Dompropst Hans Müllejans ist tot

Von: Sabine Rother
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Der langjährige Dompropst Dr. Hans Müllejans ist heute unerwartet im Alter von 80 Jahren gestorben. Foto: Andreas Herrmann

Aachen. Für seine Aktion „Der Aachener Dom braucht Hilfe” hat Hans Müllejans auch schon einmal den ersten Hammerlschlag bei einer Schrott-Auto-Zerlegung zugunsten des Doms übernommen:

„Ich darf alles tun, was meiner Gesundheit nicht schadet”, sagte er immer mit vergnügtem Zwinkern auf die Frage, ob sein Bischof nicht die Stirn gerunzelt hat, wenn der „begnadete Bettler”, wie ihn der einstige Bundespräsident Johannes Rau einmal nannte, derartige Dinge tat.

Sogar im Goldenen Buch

Warmherzig, seiner Berufung tief verbunden, kenntnisreich, diplomatisch, im besten Sinne ein bisschen stur und humorvoll - so werden ihn alle, die mit ihm arbeiten, feiern, diskutieren und leben durften, in Erinnerung behalten: Aachens ehemaliger Dompropst Prälat Hans Müllejans ist am Mittwoch gestorben - beim Mittagsschlaf in seiner kleinen Wohnung bei den Christenserinnen in Stolberg-Vicht, wo er erst im März, kurz vor seinem 80. Geburtstag, eingezogen war.

„Ein Ehrenbürger und großer Freund unserer Stadt, er hat viel für Aachen und den Dom getan”, erinnert sich Oberbürgermeister Jürgen Linden an den Menschen, der 2002 seine Unterschrift für das Goldene Buch der Stadt leistete. „Ich habe ihn in vielen Gremien als offenen, weltläufigen Partner erlebt.” „Sein Leben hat sich erfüllt”, so Generalvikar Manfred von Holtum. „Viele Menschen in Aachen und darüber hinaus trauern um ihn.”

Der Dom, die nach der Erneuerung der Orgel wieder „klingende Kathedrale” - für Müllejans war es ein Ort, an dem der Dialog der Konfessionen lebte. 30 Millionen Euro hat Müllejans in 25 Jahren für die Rettung des dringend sanierungsbedürftigen Baus - seit 1978 als erstes deutsches Bauwerk auf der Liste des Unesco-Welterbes - zusammengetragen, und er war bei aller Bescheidenheit stolz darauf.

Mit Zahlen kannte sich der Jurist aus: 1959, sechs Jahre nach der Priesterweihe, wurde er Bistumssekretär und Domvikar, ging als Hauptabteilungsleiter „Personal” ins Generalvikariat (1968-1984) und saß seit 1974 im Domkapitel. Im Aachener Dom wurde er geweiht. Hier wurde er 1977 auch in das Amt des Dompropstes eingeführt.

Ein wichtiges Jahr für den in Stolberg-Vicht geborenen Priester, aber ganz besonders für das gefährdete Münster. Seine Idee, in Zeiten knapper Kassen das Großprojekt „Der Aachener Dom braucht Hilfe” zu starten und die Europäische Stiftung Aachener Dom auf den Weg zu bringen, trägt bis heute Früchte, die zu Beginn niemand erwartet hätte.

Seine Überzeugungskraft nutzte er zudem für Dombau- und Karlsverein, die mit gesellschaftlichem Engagement die Erhaltung des Doms stützen. „Der richtige Mann am richtigen Ort”, hat Bischof Heinrich Mussinghoff ihn während des Pontifikalamtes zum 80. Geburtstag genannt. „Er hat eine Herzlichkeit und eine Gabe, mit Menschen umzugehen, die man nicht lernen kann.”

Ein wahres Wort, wenn man nachschaut, welche Einladungen Müllejans annahm - ob er nun beim Zirkus Althoff souverän einen Tiger durch die Manege führte, sich beim Traditionskarnevalsverein der „Lustigen Oecher Figaros” in die Riege der ehrenwerten Träger des „Ehrentoupets” einreihte oder die neue Fahne des Schausteller-Verbandes Aachen weihte und den Euregio-Preis des Aachen-Dürener Einzelhandels entgegennahm, nur eine von zahlreichen Auszeichnungen. Bei Kegelclubs und Vereinen fand er Paten für die Domfenster, in einer Prominentenrunde spielte er einen zünftigen Skat - immer für den Dom.

Nur wenige wissen, dass er zudem die Touristengottesdienste in der Eifel ins Leben gerufen hat, denn seelsorgerisch war Müllejans immer tätig, auf Kreuzfahrtschiffen zwischen Grönland und Spitzbergen oder - ganz still - als Eheberater und bei Führungen im Dom, für ihn ein Symbol christlicher Weltordnung, das der Kirche den Zugang zu den Menschen - auch den ganz jungen - öffnen könne, wie er betonte. Wer ihn nicht kannte und zufällig im Oktogon traf, fand den liebenswürdigen geistlichen Herrn mit der Baskenmütze einfach nur faszinierend und nett.

Guter Gesprächspartner

In Interviews und Talkshows widmete er sich - stets gut vorbereitet - mit Bedacht und dem sicheren Gespür für die Balance zwischen harten Fakten und unterhaltenden Details, seinen Gesprächspartnern.

Der Verein Aachener Presse würdigte ihn dafür mit der „Aachener Zeitungsernte” - wobei ihm gleichzeitig (natürlich) eine ansehnliche 1000-Mark-Spende für den Dom überreicht wurde. Nicht nur umgangssprachlich kann man sagen, sein Leben „füllt Bände”.

Anton Sterzl, ehemaliger Chefredakteur der Aachener Zeitung, hat Müllejans´ Wirken im Buch „Der Dom, die Stadt, die Menschen” (Thouet-Verlag Aachen, 19,90 Euro) festgehalten. 50 Jahre am Aachener Dom - für Müllejans mehr, als die Karriere im Kirchendienst, es war ein Herzensanliegen, bei dem ihm auch seine langjährige Haushälterin Käthe Lüttgen tatkräftig unterstützte. Dieses Herz, das ihn bereits zu vorsichtiger Gangart gezwungen hatte, ist nun stehen geblieben. Im Dom wird es spürbar bleiben.
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