Die wichtigste Ermittlerin der Region

Von: Wolfgang Schumacher
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Elisabeth Auchter-Mainz
Sieht in richtig angewandtem Jugendstrafrecht großen pädagogischen Nutzen: Elisabeth Auchter-Mainz, ab Montag Leiterin der Aachener Staatsanwaltschaft. Foto: Harald Krömer

Aachen. „Ich war jetzt lange genug weg und bin trotzdem noch verwurzelt hier.” Distanz und Nähe gleichermaßen, das ist der innere Zustand, den die Neue auf dem Chefposten der Aachener Staatsanwaltschaft als Geschenk empfindet, und für den die Leitende Oberstaatsanwältin Elisabeth Auchter-Mainz, 58, momentan so richtig dankbar scheint.

Neun Jahre heraus aus Aachen und damit genügend lange weg sei sie gewesen, betonte sie im Antrittsgespräch mit dieser Zeitung. Im Geiste dabei zu ergänzen: Beste Voraussetzung, um objektiv sein zu können nach ihrer Berufung, gute Voraussetzung, um sich als Leiterin einer Behörde mit rund 250 Angestellten möglichst nicht in den Fallstricken alter Strukturen zu verfangen - schließlich ist Objektivität die vom Gesetzgeber verordnete Basistugend einer deutschen Staatsanwaltschaft.

Auchter-Mainz, seit April im Amt, ist nun die vierte hochrangige Juristin auf einem Chefposten des hiesigen Justizsystems. Seit Herbst 2008 wird die JVA von weiblicher Hand regiert, dem Aachener Amtsgericht steht seit Dezember letzten Jahres ebenso eine Frau vor und seit diesem Jahr ist Richterin Cornelia Kriebel Präsidentin des Sozialgerichts.

Natürlich richte sich ihre Aufmerksamkeit mit gleicher Intensität auf aller Dezernate, bekräftigte sie auf Nachfrage, wo denn die Schwerpunkte ihrer kommenden Amtszeit liegen. Ein wenig schwerer wiegt zweifelsohne ihre alte Liebe für eine Anwendung des Jugendstrafrechts mit Augenmaß. Bereits als junge Aachener Staatsanwältin beackerte sie den Bereich, der heute leider regelmäßig Schlagzeilen brutalster Art wie jüngst wieder in München produziert.

„Ich bin der Auffassung, dass jugendliche Straftäter nicht unbedingt bereits mit 14 oder 15 Jahren in eine Haftanstalt sollten.” Ehe die Jugendlichen nach „Heinsberg oder Köln” kommen, gebe es in NRW eine Reihe von Einrichtungen, in denen die vom Gesetzgeber vorgesehenen Erziehungshilfen gegeben werden können. Das Jugendgesetzt hab da eine Vielfalt abgestufter Vorgehensweisen.

Klar sei aber auch: „Es gibt Fälle, da muss auch klare Kante gezeigt werden.” Hilfreich sei hier anders als im Erwachsenenstrafrecht die Jugendgerichtshilfe, die per Gesetz dem Staatsanwalt zur Seite stehe bei der Beurteilung der Fälle. „Bei den Jugendlichen sollten wir aber weiter nach dem Prinzip arbeiten, möglichst eine U-Haft zu vermeiden”, bricht sie eine Lanze für eine Vorgehensweise, die auf Erziehung und Ausbildung baut.

Ein Staatsanwalt für den Ort

Was die neue Chefin sofort angehen wird, ist eine Sache, die ihr in Köln richtig gut gefallen hat. „Ich will hier in Aachen einen sogenannten âStaatsanwalt für den OrtÔ einführen”, dies am besten schon ab 2010. Nicht wie üblich nach den Buchstaben des Alphabets sollen die Fälle verteilt werden, sondern zunächst probeweise an Staatsanwälte, die sich besonderes um eine Gegend, einen Ort kümmern. Ein regionales Verteilungsprinzip also: „Das hat den Vorteil, dass die Kollegen irgendwann ihre Leute kennen.”

Als damals erste Sonderdezernentin der Aachener Staatsanwaltschaft für Sexualstraftaten habe sie übrigens wohlwollend die Aktion der Aachener Kollegen beobachtet, die seit etwa zwei Jahren vergewaltigten und/oder misshandelten Frauen die Möglichkeit einräumen, bei der Staatsanwaltschaft Beweise für die Straftaten der Männer zu hinterlegen, ohne gleichzeitig sofort Anzeige erstatten zu müssen - die Asservate werden eingelagert und können jederzeit aktiviert werden.

Bei der Frage nach der vorhandenen Personaldecke ließ Auchter-Mainz die Kirche im Dorf: „Wir haben manchmal Engpässe und es ist knapp”. Einen Notstand, der unter anderem zu ungewollten Freilassungen aus der Untersuchungshaft wie etwa in Mönchengladbach führen könnten, habe man nicht, aber: „In einigen Diensten ist die Personaldecke wirklich sehr dünn.” Elisabeth Auchter-Mainz wird am kommenden Montag ab 14 Uhr von NRW-Justizministerin Roswitha Müller-Piepenkötter im Justizzentrum Aachen in ihr Amt eingeführt, gleichzeitig wird ihr Vorgänger Axel Vedder verabschiedet.
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