Aachen - Digitalfunk: Klein, teuer, kompliziert

Digitalfunk: Klein, teuer, kompliziert

Von: Daniel Gerhards
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Feuerwehren und Rettungsdienste sollen in NRW bald nur noch digital funken: Brandmeister Daniel Lechner von der Stolberger Feuerwehr nutzt die neue Technik schon jetzt im Probebetrieb. Foto: Daniel Gerhards
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Aachen. Das neue Netz steht – nun wird es auf Herz und Nieren getestet. Danach möchte das Land NRW den Digitalfunk für Polizei, Feuerwehr, Rettungsdienste und Katas­trophenschutz endgültig einführen. Eigentlich sollte der analoge Funk bereits zur Fußballweltmeisterschaft 2006 abgelöst werden, doch das scheiterte am organisatorischen Aufwand.

Nun soll das aktuell „größte Modernisierungsprojekt der inneren Verwaltung“ vorangetrieben werden. Kritik gibt es von den Feuerwehrleitern.

500 Millionen Euro kosten der Netzaufbau und die Ausstattung der Polizei das Land NRW. Die Aachener Polizei funkt bereits digital. Dafür mussten 700 Geräte angeschafft werden. Auch die Heinsberger und Dürener Polizei haben den digitalen Funk getestet. In Heinsberg wird bis zur endgültigen Umstellung weiter analog gefunkt, die Dürener Polizei nutzt beide Systeme parallel. 2014 sollen landesweit alle Polizeistreifen und Leitstellen mit der neuen Technik ausgestattet sein, sagt Wolfgang Beus, Sprecher des NRW-Innenministeriums.

Doch auch dann kann der analoge Funk nicht komplett abgeschaltet werden. „Die Polizei muss weiterhin mit Behörden, die noch nicht auf Digitalfunk umgestellt haben, kommunizieren können“, sagt Beus. Eine Funkverbindung vom digitalen zum analogen Gerät ist technisch nicht möglich.

Umstellung wird teuer

Nachziehen müssen die Feuerwehren und Rettungsdienste in NRW. Sie haben den Digitalfunk getestet und wollen nun nach und nach die neuen Geräte für alle Leitstellen und Löschzüge beschaffen. Und das soll anders als bei der Polizei nicht mit Landesmitteln finanziert werden: Die Kommunen und Kreise sind in der Pflicht.

In einem sind sich Verwaltungen und Feuerwehrleute der Region schon jetzt einig: Die Umstellung wird teuer. Der Kreis Düren rechnet für die Einrichtungen im Kreisgebiet mit Kosten von vier bis 4,5 Millionen Euro. Zudem rechnet Ralf Butz, Leiter des Amts für Feuerschutz und Rettungswesen des Kreises, damit, dass man die digitalen Handgeräte regelmäßig austauschen muss. „Das ist ja etwas wie ein Handy. Wir gehen davon aus, dass man alle drei bis fünf Jahre neue Geräte beschaffen muss“, sagt Butz. Die Kosten dafür schätzt er auf zwei Millionen Euro.

Was die Umstellung kosten wird, möchte die Städteregion Aachen derzeit noch nicht schätzen. Allerdings ist klar, dass 1200 Geräte bei den Feuerwehren und Rettungsdiensten im ehemaligen Kreis Aachen ausgetauscht werden müssen. In der Stadt Aachen sollen etwa 500 analoge Geräte durch digitale ersetzt werden. Der Kreis Heinsberg kann noch nicht eingrenzen, wie viele Geräte man anschaffen muss. Man geht von mehreren hundert Funkgeräten aus.

Doch allein mit den Anschaffungskosten ist es nicht getan. Der Aufwand, alle Einsatzkräfte zu schulen, ist enorm. Im ehemaligen Kreis Aachen gibt es rund 1800 aktive Wehrleute, in der Stadt Aachen sind rund 700, im Kreis Heinsberg 2200 und im Kreis Düren rund 3500. Und alle müssen in die neue Technik eingewiesen werden. Der ganze Aufwand soll sich auch lohnen.

Ein Vorteil des digitalen Funks: Das, was gesagt wird, ist sehr klar zu verstehen. „Die Qualität ist viel höher als beim analogen Funk“, sagt Ralf Wählen, Leiter der Heinsberger Feuerwehr. Rauschen oder Störgeräusche sind fast nicht zu hören. Auch aus einsatztaktischer Sicht bietet die neue Technik Vorteile: Man kann Gruppen bilden, in denen alle beteiligten Einsatzkräfte (Polizei, Feuerwehr, Rettungsdienste etc.) zusammengeschaltet werden können. „Das macht die Arbeit an der Einsatzstelle sehr viel einfacher“, sagt Wählen. Zudem soll der Digitalfunk abhörsicher sein.

Trotz all dieser Vorteile kritisieren die Wehrleute die Einführung des Digitalfunks im Grundsatz: „Die Feuerwehr hatte ein funktionierendes System. Wenn ich die Kosten und den Aufwand sehe, weiß ich nicht, ob sich das lohnt. Ob jemand mithört, ist mir eigentlich egal“, sagt der Heinsberger Kreisbrandmeister Karl Heinz Prömper. Auch Hans-Peter Herkenrath, Kreisbrandmeister in Düren, findet die Umstellung überflüssig: „Die Feuerwehr braucht den Digitalfunk nicht. Man muss den Funk für uns nicht verschlüsseln. Positiv ist aber, dass wir problemlos mit der Polizei kommunizieren können“, sagt er.

Noch ein paar Funklöcher

Ralf Wählen hat die Tests in Heinsberg begleitet. Er findet die Geräte, die dabei eingesetzt wurden, nur bedingt geeignet: Die digitalen Handgeräte sind viel kleiner als die analogen Vorgänger und haben ein Menge Tasten. „Das ist mir viel zu kompliziert, wenn ich im Einsatz in ein Haus reingehen muss“, sagt er.

In solchen Extremsituationen, die bei der Feuerwehr häufig vorkommen, komme es auf Einfachheit und Funktionalität an. Es gebe zudem tausende verschiedene Programmierungsmöglichkeiten und man benötige häufig Software-Updates, was ebenfalls ein hoher Aufwand sei, sagt Bernd Hollands, Kreisbrandmeister der Städteregion Aachen.

Die Feuerwehren in der Region haben das Netz nun alle getestet. Es gibt noch einige Funklöcher – am Markt in Kornelimünster oder am Rursee –, an denen „nachgebessert“ werden muss. Aber grundlegende technische Probleme gebe es nicht. Doch ein Netz aufzubauen, das das komplette Bundesgebiet ohne Funklöcher abdeckt, dauert. Das war ein Grund, warum sich die Einführung des Digitalfunks so stark verzögerte.

Neue digitale Geräte werden trotz aller Kritik und des hohen Aufwands nun angeschafft werden. Vorerst wird dann noch parallel in beiden Netzen gefunkt. Wann die Umrüstung abgeschlossen sein wird, liegt auch an den Kommunen. Schließlich müssen sie die Geräte bezahlen. Angesichts knapper Kassen wird das kaum einen Kämmerer freuen. Einen Termin, wann das analoge Netzt endgültig abschaltet wird, gibt es noch nicht.

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