Bonn - Drei Museen der Universität Bonn zeigen interessante und kuriose Exponate

Drei Museen der Universität Bonn zeigen interessante und kuriose Exponate

Von: Martin Thull
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Das Poppelsdorfer Schloss in Bonn: Hier ist das Mineralogische Museum untergebracht. Foto: Martin Thull
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Ein Blick in die Sammlung: Rund 60.000 Exponate sind hier ausgestellt. Foto: Martin Thull
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Alte Keramik: Figürliche Gefäße aus Peru, die man zwischen 0 und 750 nach Christus datiert. Foto: Martin Thull
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Auch im paläpntologischen Museum zu sehen: Das Sklepp eines Fischsauriers. Foto: Martin Thull
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So groß wie ein Smart: Der Schädel T-Rex ist ein Ausstellungsstück, das auch keline Dino-Freunde begeistert. Foto: Martin Thull

Bonn. Die Rheinische Friedrich-Wilhelm-Universität in Bonn feiert in diesem Jahr 200 Jahre Bestehen. Wie sich zeigt, war die Lehre immer auch darum bemüht, den Studierenden handfeste Objekte ihrer Studien zur Verfügung zu stellen.

So entstanden Lehr- und Studiensammlungen, die sich im Laufe ihres Bestehens zu kleinen Museen gemausert haben. Nach dem Akademischen Kunstmuseum und der Sammlung der Ägyptologen, die auf dieser Seite im April vorgestellt wurden, gibt es heute den Hinweis auf drei weitere sehenswerte Sammlungen. Zwei davon sind besonders familien- und kinderfreundlich.

Mineralogisches Museum

Seien wir ehrlich: „Mineral“ verbinden die meisten Menschen mit Wasser aus dem Getränkemarkt. Eines Besseren können sie bei einem Besuch im Mineralogischen Museum der Universität Bonn belehrt werden. Eine schier unerschöpfliche Fülle an Mineralen ist dort ausgestellt und erklärt. Gleich vier verschiedene Ausstellungsräume beschäftigen sich mit den Themen Minerale und ihre Systematik, Gesteine und Meteorite, Erze und mineralische Rohstoffe sowie Edelsteine.

Das kleine, aber feine Museum im Poppelsdorfer Schloss zählt zu den ältesten Museen im Rheinland. Mit seinen weit über 60.000 Objekten besitzt es international hohes Ansehen und ist eines der bedeutendsten seiner Art in Deutschland.

Um die Übersicht nicht zu verlieren, empfiehlt sich, nach einer der angebotenen Führungen zu fragen. Denn in der Vielfalt dessen, was Forscher in aller Welt aus der Erde geholt haben, zeigen sich auch bestimmte Strukturen. Und nicht nur aus der Erde kommen die Ausstellungsstücke. Mehrere Meteorite, die aus den Weiten des Weltalls auf die Erde gestürzt sind, finden sich in einer die vielen Vitrinen:

Der sogenannte Forsbach-Meteorit war der Zufallsfund eines Bauern – der Fundort gab dem Stein den Namen –, den der Bonner Professor Brauns erwerben konnte. Am 12. Juni 1900 fiel er vom Himmel. Der Bauer Johann Peter Volberg habe den Stein gefunden, als er bei der Feldarbeit „in der Luft ein Geräusch wahrgenommen und geglaubt (habe), dass ein Vogel daherfliege“. Im selben Augenblick sei der Stein knapp neben ihm eingeschlagen. „Er hat den Stein aus der Erde genommen und festgestellt, dass er noch heiß war.“

Eher selten fallen den Geologen solche Schätze vor die Füße. Mit Hammer, Zollstock und Kompass ausgerüstet ziehen sie ins Gelände und suchen. Und oft finden sie auch außergewöhnlich Stücke. Diese sind am Aufbau der Erdkruste besonders häufig, weil gesteinsbildend, beteiligt, besitzen beispielsweise als Erze große wirtschaftliche Bedeutung, sind besonders selten oder einfach nur besonders schön. Die glitzernden und funkelnden Edelsteine sind deshalb eine besondere Attraktion.

Besonders beeindruckend gerade für Besucher mit wenig Vorkenntnissen ist der Saal mit dem originellen Titel „Heavy Metal“. Hier wird nämlich sehr anschaulich und teilweise im wörtlichen Sinne fassbar, wo sich überall in unserem Alltag Minerale befinden, ohne dass wir das unmittelbar bemerken.

