Drogen und Geldwäsche: Internationales Kartell geknackt

Von: heck
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Kokain Drogen Symbol Foto Andreas Arnold/dpa
Die Bande soll Kokain im Wert von etlichen Millionen für ein kolumbianisches Kartell in Europa verkauft haben. Symbolfoto: Andreas Arnold/dpa

Aachen/Düsseldorf. In einer konzentrierten Aktion gegen einen internationalen Drogen- und Geldwäschering haben deutsche und französische Fahnder acht Personen festgenommen sowie Bargeld und Luxusartikel beschlagnahmt. Bei den im Auftrag der Staatsanwaltschaft Aachen bereits im Januar eingeleiteten Razzien wurden Grundstücke in mehreren europäischen Ländern durchsucht. Es geht um Schmuggel und Geldwäsche im großen Stil.

Eine Personenkontrolle durch Aachener Bundespolizisten hatte Ende Juli 2015 den Fall ins Rollen gebracht. Die Beamten fanden bei zwei Libanesen an der deutsch-belgischen Grenze eine gewaltige Summe Bargeld: rund 490.000 Euro in Reisetaschen, überwiegend in kleinen Scheinen.

Die Erklärung der beiden Männer, woher das Geld stammte, klang wenig glaubwürdig. „In einer ersten Befragung erklärten sie gegenüber den Fahndern, sie seien auf Shopping-Tour in Belgien gewesen“, erklärte die Sprecherin  der Staatsanwaltschaft Aachen, Katja Schlenkermann-Pitts am Montag. Die Ausbeute dieser Einkaufstour war, wie sich herausstellte, zwei Designerunterhosen. Die Männer wurden festgenommen.

Das zuständige Zollfahndungsamt Essen ließ das beschlagnahmte Geld untersuchen und wurde fündig: An den Scheinen ließen sich Reste von Betäubungsmitteln nachweisen. Die Staatsanwaltschaft Aachen leitete sofort ein Ermittlungsverfahren wegen Geldwäsche ein. Aus Frankreich erfuhren die Beamten, dass die Verhafteten im Verdacht standen, zu einer internationalen Bande zu gehören, „die für ein kolumbianisches Drogenkartell die Erlöse aus dem Verkauf großer Mengen nach Europa eingeschmuggelten Kokains einsammelt und über Deutschland in den Libanon transferiert“, wie Schlenkermann-Pitts erklärte.

Die Erlöse aus dem Kokainverkauf würden dann in Luxusautos und teure Uhren investiert, die wiederum in den Libanon gebracht und dort verkauft würden. Von den Einnahmen beschafften die Kriminellen neues Kokain in Südamerika. Schlenkermann-Pitts: „Allein im Jahre 2015 soll die Tätergruppe auf die zuvor beschrieben Weise zehn Millionen Euro durch den Ankauf hochwertiger Luxusuhren gewaschen haben.“

Ein halbes Jahr später, am 24. Januar diesen Jahres, schlugen die Fahnder zu: Als der Kopf der Organisation aus dem Libanon nach Frankreich einreiste, wurde er auf dem Pariser Flughafen Charles de Gaulle verhaftet. Am Tag darauf durchsuchten in Deutschland 140 Beamte und Spezialeinheiten des Bundes sowie der Grenzschutztruppe GSG 9 in Düsseldorf, Velbert und Ganderkesee bei Bremen insgesamt zehn Grundstücke. Drei Verdächtige im Alter zwischen 31 und 49 Jahren wurden festgenommen, allesamt Libanesen mit Wohnsitz in Deutschland.

Zur selben Zeit durchsuchten auch in Frankreich und weiteren europäischen Ländern Durchsuchungen. In Frankreich wurden vier weitere Verdächtige festgenommen, darunter einer mit Wohnsitz in Deutschland.

Bei den Ermittlungen in Deutschland wurden nach Angaben der Aachener Staatsanwaltschaft Bargeld im Wert von 260.000 Euro, ein mit Drogengeldern gekaufter Geländewagen der Marke Range Rover im Wert von 80.000 Euro, zwei Luxusuhren im Wert von 100.000 Euro und weiteres Beweismaterial beschlagnahmt.

Seitdem tragen die Fahnder die Puzzlestücke zusammen, um den Festgenommenen den Prozess machen zu können. Hinweise darauf, dass die Beschuldigten für die libanesische Hisbollah-Miliz gearbeitet hätten, haben sich dabei nicht ergeben. Auch hätten keine Kontakte zu im Raum Essen lebenden libanesischen Großfamilien festgestellt werden können, ebensowenig zu Terrorgruppen: „Staatsschutzrelevante Erkenntnisse zu den Tatverdächtigen lagen zu keinem Zeitpunkt vor.“

Weitere Auskünfte erteilte die Staatsanwaltschaft unter Verweis auf die laufenden Ermittlungen nicht.


 

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