Drogengeld zur Finanzierung der Nazi-Szene?

Von: Michael Klarmann und Stephan Mohne
Letzte Aktualisierung:
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Nach Informationen unserer Zeitung gehören alle fünf Männer im Alter von 23, 24, 29, 34 und 37 Jahren, die seit zwei Polizeigroßeinsätzen am Mittwoch im Stadtteil Brand hinter Gittern sind, der hiesigen rechtsextremen Szene an oder stehen ihr zumindest nahe. Foto: Ralf Roeger

Aachen. Härteres Vorgehen gegen Drogendealer, das gehört zu den Standardforderungen von Rechtsextremen. Bisweilen wünscht sich die Neonazi-Szene gar die Todesstrafe für derlei Taten. Dumm gelaufen, dass jetzt gleich mehrere „Kameraden“ in Aachen in Untersuchungshaft sitzen.

Der Vorwurf: schwunghafter Handel mit Amphetaminen und anderen Drogen via „Darknet“. Nach Informationen unserer Zeitung gehören alle fünf Männer im Alter von 23, 24, 29, 34 und 37 Jahren, die seit zwei Polizeigroßeinsätzen am Mittwoch im Stadtteil Brand hinter Gittern sind, der hiesigen rechtsextremen Szene an oder stehen ihr zumindest nahe.

Einer der Männer ist mit Timm M. ein Aktivposten der Neonazi-Szene. Auch einer seiner Brüder ist in Haft und steht im Verdacht, an dem Drogenhandel beteiligt gewesen zu sein. Laut Staatsanwaltschaft und Polizei wurden dabei alleine seit November 2015 20 Kilo Amphetamine im Wert von 160.000 Euro verkauft. Mehrere Kilo fanden Einsatzkräfte auch bei den Wohnungsdurchsuchungen am Mittwoch.

Drogen-Einnahmen für die Nazi-Szene?

Was sie bisher nicht gefunden haben, ist das Geld, das die Bande mit den Deals verdiente. Die Suche ist schwierig, denn die Geschäfte wurden in der Internetwährung „Bitcoin“ getätigt. Angesichts der politischen Aktivitäten der Männer dürfte bei den Ermittlern die Vermutung naheliegen, dass mit dem Drogengeld Aktivitäten der Neonazi-Szene finanziert werden. Hinweise auch darauf erhofft man sich von den Daten auf den Computern der Männer, die bei der Razzia sichergestellt wurden.

Mit Timm M.s Bruder ist derweil auch einer der Mitbegründer der Ortsgruppe Aachen der sogenannten „Identitären Bewegung“ (IB) vorläufig kaltgestellt. Die IB gibt sich als eine Art popkulturelle, völkisch-nationalistische Jugendbewegung und will sich offiziell von Neonazis abgrenzen.

Die Brüder M. allerdings nahm früher öfters an Neonazi-Aufmärschen teil und bewegte sich in der Szene der militanten „Autonomen Nationalisten“. Möglicherweise lassen sich nach der Drogenrazzia jetzt noch ganz andere Netzwerke und/oder Straftaten aufdecken.

Hinweis: In einer früheren Version dieses Artikels war der Name des verhafteten Bruders von Timm M. falsch angegeben. Wir haben den Fehler korrigiert.

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