DRK-Prozess vertagt: Da guckt sogar der Richter böse

Von: Oliver Schmetz
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Steht wegen Untreue vor Gericht: Der ehemalige Aachener DRK-Geschäftsführer Gerhard H. (links), der über dicke Dienstwagen stolperte. Verteidigt wird er von dem Kölner Strafrechtler Gottfried Reims. Foto: Jaspers

Aachen. Es braucht schon einiges, um einen gemütlich-gelassenen Richter wie Harald Brandt in Rage zu bringen.

Zum Beispiel einen Verteidiger, der eine harmlose Buchhalterin im Zeugenstand über Gebühr piesackt: „Lassen Sie die Zeugin doch auch mal ausreden”, herrscht er den Rechtsanwalt Gottfried Reims an.

Oder einen Staatsanwalt wie Hanno Gläsker, der eben diesen Verteidiger auf die Idee bringt, doch noch einen weiteren Zeugen vernehmen zu wollen - und der damit einen zunehmend zähen Prozess erneut verlängert. Zumindest Brandts böser Blick in Gläskers Richtung spricht danach Bände.

Keine Plädoyers, nicht das erwartete Urteil also im Prozess gegen den ehemaligen Aachener DRK-Geschäftsführer Gerhard H., der sich seit Anfang Februar vor der 8. großen Strafkammer des Landgerichts wegen Untreue verantworten muss. Vor zwei Jahren war er über dicke Dienstwagen gestolpert und fristlos gefeuert worden.

Nachdem die AZ über den Skandal berichtet hatte, nahm die Staatsanwaltschaft die Ermittlungen auf. Jetzt wird Gerhard H. zur Last gelegt, unter anderem durch die Nutzung zweier 404 und 620 PS starker Chevrolet Corvettes als Dienstwagen gut 40.000 Euro sowie durch fingierte Beratungsgeschäfte mehr als 70.000 Euro Schaden angerichtet zu haben.

Doch während die Dinge bei den Autos klar scheinen, liegt bei den Beratungsrechnungen noch manches im Nebel. Flossen da Gelder ohne jegliche Gegenleistung? Oder wurde doch ein bisschen beraten? Und wenn ja, dann wie und wann? Diese Beweisführung ist schwierig, weswegen Richter Brandt schon am ersten Prozesstag zwecks Verkürzung des Verfahrens einen „Deal” angeregt hatte - nach dem Motto: „Geben Sie die Autos zu, dann stellen wir den Rest ein.” Doch das scheiterte an der Staatsanwaltschaft.

Sein lautes Nachdenken darüber, ob man noch einen weiteren DRK-Buchhalter als Zeugen laden soll, begründet Gläsker damit, der Verteidigung keine Revisionsgründe liefern zu wollen. „Ich möchte nicht in einem Jahr wieder hier sitzen.” Nun sitzt man in zwei Wochen erneut im Justizzentrum beisammen. Am 8. April wird der Zeuge gehört. Dann werden vielleicht die Plädoyers gehalten. Und eventuell wird sogar das Urteil gesprochen. Falls nicht wieder irgendwas dazwischen kommt, was selbst einen gelassenen Richter in Rage bringen kann.
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