Dürener vor Gericht: Prozess um Fast-Food-Firmengeflecht

Von: Claudia Schweda
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2010 schlossen plötzlich zahlreiche Burger-King-Filialen in unserer Region. Fünfeinhalb Jahre später steht ein Dürener Unternehmer vor Gericht: Ihm wird vorgeworfen, Geld veruntreut zu haben.

Düren. Ende November 2010 waren plötzlich sieben Burger-King-Filialen in der Region geschlossen. Ein Dürener Unternehmer betrieb vier dieser Filialen damals über zwei Fast-Food-Firmen, bei den übrigen Dreien war er lediglich der Franchise-Lizenznehmer.

Ab dem 13. Juni, fünfeinhalb Jahre später, wird dem heute 54-jährigen Michael F. nun wegen Insolvenzverschleppung in zwei Fällen und Untreue in zwei besonders schweren Fällen vor dem Amtsgericht Aachen der Prozess gemacht.

Erlöse in einer Höhe von mehr als 1,6 Millionen Euro seien nicht den Gesellschaften zur Verfügung gestellt worden, sagte Jost Schützeberg, Sprecher der Aachener Staatsanwaltschaft. Sie seien durch sein Handeln in ihrer Existenz bedroht und am Ende auch vernichtet worden. Nach Angaben des Insolvenzverwalters Christoph Niehring werden die Gesellschaften gerade abgewickelt. Inzwischen werden die Filialen in Aachen, Eschweiler, Heinsberg, Düren und Kerpen von einem anderen Franchise-Nehmer betrieben. Nur ein zweiter Dürener Standort und eine Filiale in Mechernich wurden nie wieder eröffnet.

Das Ermittlungsverfahren gegen den Dürener war nach Angaben von Schützeberg extrem aufwendig: „Die Buchhaltung mit zahlreichen Konten und Unterkonten machte es schwierig, die Geldflüsse nachvollziehbar zu machen.“ Eine Sachverständige habe die Buchhaltung der Firmen von F. durchleuchtet. Ergebnis laut Anklage: F. hat Teile der Firmenerlöse entweder zwischen den Firmen hin- und hergeschoben, selbst eingesteckt oder für ihm nahestehende Personen verwendet. Schützeberg: „Wir gehen davon aus, dass er einen Großteil für sich selbst verwendet hat.“ Ein Ergebnis der Gutachterin lautet aber auch: „Nicht alle Geldflüsse sind nachvollziehbar“, sagt der Sprecher der Staatsanwaltschaft. Die Konten der beiden Gesellschaften waren zum Stichtag im Oktober 2010 nach seinen Angaben mit 1,8 Millionen Euro im Minus.

Eine F. nahestehende Person ist wohl sein Schwiegersohn. Der 1970 geborene Dürener führte als Geschäftsführer eine weitere Fast-Food-Firma, die damals die Burger-King-Filialen in Heinsberg, Mechernich und Kerpen betrieb. Franchise-Nehmer war der Schwiegervater F. Auch diese drei Filialen wurden um den Jahreswechsel 2010/2011 geschlossen. In einem bereits abgeschlossenen Verfahren wurde der Schwiegersohn vom Amtsgericht Düren wegen Insolvenzverschleppung zu einer Geldstrafe verurteilt.

Burger-King-Mitarbeiter selbst hatten die Ermittlungen damals mit einer Anzeige in Gang gesetzt. Sie berichteten aus den letzten Betriebswochen gegenüber unserer Zeitung von ihnen merkwürdig erscheinenden Vorgängen: Löhne, die teils über Monate ausstanden und dann vor Gericht eingetrieben werden mussten, seien nicht vom Konto des Arbeitgebers, sondern vom Konto einer anderen Firma des Geschäftsführers überwiesen worden.

In der Aachener Filiale, die als letzte noch geöffnet war, seien die Einnahmen nicht mehr wie üblich von einem Geldboten-Paar aus der Dürener Zentrale abgeholt worden, sondern häufig vom Schwiegersohn. Von der Schließung waren damals nach Angaben der Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten 150 Mitarbeiter betroffen.

Im März 2011 wurde das Insolvenzverfahren über die betroffenen Firmen eröffnet. Das ist nach Angaben des Insolvenzverwalters bis heute noch nicht abgeschlossen. Auf viel Geld aus der Insolvenzmasse können die Mitarbeiter aber nicht spekulieren. Bei den meisten Mitarbeitern stehen laut Niehring drei bis vier Monatsgehälter aus. „Aber es sind keine großen Vermögenswerte da. Die Ansprüche der Mitarbeiter werden nur minimal bedient werden“, sagt er.

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