Die Altamerika-Sammlung

Es kommt ja nicht alle Tage vor, dass das erste Objekt eines Museum eine Weinflasche ist. Doch bei der „Bonner Altamerika-Sammlung“ begrüßen den Besucher je eine Weinflasche aus Chile und Argentinien, stehend auf einem Bohrkern, der den Bodenaufbau dieser für den Rheinländer eher ungewöhnliche Weinanbaugebiete in Südamerika anschaulich macht.

Überhaupt geht es anfangs um Lebensmittel, die uns vertraut sind. Kaffee etwa gedeiht bis in Höhen von über 2000 Metern, teilweise regiert ein Idealklima des „ewigen Frühlings“. Verpackungen zeigen, dass auch zumindest eine große Supermarktkette Kaffee- und Nuss-Nougat-Creme mit Rohstoffen aus lateinamerikanischen Ländern arbeitet. Bio-Qualität! Doch das ist Gegenwart.

Die zahlreichen Vitrinen bergen Schätze aus der Vergangenheit, die oft Sammler vor Ort zusammengetragen haben; dem Bonner Universitätsinstitut haben sie ihre Objekte verkauft oder geschenkt. So sind seit der Gründung 1948 rund 10.000 Objekte zusammengekommen, die die Sammlung mit ihren Lehr- und Studienobjekten einzigartig macht.

Gruselig mag es dem Besucher vorkommen, wenn er einem Totenkopf aus Zuckerguss aus Mexiko begegnet. Der Name des Toten „Amparo“ steht auf der Stirn, in den Augenhöhlen ist rotes Stanniolpapier befestigt. Aber nicht nur in Mexiko, sondern in vielen lateinamerikanischen Ländern vermischen sich am „Tag der Toten“ (1./2. November) christliche und einheimische, indigene Totenkulte.

An anderer Stelle kann man etwas über die Jagd mit Kugelbogen lernen. Mit kleinen Lehmkugeln, die Jungen im Alter zwischen 10 und 14 Jahren formen, werden vor allem Vögel gejagt. Die ungebrannten Kugeln werden „in Körbchen aus Palmblättern, Beuteln aus Stierhoden oder in den zusammenklappbaren Panzern von Gürteltieren aufbewahrt“.

An mehreren Stellen ist vor allem bei den im Haushalt gebräuchlichen Gefäßen zu beobachten, dass die Natur die Formen vorgibt, der Mensch hat sie sich zu Nutzen gemacht. So etwa bei den Kalebassen aus Kürbis oder von der Totomafrucht.

Goldfuß-Museum für Paläontologie

Die Zeiten haben sich geändert. In der Benutzungsordnung von 1820 wurden die Studenten aufgefordert, „Hut, Stock, Mantel, Degen und Schirm“ beim Pförtner abzulegen. Hunden ist der Zutritt verboten. Es werde zudem „anständiges Betragen“ erwartet.

Heute ist der Umgang sicher legerer. Schließlich zeigt das „Goldfuß-Museum“ im Steinmann-Institut der Universität Bonn Fossilien aus der ganzen Welt. Das Goldfuß-Museum gehört mit seinen umfangreichen Sammlungen heute zu den wichtigsten paläontologischen Museen an deutschen Universitäten.

Neben einer großen Vielfalt an versteinerten Meerestieren und Pflanzen von nah und fern bietet die Ausstellung einige (Dino-) Saurier: Eine Schlangenhalsechse, ein vier Meter langer Fischsaurier und der Schädel eines T-Rex beeindrucken nicht nur Kinder.

Mit seiner fast 200-jährigen Geschichte reicht das Museum, das nach seinem Begründer Georg August Goldfuß benannt ist, bis in die Anfänge der Universität zurück und kann mit einem original erhaltenen Ausstellungsraum aus dem Jahre 1910 aufwarten. Diese systematische Sammlung zeigt die Vielfalt des Lebens der erdgeschichtlichen Vergangenheit in besonders ästhetischer Weise.

Der „Paläo-Parcours“ führt zu den wichtigsten Exponaten – Skelette und Versteinerungen – , ein Hocker steht bereit für die kleinsten Besucher, damit auch sie in die zahlreichen Vitrinen blicken können. Staunenswert die Größe der Objekte: Der Schädel des Tyrannosaurus Rex kann es von der Größe her mit dem Smart-Auto aufnehmen. Und das Hinterbein des Riesenfaultieres ist allein schon größer als ein ausgewachsener Mann. Das ganze Tier konnte bis zu fünf Meter groß werden.

Übrigens – folgende Regeln haben die Ordnung von 1820 überlebt: „Benutzung und Besuch geschieht durchaus unentgeltlich“. Zudem ist es untersagt, dem Aufsichtspersonal Geschenke zu machen …

 

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