Köln - Drama um Marc Metzger: „Alle lachten, und mir kamen die Tränen“

Drama um Marc Metzger: „Alle lachten, und mir kamen die Tränen“

Von: Ulrich Simons
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Krankenhaus statt Karneval: Marc Metzger musste nach einem MS-Schub alle Termine absagen. Foto: imago/McPhoto

Köln. Erst haben sie noch gelacht, wenn er mal lallte oder ein Wort nicht fand. Oder das Bein nachzog. Weil sie dachten, die Aussetzer gehörten zur Show. Dann kamen die Gerüchte. Hat der „Blötschkopp“ Alkoholprobleme? Ist der auf Drogen? Oder beides?

Für die Spaßkanone des Kölner Karnevals war diese Zeit die Hölle. „Alle lachten, und mir kamen auf der Bühne die Tränen.“ Anfang Dezember lüftete Marc Metzger (39) ein Geheimnis, das er 13 Jahre für sich behalten hatte: Was aussah wie Spaß, war bitterer Ernst – er leidet an Multipler Sklerose.

Die unheilbare Nervenerkrankung war 1999 bei ihm festgestellt worden. Vier Jahre lang hatte er bis dahin als Simulant gegolten. Nach einer Kernspintomographie im Krankenhaus haben sie ihn dann gleich dabehalten.

Die Krankheit kommt in Schüben, die Symptome sind inzwischen – zumindest teilweise – unübersehbar. Metzgers linker Arm hängt schlaff herab, auf dem linken Auge ist er fast blind. Auch die Beine entwickeln mitunter ein seltsames Eigenleben. „Manchmal renne ich zu Hause gegen den Türrahmen. Dann könnte ich heulen“, sagte er im Dezember.

Medikamente gegen die Krankheit hat er bisher verweigert aus Angst vor den Nebenwirkungen. Und bloß kein Mitleid! Seine Therapie stattdessen: Bis zu 500 Auftritte im Jahr. Hat er sich mit dieser „Radikalkur“ zuviel zugemutet?

Metzger, der in diesem Jahr sein 25-jähriges Bühnenjubiläum feiert, scheint durch seine Krankheit dünnhäutig geworden zu sein. Er leidet unter Stimmungsschwankungen, schläft nach eigenen Angaben manche Nacht nur zwei Stunden.

Bei einer Sitzung der REWE-Touristikgruppe mit Gästen aus ganz Deutschland war er im Januar vorigen Jahres nach nur 70 Sekunden von der Bühne gegangen. Gegen den Lärmpegel wie in einer Disco auf dem Ballermann war er nicht angekommen und hatte sich mit den launigen Worten verabschiedet: „Manchmal habe ich auf einer Sitzung des Gefühl, dass ich der einzige bin, der an meiner Rede Spaß hat.“ Weg war er.

Das war vor seinem Gang an die Öffentlichkeit gewesen und hatte ihm damals viel Kritik eingebracht, die heute manch einem leid tut. „Arroganz“ gehörte noch zu den harmloseren Vorwürfen.

Am Freitag dann die Schock-Nachricht, nicht nur für die Karnevals-Fans in Köln: Die Session 2013 wird ohne die liebenswerte „Rampensau“ stattfinden, meldete seine Frau und Managerin Veronika. Zwischen Weihnachten und Neujahr schreibt Marc Metzger normalerweise seine Reden. Doch ein weiterer MS-Schub und der Wirbel, den sein „Geständnis“ Anfang Dezember ausgelöst hatte, waren wohl zuviel für ihn

Statt auf der Bühne zu stehen, verbringt der „Blötschkopp“ jetzt mindestens acht Wochen in einem Kölner Krankenhaus. Ob und wie es danach mit ihm weitergeht, weiß derzeit noch niemand.

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