls als die Unseren betrachten, bald in Düren zu sehen. Falls es nicht in Friedenszeiten geschehen sollte, dann nach einem siegreichen Feldzug“, meldete die Dürener Zeitung am 1. August. Der Wunsch ging nicht in Erfüllung.

„Die Dürener haben mit der Garnison viele Hoffnungen verbunden“, sagt Hartmut Böllert, der für das Stadtmuseum den Weg zur Garnisonsstadt nachgezeichnet hat. Stadtarchivar Helmut Krebs weiß zu berichten, dass neben Infanterie und Artillerie noch Kürassiere von Deutz nach Düren „übersiedeln“ sollten. An der Binsfelder Chaussee hatte die Stadt bereits 35 Morgen Land erworben, am 1. Oktober 1917 sollte die Kavallerie in Düren einreiten. Doch die politische Realität hat die Erwartungen durchkreuzt.

Der Grundstein für die Garnison wurde am 13. Januar 1912 gelegt. Ein Mitglied der Stadtverordnetenversammlung schlug vor, sich am Beispiel anderer Städte wie Euskirchen und Eschweiler zu orientieren. Der Oberbürgermeister wurde beauftragt, sich der „Garnisonsfrage“ anzunehmen. Es setzte ein reger Reiseverkehr zwischen Düren und Berlin ein, an dessen Ende ein Vertrag mit dem Kriegsministerium stand, der vom Stadtrat am 29. Mai 1912 angenommen wurde. „Habe soeben [...] im Kriegsministerium Garnisonsvertrag abgeschlossen. [...] Gratuliere der Bürgerschaft zu dem sehr günstigen Abschluss der langwierigen und bezüglich der Finanzierung schwierigen Verhandlungen“, telegrafierte der Oberbürgermeister von Berlin nach Düren.

Damals wie heute liefen Kosten öffentlicher Projekt schon einmal aus dem Ruder: Statt der ursprünglich angesetzten zwei Millionen Mark musste die Stadt 3,5 Millionen aufbringen. Dafür erwarb sie auch einen Exerzierplatz zwischen Soller und Drove und einen Schießstand bei Stockheim. Es war die Geburtsstunde eines Übungsplatzes, auf dem die spätere Bundeswehr Leopard-Panzer einsetzen sollte. Doch das ist eine andere, ebenfalls bewegte Geschichte.

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