Dürener soll Kiosk „heiß saniert” haben

Von: Wolfgang Schumacher
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Aachen/Düren. Die alte Dame aus dem ersten Stock des Mietshauses, die 83-jährige Theodore M., schilderte, worum es vor der 1. Großen Jugendkammer am Aachener Landgericht ging. „Ich hab Ihnen das Leben gerettet”, hätte der wegen gemeinschaftlich versuchten Mordes und schwerer Brandstiftung angeklagte Kioskbetreiber Resit Y. (37) an jenem Morgen zu ihr gesagt, berichtete sie.

Das war am 30. Dezember 2008, als der laut Anklage erste Versuch misslang, den Kiosk im Erdgeschoss des Hauses in Flammen aufgehen zu lassen, die aufgedrehten Gasflaschen explodierten damals nicht. Die Aussage „Ich habe Ihnen das Leben gerettet” hatte schon Chuzpe. Denn nach Ansicht der Staatsanwaltschaft soll Resit Y. seinen Bekannten Pavlus C. (22) beauftragt haben, den Kiosk „heiß” zu sanieren.

Wie bei einem Fliegerangriff im Krieg

Was am 30. Dezember daneben ging, sollte am 17. Januar vollendet werden. Der Laden brannte dann tatsächlich ab, die darüber wohnenden Hausbewohner konnten sich, weil sie von aufmerksamen Taxifahrern gewarnt wurden, vor den Flammen und den giftigen Rauchschwaden retten. 2000 Euro soll Y. dafür an C. gezahlt haben, beide Angeklagte schweigen bislang zur Tat.

In jener zweiten Nacht, da sei es „wie bei einem Fliegerangriff im Krieg” gewesen, schauderte es Rentnerin M. im Zeugenstand. „Gegen Drei oder halb Vier gab es eine Detonation, ich dachte, die Decke stürzt ein”, berichtete sie auf Befragen des Vorsitzenden Richters Gerd Nohl. Im Flur des Hauses „lagen Haufen von Scherben und Schutt”. Schwarze Schwaden zogen in die Wohnung der Seniorin, die sich zusammen mit dem darüber wohnenden Installateur auf die Straße in Sicherheit bringen konnte.

Der Installateur hatte noch vor Eintreffen der Feuerwehr geistesgegenwärtig die Gashähne im Keller abgedreht und damit das Schlimmste verhindert.

Gasflaschen aufgedreht

Bereits beim ersten Tatversuch hätte es zu einer gewaltigen Explosion kommen können. Denn der Täter hatte die Gasflaschen in dem Kiosk aufgedreht, aus irgendeinem Grund war das Gemisch jedoch nicht explodiert.

Einen schweren Stand bei Nachfragen der Verteidiger hatte eine Kripobeamtin des Erkennungsdienstes. Der gewiefte Strafrechtler Gottfried Reims (Köln) verwahrte sich in scharfem Ton des Öfteren „vor Ihren Mutmaßungen”, so herrschte er die Beamtin an. In der Tat, bemängelte ebenso Strafverteidiger Norbert Hack, wäre nicht ordentlich nachgeprüft worden, welche Zusammensetzung der mutmaßliche Brandbeschleuniger hatte. Der Prozess geht am 9. Dezember weiter.
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