Aachen - Die Zukunft vor Augen: Junge Mentoren motivieren Schüler

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Die Zukunft vor Augen: Junge Mentoren motivieren Schüler

Von: Lukas Weinberger
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Glaubhaft: Die Biografie von Mentor Eta Sheidaei (rechts) ist nicht weit von denen der Schüler am Aachener Berufskolleg entfernt. Er hat seinen Weg gemacht. Nun will Scheidaei jungen Leuten helfen, ihre Ziele zu entwickeln und zu verwirklichen. Foto: Harald Krömer
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Präsident Kemal Sahin engagiert sich mit seiner Stiftung für Schüler mit Migrationshintergrund. Foto: Lukas Weinberger

Aachen. Als Eta Sheidaei die Klasse betritt, wird es mucksmäuschenstill. Gut gemacht, so gehört sich das. Oder? „Ich bin doch kein Lehrer.“ Sheidaei lacht. Er ist nicht ans Paul-Julius-Reuter-Berufskolleg in Aachen gekommen, um Deutsch, BWL oder sonstigen Stoff mit den 18- und 19-Jährigen zu pauken, nein. Er ist gekommen, um sie zu motivieren. Ihren Abschluss sollen sie machen, eine Ausbildung oder ein Studium anstreben, sich Ziele setzen, ihre Träume leben.

Das will Mentor Sheidaei ihnen sagen. Genau das ist das Konzept des neuen Projekts „Komment - Kompetenzentwicklung durch Mentoring“. Ins Leben gerufen wurde es von der Würselener Stiftung „Bildung! Egitim!“ Sie hat es sich zur Aufgabe gemacht, sich vor allem für Schüler mit Mi­grationshintergrund zu engagieren.

Weil immer noch ein hoher Anteil dieser Schüler ohne Abschluss bleibt, weil immer noch zu wenig junge Menschen mit Migrationshintergrund eine Ausbildung oder ein Studium beginnen, gehen ausgebildete Mentoren gezielt in Schulen mit einem großen Anteil von Schülern mit Zuwanderungsgeschichte. Mentoren, die ebenfalls einen Migrationshintergrund haben, die jung sind - und einen guten Draht zu Schülern haben. Und genau deshalb macht Eta Sheidaei, der türkische Wurzeln hat, an diesem Tag Station am Paul-Julius-Reuter-Berufskolleg - der erste Schulbesuch im Rahmen des Projektes in der Region.

Die Schüler dort sind 18, 19 Jahre alt, im Sommer wollen sie die Fachoberschulreife erlangen. Und dann? Ausbildung? Fachabitur? „Was wir alle brauchen, ist ein klares Ziel.“ Das ist eine der zentralen Botschaften, die Sheidaei den Schülern mit auf den Weg gibt. Oder: „Ihr bekommt im Leben nichts geschenkt.“ Das, was bei vielen schnell für Dampfplauderei gehalten werden könnte, ist bei Eta Sheidaei ehrlich gemeint - und kommt bei den Schülern auch so an. Er macht das Mentoring ehrenamtlich - und vor allem macht er es gern. Und das merken die Schüler. Sie fassen Vertrauen, erzählen frei heraus, wo ihre Stärken liegen, wo ihre Schwächen. Sie sprechen von ihren Zielen, von ihren Träumen.

Kein Wunder: Irgendwie ist Eta Sheidaei einer von ihnen. Er ist nur ein paar Jahre älter, er spricht ihre Sprache, er kennt ihre Sorgen, kennt ihre Probleme. Gruppen-Mentoring nennt sich das, was Eta Sheidaei in der Klasse macht. In einem vertrauten Umfeld, ohne Lehrer, ganz persönlich. Ausgeschlossen vom Projekt sind deswegen auch die deutschen Schüler nicht, ein Drittel hat keinen Migrationshintergrund - und doch hängen auch sie an den Lippen des Mentors.

Schlüsselerlebnis

Nein, die Schule sei ganz sicher nicht immer sein Lieblingsort gewesen, auch das gibt Sheidaei den Schülern gegenüber offen zu. Und doch hat er es geschafft. Seinen Weg geebnet hat ein Schlüsselerlebnis zu seiner Schulzeit, erzählt er den Schülern: Als ihn eine Lehrerin fragte, was er denn in seinem Leben vorhabe, antwortete der heute 27-Jährige: „Erst möchte ich Abitur machen, dann studieren.“ Seine Lehrerin zog die Augenbrauen hoch, das sei nichts für ihn, sagte sie. Eine Aussage, die Eta Sheidaei anspornte: Er machte Fachabitur, er studierte, arbeitet jetzt als Marketingexperte in Aachen. „Mir hat niemand eine solche Karriere zugetraut – und ich habe es dennoch geschafft.“

Und die Schüler der Klasse könnten einen ähnlichen Weg einschlagen. Sie müssten es nur wollen. So lautet Sheidaeis Botschaft. Dass sie auch bei den Schülern angekommen ist, zeigt sich vor allem am Ende: Nummern werden getauscht, man will in Kontakt bleiben. Das Treffen soll nur der Anfang gewesen sein. „Dieses Projekt ist eine absolute Bereicherung für uns“, sagt Antje Hagena, Abteilungsleiterin der Handelsschule am Berufskolleg. „Zukunftsplanung ist ein wichtiges Thema.“

Initiativen wie „Hand in Hand für Aachen“ unterstützen die Stiftung bereits, auch Sylvia Löhrmann (Grüne), NRW-Ministerin für Schule und Weiterbildung, betonte auf der Auftaktveranstaltung vor einigen Tagen, wie wichtig solche Stiftungen und Projekte für die Gesellschaft seien.

Die Stiftung hofft, dass weitere Schulen auf den Geschmack kommen. Das Projekt „Komment“ soll auf die Region ausgeweitet, weitere Mentoren gefunden werden. Eta Sheidaei jedenfalls wird weitermachen, will weitere Schüler motivieren. An Schulen in der Städteregion, in den Kreisen Düren und Heinsberg. „Unbedingt“, sagt er. „Jeder Schüler, der motiviert ist, jeder Schüler, der sein Ziel verfolgt, ist ein Gewinn.“

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