Die Wahlsieger sind im Rathaus nicht zu finden

Von: Kolja Linden und Michael Grobusch
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Entsetze Blicke auf die Ergebnisse: Die Stolberger Sozialdemokraten (vorne Bürgermeister Ferdi Gatzweiler, hinten Fraktionschef Dieter Wolf) mussten die hohen Verluste auf allen Ebenen erst einmal verarbeiten.

Stolberg. Die wahren Sieger feierten am Abend unter Ausschluss der Öffentlichkeit. Während sich die Sozialdemokraten den katastrophalen Verlusten ebenso wie den neugierigen Blicken mancher Stolberger stellten und die CDU-Vertreter an gleicher Stelle das schwarz-gelbe Bündnis auf Bundesebene und den Direkteinzug ihres Kreis-Kandidaten Helmut Brandt mit zurückhaltender Genugtuung zur Kenntnis nahmen, blieb die FDP dem Raatssaal kollektiv fern.

Berufliche Verpflichtungen, so klärte Fraktionschef Bernd Engelhardt zu später Stunde telefonisch auf, waren der Grund dafür.

Wirklich viel verpasst haben die Freien Demokraten dann auch nicht. Die Stolberger scheinen wahlmüde zu sein und blieben deshalb nicht nur überwiegend dem Rathaus, sondern in markant hoher Zahl auch den Wahllokalen fern. Mit 68,3 Prozent lag die Wahlbeteiligung satte acht Prozentpunkte unter der von 2005. Das liegt zwar im Trend des Kreises Aachen, aber dennoch erheblich unter dem Bundesschnitt.

Der Bund wurde auch zum Maßstab für Martin Peters. Der Hoffnungsträger der SPD und mit 26 Jahren zweitjüngste Kandidat seiner Partei überhaupt erlebte im Aachener Kreishaus einen ganz bitteren Abend. Er musste sich nicht nur im Kreis seinem Kontrahenten Helmut Brandt deutlich geschlagen geben. Selbst in seiner Heimatstadt reichte es nicht zum Sieg: Am Ende lag der CDU-Politiker mit 39,05 Prozent fast exakt zwei Prozentpunkte vor Peters (37,08).

Dennoch findet Peters „sein” Ergebnis in Stolberg „im Gesamtkontext in Ordnung. Ich war durchaus ein zugkräftiger Kandidat”, sagte er mit Blick auf deutlich mehr Erst- als Zweitstimmen.

Etwas Positives konnten auch die Sozialdemokraten im Stolberger Rathaus dann doch noch an diesem Wahlergebnis finden. Zumindest hinter vorgehaltener Hand wurde die Schlappe auch als Chance auf einen Neuanfang interpretiert. „Eine große Koalition ist ein Medikament mit vielen Nebenwirkungen”, erklärte Rolf Engels.

Und Hans Kleinlein, den die Agenda 2010 vor vier Jahren zum Rückzug vom Stadtverbandsvorsitz bewegt hatte, sah sich in seinen Befürchtungen bestätigt: „Was heute eingetreten ist, habe ich schon nach der letzten Wahl vorhergesagt”, rief Kleinlein seine Partei noch einmal zu einer Kurskorrektur auf und fügte hinzu: „Ich bin mir sicher, dass wir uns in der Opposition erholen werden.”

Derweil verwies Ferdi Gatzweiler auf den Wert des Kommunalwahlergebnisses. „Der heutige Abend zeigt, welch grandiosen Erfolg wir am 30. August erzielt haben”, stellte der SPD-Bürgermeister, dessen Partei in Stolberg die stärkste Ratsfraktion stellt, fest.

Dem Stadtrat wird Martin Peters nicht angehören, ihm bleibt das Mandat im neuen Städteregionstag. „Dort und in meinem Amt als Stadtverbandsvorsitzender und stellvertretender Kreisvorsitzender werde ich jetzt meiner normalen Arbeit nachgehen”, sagte der sichtlich enttäuschte Stolberger und ergänzte: „Wenn die SPD mir das Vertrauen noch einmal gibt, würde ich auch in vier Jahren noch einmal antreten.”

Dass die großen Parteien insgesamt „neue Äcker beackern müssen”, um in Zukunft bessere Ergebnisse zu erzielen, schließt Paul M. Kirch (CDU) aus der Wahl, denn: „Die alten Stammwähler werden weniger.” Mit dem Stolberger Ergebnis für seine Partei ist der ehemalige CDU-Bürgermeisterkandidat zufrieden: „Das hätte ich mir für mich auch gewünscht.”
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