Die Unermüdlichen: Bei den Krippenbauern auf dem Weihnachtsmarkt

Von: Daniel Gerhards
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Biblisches Gedränge: Auf den Regalen in ihrer Weihnachtsmarktbude nutzen Anne-Marie und Heinz Conzen jeden Zentimeter aus. Die Krippenfiguren stehen dort dicht gedrängt. Foto: Daniel Gerhards
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Etliche Artikel auf acht Quadratmetern: Anne-Marie und Heinz Conzen verkaufen Krippen und Zubehör auf dem Aachener Weihnachtsmarkt.

Aachen/Eschweiler. Wenn Anne-Marie und Heinz Conzen morgens auf den Aachener Weihnachtsmarkt kommen, dann wissen sie, dass sie noch einen langen Tag vor sich haben. Von morgens bis abends verkaufen die Eheleute aus Eschweiler-Kinzweiler in ihrem Stand alles rund um die Krippe: Ställe, Figuren, Lagerfeuer, Heuballen und alles, was man sich in einer festlichen Krippe vorstellen kann.

Daraus können sich die Kunden der beiden die Szenerie der biblischen Weihnachtsgeschichte in Miniatur nachbauen.

Wie viele Hirten-, Jesus- und Tierfiguren, wie viele kleine Werkzeuge, Wasserfälle und Holzstapel sie in ihrer acht Quadratmeter großen Bude haben? „Keine Ahnung“, sagt Anne-Marie Conzen. Sie könne das nicht einmal schätzen. Es sind einfach viel zu viele. In ihrem eigenen Online-Shop verkauft Familie Conzen rund 3000 unterschiedliche Artikel. Ein Großteil davon ist Handarbeit. Die meisten Artikel, die sie auf dem Weihnachtsmarkt und im Internet verkaufen, stellt Heinz Conzen selber her.

Das ganze Jahr über sägt, klebt und schnitzt Heinz Conzen in seiner Werkstatt an den Krippen und dem Zubehör. Weil die Dinge so klein und filigran sind, braucht er dafür Geschick und Geduld. Die nötige Erfahrung hat Heinz Conzen. Er stellt bereits seit seiner Jugendzeit Holzfiguren her. Mehr als 20 Jahre lang hatte er mit seiner Frau ein Geschäft in Eschweiler für Schnitzereien, Krippen und alles, was dazugehört.

Wie lange er an einem Stall oder einer Laterne arbeitet, sei schwer zu ermitteln, sagt er. Wenn er zum Beispiel eine Lampe baut, dann drechselt er zuerst viele Holzstäbe. „Das dauert lange, aber dann hat man auch gleich viele fertige Lampen“, sagt er. Aufwendig seien zum Beispiel seine Hühnerställe: Der kleine Holzkäfig steht auf einem mit viel Liebe gestalteten Untergrund mit Grünflächen und einem Weg aus kleinen Steinchen. In dem Stall liegen Eier, und die Hennen sitzen auf der Stange. Das ist stimmig, bis in Detail.

Kurze Saison

Heinz Conzen arbeitet das ganze Jahr auf die Vorweihnachtszeit hin. Denn die Saison für den Verkauf von Krippen und dem passenden Zubehör ist kurz. Die Conzens verkaufen ihre Artikel fast ausschließlich von November bis Weihnachten. „Die meisten Leute merken ja erst, wenn sie die Krippe aufbauen, dass ihnen etwas fehlt“, sagt Anne-Marie Conzen. Welches Zubehör ihre Kunden suchen, könne sie vorher nie abschätzen.

Familie Conzen kommt zwar schon seit vielen Jahren auf den Aachener Weihnachtsmarkt, im Vorhinein könne man aber nie wissen, was die Leute wollen. „In einem Jahr sind die Lagerfeuer der Renner, im nächsten Jahr etwas anderes. Man kann sich nicht darauf einstellen“, sagt Anne-Marie Conzen. Und was einmal ausverkauft ist, das bleibt auch ausverkauft. „Ich könnte gar nichts nachproduzieren. Wir sind ja den ganzen Tag hier. Dafür hätte ich gar keine Zeit“, sagt Heinz Conzen.

