Dreimal Reformation im Aachener Ausstellungsprojekt

Von: Sabine Rother
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In einer Ausstellung zeigt das Couven-Museum „Gold und Silber aus Klöstern des Dreiländerecks“.
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Silbernes Rauchfass aus Aachen, 1810, Kirchengemeinde St. Franziska von Aachen. Auf dem Deckel findet man die Stifternamen Peter Joseph Durr, Peter Wassenberg und Johannes Hahn.

Region. Facettenreiches, Unterhaltendes, Prächtiges und Erstaunliches: All das versammelt die Stadt Aachen zum Ausstellungsprojekt „Das Ringen um den rechten Glauben“. Im Mittelpunkt steht ein Zeitraum, in dem Kriege geführt wurden und zahlreiche Konflikte entbrannten.

Wie hat sich Luthers Thesenanschlag in Wittenberg 1517, dem Jahr, das als Beginn der Reformation angesehen wird, auf den Aachener Raum ausgewirkt? Auf Bürgertum und Klerus, auf die Gebildeten und Ungebildeten? Wie wirkte sich die große Nähe zu den Niederlanden aus? Bis 1803 – das Rheinland gehörte seit 1797 zur französischen Republik – wird der geschichtliche Bogen geschlagen.

Napoleon hatte nicht nur das Recht zur freien Religionsausübung verkündet, sondern in Aachen die Annakirche den Evangelischen lutherischen und reformierten Bekenntnisses zum Gottesdienst übergeben. Geschichten und Geschichtliches hat Frank Pohle, Leiter der Route Charlemagne und Professor für Religionsgeschichte der RWTH Aachen, mit den Kuratorinnen Gisela Schäffer und Carmen Roebers zusammengestellt, um den Besuchern einen Eindruck von den Ereignissen in diesen rund 300 Jahren zu geben, in denen sich gesellschaftspolitisch so viel verändert hat.

Es gibt drei Orte und drei Blickrichtungen auf das „Ringen um den rechten Glauben“. Im Centre Charlemagne – Stadtmuseum Aachen nähert man sich Fragen zu „Reformation und Konfessionalisierung zwischen Maas und Rhein“ mit Objekten und Dokumenten. In einer Parallel-Ausstellung zeigt das Couven-Museum „Gold und Silber aus Klöstern des Dreiländerecks“.

Museale Detektivarbeit war nötig, um die rund 20 Kostbarkeiten aufzuspüren, die gezeigt werden können. „Nach der Auflösung der Klöster sind viele Stücke in Pfarrkirchen gelangt“, berichtet Pohle. Inventarlisten, Beschreibungen von Schatzkammern, Angaben zu ehemaligen Ausstellungen, die vor Jahren stattfanden, haben ihn und sein Team zu den Objekten geführt. „Klosterschätze wurden damals häufig versteigert oder eingeschmolzen”, sagt Pohle. „Da ist vieles verloren gegangen.“

Im Couven-Museum, das generell bürgerliche Wohnkultur vom Rokoko bis zum Biedermeier zeigt, wird bewusst die Verbindung zum stiftenden frommen Bürgertum in der Phase der Gegenreformation hergestellt. Im Internationalen Zeitungsmuseum lässt als Kurator Andreas Düspohl Interessierte einen Blick auf die Medienlandschaft der Jahre 1817, 1867, 1917, 1967 und 2017 werfen.

Luther als Super-Deutscher, Kriegstheologie, Kulturkampf. „Wir schlagen seltene Zeitungsausgaben auf und erläutern die Inhalte mit Blick auf die jeweilige Zeit“, sagt Düspohl. „Da gibt es spannende Entdeckungen.“

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