Aachen/Düsseldorf - Dreiste Diebe an Bahnhöfen und in Zügen

Dreiste Diebe an Bahnhöfen und in Zügen

Von: Angela Delonge und Ulrich Hoeck
Letzte Aktualisierung:
Bahnhof
Trotz intensiver Polizeipräsenz auf Bahnhöfen: In Nordrhein-Westfalen ist die Zahl der Diebstähle in Bahnhöfen und Zügen dramatisch gestiegen. Foto: stock/Elger

Aachen/Düsseldorf. Manche bemerken den Diebstahl erst, wenn der Kontrolleur im Zug sie auffordert, den Fahrausweis vorzuzeigen. Tickets, Personalausweis, Führerschein, Kreditkarte, Smartphone – alles weg. Genauso wie die Täter, die längst in einem anderen Zug, einem anderen Bahnhof, einer anderen Stadt ihrem Handwerk nachgehen.

Diese Erfahrung haben in diesem Jahr bereits 7200 Menschen in nordrhein-westfälischen Bahnhöfen gemacht. Mindestens 7200, denn die Dunkelziffer dürfte weitaus höher liegen. Denn nicht alle Opfer zeigen den Diebstahl an – und nicht alle bringen die Tat mit ihrem Aufenthalt im Bahnhof in Verbindung.

Die Zahl der Taschen- und Gepäckdiebstähle ist im ersten Halbjahr 2015 an den Bahnhöfen in NRW im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 900 Fälle gestiegen – das ist ein Anstieg um fast 15 Prozent. „Eine Vielzahl der Taten passiert, weil die Geschädigten zu unbedarft mit ihrem Gepäck umgehen“, sagt Michaela Heine von der Bundespolizeidirektion Sankt Augustin.

Das kann Knut Paul, der für den Bereich der Bundespolizeiinspektion Aachen zuständig ist, nur bestätigen: „Meistens achten die Leute im Zug und auf dem Bahnhof nicht genügend auf ihr Gepäck.“ Er sagt aber auch: „Die Dreistigkeit und Brutalität der Täter nimmt immer mehr zu.“

Jeden Tag gebe es eine Vielzahl von Anzeigen zu bearbeiten, sagt Knut Paul, und er zählt auf, was an einem einzigen Tag in dieser Woche in Zügen und an Bahnhöfen im Bereich der Bundespolizeiinspektion Aachen gestohlen wurde: ein Personalausweis im ICE Köln-Berlin, ein Tablet-PC und diverse Gegenstände im Wert von 450 Euro im Aachener Bahnhof Rothe Erde, ein Koffer mit Kleidungsstücken im IC Heidelberg-Frankfurt, ein Laptop und ein Pass mit Aufenthaltstitel im Zug zum Flughafen Köln-Bonn, ein Rucksack im Regionalzug Hamm-Aachen, ein Smartphone im Schnellrestaurant im Aachener Hauptbahnhof, das der speisende Gast neben sich auf den Tisch gelegt hatte.

„Opfer sollten immer Anzeige erstatten“, sagt Knut Paul, „sie helfen uns damit sehr bei der Strafverfolgung.“ Denn die meisten Täter sind der Polizei wohlbekannt. Es handelt sich oft um gut organisierte Banden, die in Grüppchen durch die Bahnhöfe und Züge ziehen und ihre potenziellen Opfer vorher genau beobachten. Ein beliebter Tatort sind zum Beispiel die Regionalzüge am frühen Sonntagmorgen von Köln oder Düsseldorf Richtung Aachen. Knut Paul: „Die jungen Leute kommen vom Feiern und schlafen im Zug ein. Dann werden sie ausgeraubt.“

Unter den Tätern, die der Polizei bekannt sind, ist auch eine Bande, die extra aus Belgien einreist, um jenseits der Grenze zu zweit oder dritt ihrem kriminellen Handwerk nachzugehen. Knut Paul sagt: „Das ist ein Gruppe von zehn bis 15 Leuten, die uns das Leben schwer machen.“ Wegen der Tatsache, dass sie im benachbarten Belgien wohnen, können sie sich der Strafverfolgung entziehen. Manche werden auf frischer Tat ertappt, kommen jedoch mit einer Geldstrafe davon, die sie in der Regel bezahlen können.

In Nahverkehrszügen wird das Thema Sicherheit der Reisenden längst sehr ernst genommen. „Videoüberwachung gehört in allen unseren neueren Zügen zur Standardausstattung“, sagt Holger Klein vom Verkehrsverbund Rhein-Sieg (VRS). Zum Beispiel sei der Talent 2, der zwischen Aachen und Siegen verkehrt, selbstverständlich mit Kameras ausgestattet. Eine Auswertung erfolge aber nur im Fall einer Straftat und ausschließlich durch die Bundespolizei. Zum Sicherheitspaket im Regionalverkehr gehöre auch, dass nach 19 Uhr mehr Zubegleiter in den Bahnen mitfahren.

Die Deutsche Bahn hingegen sieht „derzeit keine Veranlassung, ihre Züge im Fernverkehr mit Kameras auszustatten“. Das sagte eine Bahnsprecherin auf Anfrage unserer Zeitung. Zur Begründung heißt es, dass im Fernverkehr erstens eine „geringe Kriminalitätsrate“ und zweitens „grundsätzlich andere Voraussetzungen“ herrschten. Da seien zu nennen: weniger Stationen und damit weniger Gelegenheiten, bei denen Diebe ein- und aussteigen könnten sowie die Tatsache, dass „immer mehrere Zugbegleiter an Bord“ seien.

Gleichwohl treibt die Deutsche Bahn die Ausrüstung ihrer Bahnhöfe mit Kameras voran. Im Interesse der Reisenden würden jedoch keine Hinweise auf die Standorte gegeben, heißt es. Nur soviel: Alle großen Schwerpunktbahnhöfe seien mit Kameras ausgestattet.

Und was ist der beste Schutz gegen Diebe? Knut Pauls Tipp: „Man sollte wirklich zu jeder Zeit gut auf sein Gepäck aufpassen. Beim Gang auf die Toilette oder ins Zugbistro sollte man alles mitnehmen oder Mitreisende bitten, aufzupassen.“ Kommentar

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