Städteregion - Drogenkonsum ist keine Frage der Schuld

Drogenkonsum ist keine Frage der Schuld

Von: Laura Beemelmanns
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In gemütlicher Atmosphäre und ganz ohne Druck und Schuldzuweisungen werden die Jugendlichen in der Suchtberatung „Baustein“ in Alsdorf bei Problemen beraten. Daniela Guß (l.) und Gabi Fischer helfen ihnen auf diesem Weg. Foto: Laura Beemelmanns

Städteregion. Daniela Guß hat immer ein offenes Ohr. Sie kann gut zuhören und bringt Verständnis für das auf, was ihr Gegenüber ihr erzählt. Das ist wichtig in ihrem Job, denn sie ist Beraterin in der Suchtberatung „Baustein“ in Alsdorf, einer Beratungsstelle der Suchthilfe in der Städteregion Aachen des Diakonischen Werkes Aachen.

Sie hilft Jugendlichen mit Suchtproblemen einen Lebensweg zu finden, bei dem die Drogen keine Hauptrolle mehr spielen.

In ihrem wohnlich und gemütlich gestalteten Büro empfängt sie Jugendliche – oft dann, „wenn es brennt“, sagt sie. Sie kommen mit allen möglichen Suchtproblemen zu ihr. Zu viel Cannabis, zu viele Amphetamine oder aber auch zu viel Zeit vor dem PC.

Unterschiedlich und individuell

Es sind nicht immer nur die klassischen Drogen, von denen Jugendliche süchtig werden. Es kann eben auch ein PC-Spiel sein, Alkohol oder Medikamente zur Leistungssteigerung. Der Konsum ist dabei so unterschiedlich und individuell wie die Konsumenten selbst. „Jugendliche, die entspannen wollen, die vom stressigen Alltag runterfahren möchten, kiffen häufig“, sagt Guß. „Wer eher Party machen möchte, gut drauf und leistungsfähiger sein will, nimmt eher Amphetamine.“

Jeder Abhängige wählt die Droge, die ihm ein gutes Gefühl gibt. Also eine Droge, die entspannend wirkt oder eben ein aufputschendes Mittel. Im Moment des Konsums fühlen sich die Jugendlichen besser, denken nicht an Nebenwirkungen. Oft dauert es einfach, bis man die Nebenwirkungen auch körperlich merkt. Lange fühlt es sich so an, als ob der Drogenkonsum guttut, eine positive Wirkung hat. Erst wenn man das Suchtmittel weglässt, merkt der Mensch, wie sehr er die Droge braucht. Oftmals ist eine gereizte und aggressive Stimmung sowie eine innere Unruhe zu beobachten. Ebenso ist es bei Cannabis. Erst beim Entzug merkt der Mensch, wie sehr der Körper den Stoff braucht. „Bei Cannabis beispielsweise haben die Konsumenten beim Entzug oft Magen-Darm-Beschwerden, schwitzen sehr stark, schlafen nicht gut und träumen sehr wirr“, weiß Guß aus vielen Beratungsgesprächen zu berichten.

In genau diesen Gesprächen versucht sie herauszufinden, was der Wunsch ihres Gegenübers ist. Aber ihr Geschäft ist mühsam.„Oft wollen Jugendliche gar nicht ganz aufhören, sondern ihren Konsum nur reduzieren. Das wird erst einmal akzeptiert. In weiteren Gesprächen kann dann über das Konsummuster, positive wie negative Wirkung der Droge und Alternativen gesprochen werden. Es geht in Kleinstschritten voran, aber das ist auch okay“, sagt Guß.

In kleinen Schritten

Diese kleinen Fortschritte sind wichtig – wichtig für den Jugendlichen und auch wichtig für seine Eltern und Angehörigen. Denn natürlich machen auch die sich Sorgen oder geben sich gar die Schuld. Doch es kommt nicht darauf an, nach einer Ursache oder einem Schuldigen zu suchen. „In den Gesprächen geht es nicht um Ursachenfindung und Schuldzuweisung, sondern eher um gemeinsame Lösungsmöglichkeiten. Jeder Mensch ist eben anders.“

Bei vielen ist die Risikobereitschaft einfach größer, daher ist die Schwelle, Drogen zu konsumieren, niedriger. Aber die Jugendlichen treffen eine Entscheidung für sich selbst.

Wichtig für die Eltern ist in diesem Fall, dass sie unabhängig davon, wie die Jugendlichen sich entscheiden, nicht den Kontakt zu ihren Kindern verlieren und immer wieder mit ihnen das Gespräch suchen. Daniela Guß hilft ihnen gerne dabei – in einer Beratung. Die ist individuell – und ganz ohne Vorwürfe.

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