Dürener S-Bahn-Schläger verurteilt

Von: Wolfgang Schumacher und Claudia Schweda
Letzte Aktualisierung:
Links: Tobias S.  Fotos: Ralf
Zwei junge Männer sind am Freitag vom Landgericht Aachen zu Jugendstrafen von drei und eineinhalb Jahren Haft verurteilt worden, wobei die letztere Strafe zur Bewährung ausgesetzt wurde. Foto: Ralf Roeger

Aachen. Zwei junge Männer sind am Freitag vom Landgericht Aachen zu Jugendstrafen von drei und eineinhalb Jahren Haft verurteilt worden, wobei die letztere Strafe zur Bewährung ausgesetzt wurde. Die Jugendkammer unter Vorsitz von Richter Gerd Nohl verurteilte die beiden 20-Jährigen aus Düren wegen gefährlicher Körperverletzung.

Sie hatten in der Nacht zum 26. November 2011 auf dem Bahnsteig Kerpen-Buir einen 37-Jährigen geschlagen, getreten - als er schon am Boden lag - und ihm eine Flasche Bier über den Schädel gezogen. Der Angeklagte Tobias S. zog zudem ein Messer und stach es dem Opfer in den Bauch, der Mann überlebte nach einer Notoperation. Der 37-Jährige hatte sich eingemischt, nachdem die beiden Täter zwei junge Frauen angemacht und obszön beleidigt hatten.

Die Täter vom Bahnhof in Buir waren eigentlich wegen versuchten Totschlags angeklagt. Doch Richter Nohl begründete, warum gerade Tobias S. aus Düren-Merzenich nicht wegen des ursprünglich angeklagten Deliktes verurteilt werden konnte. Bei S., der die drei Jahre Haft wegen gemeinschaftlicher gefährlicher Körperverletzung bekam, wirkte ein umfassendes Geständnis strafmildernd - auch deswegen, weil ihm ansonsten „wegen der unverständlich nachlässigen Aufklärungsarbeit der Polizei”, so der Richter, kaum der Stich mit dem Messer hätte nachgewiesen werden können.

Insbesondere bemängelte der erfahrene Strafrichter die Vorgehensweise sowohl am Tatort als auch bei der Verfolgung der geflüchteten Täter. Die beiden befreundeten Jugendlichen waren zur Tatzeit 19 Jahre alt. Gutachter bezeichnen sie als „reifeverzögert”. Nach der Tat schlugen sie sich trotz ihrer Alkoholisierung über die Felder nach Merzenich in das elterliche Haus von S. durch. Noch in der Nacht kam ein Streifenwagen vorbei, da waren die beiden aber offenbar noch nicht wieder zu Hause. „Man hätte durchaus erwarten können, dass die Beamten ein zweites Mal dort vorfahren”, kritisierte der Richter. Zudem seien die Spuren am Tatort völlig unzureichend gesichert worden. „So waren wir ausschließlich auf das bekanntlich schlechteste Beweismittel in Strafverfahren, die Aussagen von Zeugen, angewiesen”, klagte Nohl.

Beispielsweise war nicht zu klären, wer dem ebenfalls alkoholisierten Opfer eine Bierflasche auf dem Kopf zerschlug. Man könne diesen Schlag dem Angeklagten Tim I. nicht nachweisen. Der Messerstich seines Freundes sei I. wiederum nicht anzulasten. I. habe zu Beginn eher schlichtend eingewirkt, den gefährlichen Stich von seines Kumpels S. in den Bauch des Opfers habe er nicht wahrgenommen. Damit blieb es für I. nach siebenmonatiger U-Haft bei einer Bewährungsstrafe mit strengen Auflagen - vor allem, was seinen Cannabiskonsum betrifft.

Die Kammer kam wie auch die Staatsanwaltschaft zu der Auffassung, dass der Messerstecher „durchaus den Tod des Opfers billigend in Kauf genommen” habe. Dann aber sei er „von dem Tötungsversuch zurückgetreten”. Das heißt, anders als die Täter damals auf dem S-Bahnsteig in München-Solln ließ Tobias S. von seinem Opfer ab, der Mann überlebte. In solchen Fällen wird vor Gericht meist von einer Verurteilung wegen versuchter Tötung abgesehen. Richter Nohl wirkte abschließend eindringlich auf die Jugendlichen ein, niemals wieder solch eine Situation herbeizuführen.
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