Dombaumeister sucht Kaiser Karls Grab

Von: Georg Dünnwald
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Im Aachener Dom ist karolingischer Blaustein entdeckt worden. Foto: Andreas Herrmann

Aachen. Möglicherweise ist die Sensation perfekt. Vielleicht weiß die Welt schon Mitte Juli, an welcher Stelle im Jahr 814 Kaiser Karl begraben wurde. Sein Grab vermuten Experten im Eingangsbereich des ehrwürdigen Gotteshauses zum Domhof hin.

„Dort wurde der Kaiser in seinem Proserpina-Sarkophag beigesetzt”, nehmen Dombaumeister Helmut Maintz und Dompropst Helmut Poqué an. Dort beginnen auch die archäologischen Grabungen, die letztendlich Auskunft geben könnten. Maintz: „Sollten karolingisches Mauerwerk und Mörtel aus dieser Zeit gefunden werden, sind wir auf der sicheren Seite. Dann haben wir des Kaisers Grab gefunden.”

Immerhin, zwischen Oktogon und 16-Eck ist unter dem Marmorboden, der dringend einer Sanierung bedarf, ein Stück Blausteinboden aus dem 9. Jahrhundert entdeckt worden. Etwa fünf bis zehn Zentimeter unter dem heutigen Bodenniveau liegen die uralten Platten. „Anfang des letzten Jahrhunderts waren die Bauarbeiter so in Eile, dass sie darauf verzichtet haben, das Stück für den neuen Marmorboden herauszureißen”, erklärt Maintz. Pfusch am Bau, der sich jetzt als Glücksfall entpuppt.

Der Dom zeigt sich entrüstet. Schon seit geraumer Zeit könnten Touristen vermuten, dass die umfangreichen Sanierungsarbeiten abgeschlossen sind. Sind sie aber nicht. Im Inneren des Münsters wird kräftig repariert, geputzt und gebuddelt. „Dort muss noch vieles geleistet werden”, sagt der Dompropst.

„Voriges Jahr haben wir im südlichen und südwestlichen Teil des Doms große Schäden beseitigt, hinter den Mosaiken haben wir große Hohlstellen gefunden, ein Riss zog sich zwölf Meter lang durch die Mosaiken. Die Kosten sind um 73 Prozent, 180.000 Euro, in die Höhe geschossen”, beschreibt Maintz die Lage. „Da war es von großem Wert, dass der Bund aus dem Konjunkturprogramm für Unesco-Bauwerke für vier Jahre rund 830000 Euro zur Verfügung gestellt hat.” Dennoch, auf honorable Spenden sei man nach wie vor angewiesen, schließlich dürften Zuschüsse nie zu hundert Prozent eine Baumaßnahme abdecken.

Fürs erste Halbjahr hat sich der Dombaumeister das Westjoch vorgenommen. Der Kaiserthron ist schon unter einem Holzverschlag verschwunden. Der Zugang zum Dom ist über die Nikolauskapelle geregelt. Die Wölfin und der Pinienzapfen sind übrigens vorübergehend in der Domschatzkammer untergebracht. Der Haupteingang ist verschlossen, denn hier wurde Platte für Platte einzeln entnommen und nummeriert, damit sie nach den Grabungen nach Kaiser Karls Bestattungsort wieder passgenau eingelegt werden können.

Schon 1910/1911 wurde im Eingangsbereich gebuddelt, aber die Verantwortlichen konnten sich damals einfach nicht vorstellen, dass der große Karl 814 in der seinerzeit offenen Vorhalle bestattet wurde. Deshalb verrichteten sie ihre Arbeit ausgesprochen oberflächlich. Aber es werden nicht nur Archäologen am Werk sein, auch Handwerker sind wieder mit von der Partie. Denn auch durch die Mosaiken im Westjoch ziehen sich zwei dicke Risse. Einer ist in der Kaiserloge zu sehen, der andere zieht sich durch den Kopf des Jesuskindes aus Mosaik. Und dieses Mosaik wird die Handwerker wieder vor neue Herausforderungen stellen. Denn es ist runde 20 Jahre älter als das, was schon repariert und gereinigt wurde. Und es wurde von einem anderen Meister im Jahr 1880 angebracht.

Die Innensanierung wird wohl bis Ende nächsten Jahres dauern, denn wenn das Westjoch fertig ist, nehmen sich die Handwerker das Oktogon vor. Dort müssen auch Mosaiken geputzt werden, was wieder viele Arbeitsstunden verschlingen wird. Ab Mitte Juli wird das Oktogon für ungefähr vier Wochen gesperrt werden. Ein Gerüst muss gebaut werden, der Barbarossaleuchter für diese Zeit abgenommen und ebenfalls eingehaust werden. Wenn das Gerüst fertig ist, wird der schwere Leuchter wieder hochgezogen. „Und was uns dann in der Kuppel erwartet, das wissen wir nicht”, gibt Maintz zu.
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