Diese beiden Aachener kommentieren die Olympischen Spiele

Von: Robert Esser
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Buchstäblich immer am Ball: Peter und Volker Grube (v.l.) kommentieren in Rio unter anderem Rugby und Golf. Foto: Michael Jaspers

Aachen. Sie sind die beiden einzigen Aachener, die bei den Olympischen Spielen in Rio de Janeiro antreten. Und sie sind Brüder. Peter und Volker Grube – der eine 58, der andere 46 Jahre alt – kommentieren fürs deutsche Fernsehen – der eine für die ARD, der andere fürs ZDF – das größte Sportereignis der Welt.

Die beiden Sportreporter zählen zu den 480 Mitarbeitern des öffentlich-rechtlichen Rundfunks, die in diesen Tagen nach Brasilien düsen: 250 Mitarbeiter von Produktion und Technik, 230 Redakteure. Eine handverlesene Moderatoren- und Kommentatorenriege. Ein Ritterschlag für die Gebrüder Grube, auch wenn man gemeinsam schon über 20 Olympische Spiele vor Mikrofonen in aller Welt verbracht hat. Obwohl: Zusammen arbeiten beide nicht, schon wegen der unterschiedlichen Sender.

„Wir sind an unterschiedlichen Tagen für verschiedene Sportarten zuständig“, erklärt Peter. Der 58-Jährige begann seine Karriere 1981 bei „Sportschau“-Legende Ernst Huberty. Seitdem hat sich viel geändert. Zum Beispiel die olympischen Disziplinen. 23 unterschiedliche hat er bereits kommentiert. In Rio ist der Vater von drei erwachsenen Kindern unter anderem für Wildwasserkanu und Rugby am Start. Fachkundig und mit markanter Stimme wird der Aachener vor allem die Augsburger Medaillen-Hoffnung Sideris Tasiadis im Auge behalten. „Er hat in London Silber geholt. Es wäre klasse, wenn er daran in Rio anknüpfen könnte“, sagt Grube.

Bruder Volker verfolgt Handball – mit Europameister Deutschland im Turnier – und Golf. Das passt. Golf ist zum ersten Mal seit 112 Jahren olympisch. Mit Martin Kaymer kommt einer der weltbesten Golfer aus Deutschland. „Wir übertragen rund acht Stunden täglich vom olympischen Golfturnier. Das freut mich umso mehr, weil ich selbst begeisterter Golfer bin“, erläutert er. Wobei es nicht unbedingt notwendig scheint, selbst in der Sportart aktiv zu sein, die man als Experte via TV kommentiert. Volker Grube reist seit Jahren fürs ZDF mit dem Formel-1-Zirkus rund um den Globus, im Winter tourt er im Tross der Nordischen Kombinierer. „Ich werde sicher niemals im Cockpit eines Formel-1-Autos über eine Rennpiste jagen, und ebenso wenig werde ich todesmutig von einer Skischanze springen. Trotzdem kann man solche für den Otto-Normalsportler extremen Sportarten als Reporter mit Sachverstand kommentieren und Leistungen einordnen“, sagt er. „Entscheidend sind eine penible Vorbereitung, viel Fleiß, viel Theorie – und Erfahrung“, fügt der Vater zweier Töchter hinzu.

Erfahrungsgemäß bleibt bei Sportgroßereignissen wenig Zeit zum Durchatmen. Auch das ist anders als früher. Abends mit den Athleten eine Limo im Olympischen Dorf trinken? Ausgeschlossen. ARD und ZDF senden nicht nur abwechselnd live auf den Hauptfernsehkanälen – 300 Stunden. „Dazu kommen über 1000 Stunden Livestreams auf sechs Internet-Kanälen“, erläutert Peter. Die wichtigsten Entscheidungen laufen im Hauptprogramm, viel anderes gleichzeitig im weltweiten Netz. „Das bedeutet für uns, dass wir aufgrund der Livestreams spürbar mehr und länger kommentieren, als das noch vor Jahren der Fall war“, freut sich Volker Grube. Falls die nächsten Olympischen Spiele – solche Überlegungen gibt es durchaus – nicht mehr über die öffentlich-rechtlichen Fernsehsender in deutsche Wohnzimmer transportiert würden, wäre das nicht nur für die Grube-Brüder ein großer Verlust.

Trotz Stress Olympia genießen – so lautet diesmal umso mehr die Devise. Zumal sich die Grube-Brüder zum Beispiel vor acht Jahren bei den Olympischen Spielen in China gar nicht zu Gesicht bekamen. Peter arbeitete in Peking, Volker in Hongkong bei den Reitern. „Wenn sich in Rio die Chance ergibt, zusammen mal einen Kaffee zu trinken, werden wir sie nutzen“, hofft Peter Grube. Um ihre Sicherheit machen sich die beiden dabei keine Sorgen. „Es gab Sicherheitstests via E-Learning im Vorfeld. Aber wenn man sein ganzes Berufsleben lang um die Welt reist, weiß man, was geht – und was man lieber bleiben lassen sollte“, betont Volker Grube. Und Peter ergänzt: „Den Tipp ‚Menschenmassen meiden‘ zu befolgen, ist bei Olympia eher schwierig.“

Hohe Einschaltquoten erwartet man sowieso. Die nächsten Spiele finden wieder in Asien statt. Da sorgt die Zeitverschiebung für ungünstige Übertragungszeiten in Deutschland. Rio liegt nur fünf Stunden zurück. Also: Einschalten und in Sachen Grube-Brüder auf einen populären ZDF-Werbespruch vertrauen, der hier ausnahmsweise auch für die ARD gilt: Mit dem Zweiten sieht man besser.

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