Aldenhoven - Drei Mal wird das Gnadenbild gestohlen

Drei Mal wird das Gnadenbild gestohlen

Von: Martin Thull
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Das Denkmal „Garekicker“ von Peter Hodiamont in Aldenhoven zeigt einen Mann, der sich aus einer zweigeteilten Tür – im Dialekt „Gare“ genannt – lehnt: Die Aldenhovener sollen sich zur Blütezeit der Prozessionen auf die Rolle des interessiert Zuschauenden beschränkt haben; schließlich hatten sie ja das ganze Jahr über engen Kontakt zu ihrer Kirche.
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Täglich von 8 bis 18 Uhr geöffnet: die Kapelle neben der Pfarrkirche St. Martin in Aldenhoven. Foto: Adi Zantis

Aldenhoven. Die Frage nach der Echtheit bestimmter Reliquien wird heutzutage eher selten gestellt. Den Pilgern kommt es auf das Zeichen an, das ein Ort, ein Gegenstand oder ein Bild geben. Sehr schön lässt sich das an der Wallfahrt zur Maria, der Zuflucht der Sünder, in Aldenhoven aufzeigen.

Die Legende des ursprünglichen Gnadenbildes wird so erzählt: Im Mai 1654 ging der „fromme und einfältige“ Bürger Dietrich Mülfahrt mit seinem Gewehr auf die Vogeljagd und hielt sich nahe der Pfarrkirche auf, als er in einer Höhlung eines Lindenbaums ein Abbild der Mutter Gottes entdeckte. Mülfahrt holte zwei seiner Freunde. Für sie war die Statue ein Zeichen des Himmels. Die drei Freunde hielten von nun an jeden Abend eine Andacht bei dem Marienbild im Lindenbaum.

Eines Abends sahen sie ein „wunderbares Leuchten“, als ob Kerzen gebrannt hätten. Dies veranlasste sie, an der Stelle des Lichtscheins einen Unterstand für das Bildnis zu bauen. Während der Bauzeit brachte der Pfarrer das Marienbild in die Kirche. Dort aber verschwand es. Ersatz kam von Martina Gatz­weiler, die ein sehr ähnliches Marienbild von Verwandten aus Antwerpen erhalten hatte. Der Kaplan stellte die „neue“ Statue in das Heiligenhäuschen, damit sie dort verehrt werden konnte. Die Nachricht des Marienbildes und die Schaffung eines Heiligenhäuschens sprachen sich rasch in der Gegend herum. Wahrscheinlich war es die Neugier oder die Hoffnung auf einen neuen Halt nach 30 Kriegsjahren, die schon bald Menschen aus der Umgebung anzog, die Statue zu verehren.

Mit Erlaubnis der kirchlichen und Unterstützung der weltlichen Obrigkeit wurde 1659 am Ort der Lichterscheinung eine Gnadenkapelle errichtet. Vorbild war der Marienwallfahrtsort Altötting: Neben dem oktogonalen Grundriss gab es zwei Seitentüren, so dass Prozessionen durch die Kapelle ziehen konnten, ohne einander zu behindern.

1882 hatten es Diebe auf die Edelsteine abgesehen, die die Madonna mit ihrem Kind schmückten. Sie stahlen das zweite Gnadenbild, das erneut durch eine Kopie ersetzt wurde. Während des Zweiten Weltkriegs nahm es der damalige Pfarrer mit nach Sachsen, wohin er evakuiert wurde. Er sicherte es vor den anrückenden sowjetischen Truppen und brachte es wieder nach Aldenhoven zurück – wo es in der Nacht zum Aschermittwoch 1947 erneut geraubt wurde.

Man erinnerte sich, dass in St. Markus in Stolberg-Mausbach ein Gnadenbild verehrt wurde, das viele als das „wahre“ Aldenhovener Marienbild bezeichneten. Denn der erste Pfarrer von Mausbach hatte es von Aldenhoven, wo er zuvor tätig war, mitgebracht. In Aldenhoven hatte er eine Kopie zurückgelassen. „In Mausbach ist unsere Muttergottes in der Verbannung“, so erzählte man sich in Aldenhoven – und gab erneut eine Kopie in Auftrag, als Verhandlungen über eine Rückführung der Mausbacher Madonna scheiterten. „Die Aldenhovener Vorgänge zeigen, dass es den Wallfahrern oft weniger auf die Echtheit des Bildes als auf den Ort selbst ankommt“, schreibt Dieter Wynands in „Geschichte der Wallfahrten im Bistum Aachen“.Schon aus dem Jahre 1655, ein Jahr nachdem das Bild aufgefunden wurde, werden Genesungen von Kranken und Gebetserhörungen berichtet.

Junge ohne Gehhilfen

Ein Beispiel: Ein sechsjähriger Junge aus Düren konnte wegen missgebildeter Füße nur an Krücken gehen. Nachdem er mit seinem Vater vor dem Marienbild gebetet hatte, ging es ihm besser, und bald konnte er die Gehhilfen ablegen. Insgesamt sind 68 Wunderberichte bekannt, die mit Aldenhoven in Verbindung gebracht werden. Mit steigender Zahl der Pilger in Aldenhoven stiegen auch die Nachfragen in Hotels, Pensionen und Gasthäusern. Zudem musste für das leibliche Wohl der Pilger gesorgt werden. So kam es, dass die Händler einen Markt in der Pilgersaison organisierten.

Dort wurden auch Souvenirs wie Marienbilder, Marienfiguren und andere Andenken verkauft. Im Zuge des Braunkohletagebaus wurde eine sogenannte Andenkenpfeife gefunden. Ein überraschender Fund des Hobbyforschers Ferdinand Schmidt und Beleg dafür, dass es rund um das Aldenhovener Marienbild schon früh einen regen Andenken- und Devotionalienhandel gegeben hat. Das ist Vergangenheit.

Die Gegenwart: Im Zuge der Neuorganisation der Gemeinden im Bistum gibt es in Aldenhoven keinen eigenen Pfarrer mehr, aber die Ehrenamtlichen sind fest entschlossen, alles für das Fortbestehen der Wallfahrt zu tun. Das erst recht, seit die Gruppe 2013 den Ehrentitel „Lebendiger Schatz des Bistums Aachen“ erhalten hat. Erstmals in der langjährigen Wallfahrtstradition wurde damit eine Organisationsgruppe ausgezeichnet, die sich in der Vorbereitung und Durchführung der drei Oktav-Wochen engagiert.

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