Die Wünsche der Kunden unterscheiden sich zwar von Jahr zu Jahr. Es gibt aber auch ein paar Dinge, die (fast) immer gleich bleiben. Zum Beispiel die Kälte. Anne-Marie Conzens Rezept dagegen ist denkbar einfach: dick anziehen. Wollsocken, lange Unterwäsche und mehrere Pullover gehören zur Standardausrüstung in der Weihnachtsmarktbude. Eine weitere Konstante sei die Atmosphäre: Die „schöne Beleuchtung“, die „Sauberkeit“ machten den Markt attraktiv.

Auch über solche Dinge unterhält sich Anne-Marie Conzen mit ihren Kunden. Bei der Arbeit kommt sie schnell ins Gespräch. „Die Leute kennen uns mittlerweile. Die erzählen uns sogar schon von ihren Kindern. Hier geht es familiär zu“, sagt sie. Der Kontakt zu den Leuten bereite ihr Freude. Und sie nehme sich für jeden Zeit. „Wenn ich als Kunde irgendwohin gehe, will ich ja auch vernünftig beraten werden. Das haben die Kunden verdient“, sagt sie. Manche Weihnachtsmarktbesucher danken es ihnen mit ein paar selbstgebackenen Plätzchen. Dass die Kunden so nett seien, dafür hat Anne-Marie Conzen ihre eigene Erklärung: „Bösartige Leute würden sich keine Krippe aufbauen.“

Die Menschen, die an den Stand kommen, fragten dann auch häufig, ob die Conzens all die kleinen Figuren, Häuser und Landschaften abends wieder einpacken und mit nach Hause nehmen. Dann muss Anne-Marie Conzen laut lachen. „Natürlich nicht“, sagt sie. Das wäre nicht zu schaffen. Um den Stand herzurichten, brauche man eineinhalb Wochen. Diesen Job erledigt ihre Tochter Mireille. „Als sie das zum ersten Mal gemacht hat, hatte ich Angst, dass sie es nicht richtig macht“, sagt Anne-Marie Conzen. „Aber sie macht das besser als ich.“ Wegen dieser Hilfe brauchte Anne-Marie Conzen erst einen Tag vor der Eröffnung zum Markt zu kommen.

Deshalb hatte sie noch etwas Zeit, zu Hause in Kinzweiler eine Krippe im Wohnzimmer aufzubauen. „Normalerweise habe ich immer eine große Krippe. Aber dieses Jahr habe ich nur eine kleine aufgebaut. Die musste ich auf einen Schrank setzen“, sagt sie. Ihr neuer Hund mache sich sonst an Moos und Holz zu schaffen. Viel Zeit, sich zu Hause an der Krippe zu erfreuen, haben Anne-Marie und Heinz Conzen aber nicht. Sie haben erst Feierabend, wenn der Weihnachtsmarkt um 21 Uhr schließt. Dann müssen sie sich noch um Bestellungen aus dem Online-Shop kümmern und ein paar Artikel für den kommenden Tag bereit legen.

Je Länger der Weihnachtsmarkt dauert, desto mehr ist die Ausdauer der beiden gefragt. „Gegen Ende lassen die Kräfte nach“, sagt Anne-Marie Conzen. Immer freundlich und zuvorkommend sein, Dinge erklären und den Leuten zuhören – das schlauche auf Dauer. Anne-Marie Conzen: „Am letzten Tag habe ich immer das Gefühl, dass es gut ist, dass der Weihnachtsmarkt vorbei ist. Aber zwei Wochen später sagt man sich: Es war schon schön, trotz der vielen Arbeit.“

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