Drei Tote: In Köln werden illegale Autorennen zum Problem

Von: Daniel Taab
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Ein Bild der Verwüstung: Der Fahrradfahrer, der in Köln in einen Unfall in Folge eines illegalen Rennens verwickelt wurde, ist wenige Tage nach dem Unfall seinen schweren Verletzungen erlegen. Foto: Bernd Rosenbaum

Köln/Aachen. Die Kölner Polizei sieht sich mit einer neuen Dimension von illegalen Autorennen konfrontiert, die nun das zweite Todesopfer innerhalb von zwölf Wochen gefordert hat, das dritte in diesem Jahr. In zwei Fällen mussten unbeteiligte Fahrradfahrer die tödlichen Konsequenzen der Rennen tragen.

Der Kölner Polizeipräsident Wolfgang Albers ist alarmiert. Seiner Ansicht nach treiben die Raser in der Stadt „ihr Unwesen“. In den vergangenen Wochen seien 100 Fahrverbote gegen mutmaßliche Mitglieder der Raserszene ausgesprochen worden. Die Polizeibehörden in Aachen, Düren und Heinsberg melden auf Anfrage demgegenüber, dass illegale Autorennen in dieser Region „zum Glück kein Problem“ seien.

Die Kölner Polizei meldete am Dienstag, dass ein 26 Jahre alter Radfahrer aus Köln seinen schweren Verletzungen erlegen ist. Er war am Freitagabend um 20.15 Uhr in einen Unfall verwickelt, bei dem es laut Polizei als sicher gilt, dass sich ein BMW-Fahrer (29) aus Köln und ein Mini-Fahrer (31) aus Frechen ein Rennen geliefert haben, für das sie sich wenige Stunden zuvor in der Innenstadt gemeinsam je einen Wagen geliehen haben.

Dass in der Raserszene Mietwagen für Autorennen genutzt würden, bezeichnete Polizeidirektor Martin Lotz als „neues Phänomen“. Der Grund sei simpel: Die jungen Autofahrer wollten ihre aufgemotzten Fahrzeuge schonen, vermutet er: „Die Felgen der eigenen Autos sollen heil bleiben.“

Zeugen haben am Freitag zwei weiße Mietwagen aus der Kölner Innenstadt stadtauswärts auf der Aachener Straße entlangjagen sehen. Die Wagen überholten sich mehrfach gegenseitig. An der Kreuzung mit der Inneren Kanalstraße kollidierte der BMW dann mit einem weiteren Mini, in dem zwei Frauen saßen. Nach dem Zusammenstoß verlor der Fahrer des BMW die Kontrolle über den Wagen, der sich mehrfach überschlug, gegen zwei Ampelanlagen schleuderte und dann den Radfahrer erfasste.

Der Zusammenprall war so heftig, dass das Rad in Einzelteile zerlegt wurde. Der 26-jährige Radfahrer erlitt schwerste Kopfverletzungen. Zwei weitere Passanten wurden durch umherfliegende Fahrzeugteile leicht verletzt. Die beiden Insassen des BMW wurden ebenfalls verletzt, der Fahrer schwer.

Bei der späteren Vernehmung war der BMW-Fahrer „ungewohnt locker und sich des Ernstes der Lage nicht bewusst“, sagte Polizeidirektor Lotz. Es bestehe der Verdacht, dass er unter Drogen stand. Die Ermittlungen ergaben zudem, dass die beiden Raser vor dem Unfall mit ihren gemieteten Wagen offenbar nicht zufrieden waren, BMW und Mini gegeneinander tauschten und dann ihr Rennen fortsetzten.

Dann kam es zum Unfall. Nach der Häufung von Raser-Unfällen war vor einigen Wochen bei der Kölner Polizei die Ermittlungsgruppe „Rennen“ eingerichtet worden. Bei einer Großkon­trolle wurden Autos beschlagnahmt. Am Freitag ging die Polizei – parallel zum neuen Unfall-Drama – erneut gegen die Raser auf der anderen Rheinseite am Tanzbrunnen vor.

In diesem Bereich hatte sich im April ein Raser-Unfall ereignet, der erschreckende Parallelen zu dem auf der Aachener Straße aufweist. Dabei war eine 19-jährige Fahrradfahrerin getötet worden. Auch dort hatten sich zwei junge Männer mit aufgemotzten Wagen ein illegales Rennen geliefert. Einer der Beteiligten hatte die Kontrolle über sein Auto verloren und die junge Frau auf dem Radweg überfahren.

Begonnen hatte die blutige Serie am 26. März: Ein 19-jähriger Autofahrer krachte in ein Taxi, in dem ein österreichischer Fahrgast starb. Der junge Mann hatte sich der Polizei zufolge mit einem 21-Jährigen ein Rennen geliefert. Der Fall liegt jetzt bei der Staatsanwaltschaft.

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