DRK-Prozess: Sekretärin belastet ihren ehemaligen Chef schwer

Von: os
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Steht wegen Untreue vor Gericht: Der ehemalige Aachener DRK-Geschäftsführer Gerhard H. (links), der über dicke Dienstwagen stolperte. Verteidigt wird er von dem Kölner Strafrechtler Gottfried Reims. Foto: Jaspers

Aachen. Wenn man Näheres über Chefs wissen will, sollte man ihre Sekretärinnen fragen - und vor dem Aachener Landgericht hat man das am Donnerstag gemacht. Schließlich sitzt dort ein Ex-Chef auf der Anklagebank.

Der ehemalige Geschäftsführer des DRK-Kreisverbandes Aachen-Stadt, Gerhard H., muss sich seit Anfang Februar wegen des Vorwurfs der Untreue verantworten.

Zur Last gelegt werden ihm die Nutzung mehrerer Dienstwagen - er fuhr zwei PS-starke Chevrolets Corvette, einen BMW X3 und einen Mini - sowie fingierte Beratungsgeschäfte in Höhe von über 70.000 Euro. Und viel Entlastendes konnten zwei seiner ehemaligen Sekretärinnen dazu im Zeugenstand nicht beisteuern.

Eher im Gegenteil: Eine 46-jährige Frau, die über achteinhalb Jahre hinweg bis November 2005 als Sekretärin und Assistentin der Geschäftsführung in der DRK-Zentrale in der Robensstraße arbeitete, belastete den Angeklagten schwer.

Für die erste Corvette, die auf eine DRK/AWO GmbH als Dienstwagen zugelassen wurde, habe sie selbst „im Oktober 2004 die Bestellung abgeschickt”, von diesbezüglichen Beschlüssen jedoch nichts gehört.

„Über Fahrzeuge des Geschäftsführers wurde nie gesprochen, weder im Beirat noch im Vorstand.”

Außerdem habe der Angeklagte trotz der Nutzung zweier Dienstwagen - vom Kreisverband wurde ihm auch ein BMW X3 gestellt - noch Kilometer abgerechnet.

Als sie ihn darauf angesprochen habe, sei sie „in deutlichem Ton” zurechtgewiesen worden, so die Zeugin. „Er sagte, das sei nicht meine Sache. Er sei der Geschäftsführer und müsse dafür den Kopf hinhalten.”

Zum Hintergrund: Dass Gerhard H. trotz mindestens zweier Dienstwagen noch gefahrene Kilometer mit Privatfahrzeugen abgerechnet haben soll - von bis zu 140.000 Kilometern pro Jahr war im Prozess in diesem Zusammenhang die Rede -, ist nicht Gegenstand dieses Verfahrens.

Aber die Sache „ist nicht unter den Tisch gefallen”, wie Staatsanwalt Hanno Gläsker betonte. Die Steuerfahndung hat sich dieser Sache angenommen, das Ermittlungsverfahren läuft derzeit noch.

Die Beratergeschäfte, die überwiegend mit dem Ex-Vorsitzenden Georg N. gelaufen seien, seien ihr ebenfalls merkwürdig vorgekommen, so die Zeugin.

Zum Beispiel, wenn es um „Organisationsberatung im Altkleidergeschäft” ging. Dass Georg N. dabei Gerhard H. gegen Honorar beraten haben soll, sei „total suspekt” gewesen.

Denn: „H. war doch viel fitter im Bereich Altkleider. Umgekehrt wäre eher ein Schuh daraus geworden.”

Auch die Terminkalender, die jüngst im Prozess aufgetaucht sind, zog die frühere Sekretärin in Zweifel. Etliche Termine, die auf Beratungsleistungen hindeuten könnten, stammten nicht von ihr: „Das wurde meiner Meinung nach nachher eingetragen.”

Bis zur Entlassung des Gerhard H. im März 2007 war sie allerdings nicht im DRK beschäftigt. Sie sei „weggemobbt” worden, erklärte sie. „Ich vermute, ich wusste zu viel.”

Ihre Nachfolgerin im DRK-Sekretariat konnte zu den Beratungen wenig, wohl aber einiges über die Pkw-Vorlieben ihres Ex-Chefs sagen: „Entweder kam er mit der Corvette, dem BMW oder mit dem Mini.”

Letzterer soll laut Angeklagtem zur Kontrolle der Altkleider-Container eingesetzt worden sein. Kommentar der Zeugin: „Das hätte ich mitbekommen.” Aber sie habe nie andere als den Angeklagten in dem Fahrzeug gesehen.

Für ein schnödes Container-Kontrollfahrzeug wäre der Mini auch sehr edel ausgerüstet gewesen. Zur Sonderausstattung - die vom Gericht verlesen wurde - gehörten ein Sportlederlenkrad, beheizbare Spiegel, ein elektrisches Glasdach, eine Sitzheizung und eine Einparkhilfe.
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