DRK-Skandal: Wird vor Gericht jetzt „gedealt”?

Von: Oliver Schmetz
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Steht wegen Untreue vor Gericht: Der ehemalige Aachener DRK-Geschäftsführer Gerhard H. (links), der über dicke Dienstwagen stolperte. Verteidigt wird er von dem Kölner Strafrechtler Gottfried Reims. Foto: Jaspers

Aachen. Der Prozess ist gerade ein paar Stunden alt, als der Richter „laut nachdenkt”: „Sie geben die Autos zu, und den Rest stellen wir ein”, schlägt Harald Brandt, Vorsitzender der 8. großen Strafkammer am Landgericht, dem Angeklagten Gerhard H., Ex-Geschäftsführer des DRK-Kreisverbandes Aachen-Stadt, vor.

Das nennt man einen „Deal”, eine Einigung, mit der alle leben können und die kostenträchtige Verhandlungstage ersparen soll.

Geht also der Aachener DRK-Skandal, der vor zwei Jahren über Wochen die Gemüter erhitzte, nun im juristischen Schnellverfahren zu Ende? Das dann doch (noch) nicht. Es wird weiter verhandelt.

Von der Bereitschaft, etwas zuzugeben, ist der Angeklagte aber auch weit entfernt. Kein Wort der Reue, kein Schuldeingeständnis kommt über seine Lippen.

Dabei ist er über „die Autos” schlagzeilenträchtig gestolpert: Denn neben seinem DRK-Dienstwagen, einem BMW X3, fuhr er nacheinander zwei Chevrolet Corvette-Sportwagen - auf Kosten einer DRK/AWO GmbH, deren Geschäftsführer er auch war. Außerdem soll ein BMW-Mini von ihm oder Angehörigen genutzt worden sein.

Der Chef eines Wohlfahrtsverbandes, der drei teils protzige Dienstwagen gleichzeitig fuhr - als DRK-Skandal schlug der Fall hohe Wellen, die nicht nur Gerhard H., sondern den ganzen Vorstand aus dem Amt spülten.

Hunderte von Spendern und Mitgliedern wendeten sich mit Grauen von einem DRK ab, das wie ein Selbstbedienungsladen erschien.

Jetzt geht es um die strafrechtlichen Folgen. Gerhard H. ist angeklagt wegen „Untreue in besonders schwerem Fall”. Zur Last gelegt werden ihm unter anderem die Corvettes, 404 und 620 PS stark.

Letztere belastete den Etat der GmbH, die Altkleider verwertete und deren Mitarbeitern zuletzt die Gehälter gekürzt worden waren, monatlich mit 1144 Euro.

Die Nutzung der Sportflitzer soll je rund 20.000 Euro Schaden verursacht haben. Doch „die Autos” belasten das Gewissen des Angeklagten, der monatlich fast 16.000 Euro an Gehältern bezog, kaum.

Man könne sich zwar „trefflich darüber streiten, ob das eine Corvette hätte sein müssen. Aber in den USA fahren damit die Hausfrauen zum Einkaufen.”

Und es gebe etliche Kreisverbände, in denen so teure Wagen gefahren würden, auch aktuell in Aachen: „Der Geschäftsführer fährt einen Audi A6 Quattro, der ist teurer als eine Corvette.”

Peter Timmermanns, auch DRK-Geschäftsführer im Kreis Aachen, weist das auf AZ-Anfrage zurück. Er fahre zwar einen A6, doch der koste nur 328 Euro monatlich.

Bei den Autos scheint für das Gericht die Lage klar. Auch wenn H. beteuert, der Vorstand habe alles gewusst und gebilligt, fehlt dazu ein Beschluss der Gremien.

Das sei entscheidend, so der Richter. „Dass jemand bloß davon weiß, kann einen Geschäftsführer nicht dazu bringen, sich Dienstwagen selber zu beschaffen.”

Komplizierter sieht es bei dem aus, was der Richter „Rest” nennt: 33 Fälle, in denen H. dem DRK-Vorsitzenden für Beratung Honorare angewiesen haben soll, ohne dass Leistungen existiert hätten.

Der Schaden für den Kreisverband: über 70.000 Euro. Doch schriftliche Verträge existieren nicht, und H. bestreitet die Vorwürfe. Es habe Beratung stattgefunden, er habe nur auf Anweisung des Vorsitzenden gehandelt.

Der hat allerdings längst ein Schuldanerkenntnis unterzeichnet und sich gegenüber dem DRK zur Rückzahlung verpflichtet - von exakt 70.000 Euro.

Die Ermittlungen gegen ihn wurden gegen Geldbuße eingestellt. Wer sagt die Wahrheit, wer lügt? Aufwändige Zeugenbefragungen könnten Licht in die Sache bringen. Oder es wird „gedealt”.
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