Die Uber-App: eine Revolution des Taxi-Marktes?

Von: Lukas Weinberger
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Zoff ums Taxi: Der Fahrdienstvermittler „Uber“ sorgt für großen Wirbel auf dem deutschen Markt. Foto: dpa

Düsseldorf/Aachen. Ein kurzer Anruf in der Zentrale oder ein eindeutiges Winken auf der Straße – wer ein Taxi will, bekommt meist eins. So hat es immer funktioniert, so funktioniert es heute noch. Doch schon bald könnte es in Nordrhein-Westfalen Wischen und Klicken statt Sprechen und Winken heißen.

Zumindest wenn es nach dem US-Unternehmen Uber geht. Fahrer und Fahrgäste werden per Smartphone-App zusammengebracht – Taxi 2.0 sozusagen.

Die Taxi-Unternehmer laufen jetzt schon Sturm. Kein Wunder, schließlich droht Konkurrenz, die den Taxis einen Großteil der Kunden buchstäblich vor der Nase wegschnappen könnte. Die Alarmglocken schrillen – auch in der Region. „Wir werden mit allen Mitteln gegen Uber vorgehen“, sagt Holger Goldberg, Geschäftsführer der Fachvereinigung Personenverkehr Nordrhein.

In Berlin und München gibt’s seit 2013 den Limousinenservice „UberBlack“ – einen der beiden Uber-Dienste. Nutzer können über eine App Chauffeure buchen. Das 2009 gegründete Unternehmen selbst besitzt keine Autos. Der Standort wird per GPS übermittelt, gezahlt per Kreditkarte. Das neue Taxi-Geschäft brummt. Jetzt will Uber auch in Köln und Düsseldorf aufschlagen. Und hat die Taxi-Branche am Rhein damit endgültig in Aufruhr versetzt.

Der von Google unterstützte US-Konzern, der in Amerika den Taxi-Markt bereits aufgerollt hat, setzte sogar noch einen drauf: mit seinem zweiten Dienst „UberPop“, der im April in Berlin installiert wurde und ebenfalls über ganz Deutschland ausgedehnt werden soll. Das System ist dem von „UberBlack“ ähnlich – mit einem Unterschied: Die Fahrer sind keine Chauffeure, sondern Privatleute, die Fahrgäste mit ihrem eigenen Auto von A nach B kutschieren. Der Fahrgast bezahlt eine vom Unternehmen festgelegte Summe pro Kilometer.

So weit, so gut. Ubers Pläne funktionieren momentan allerdings nur in der Theorie – weil die deutsche Taxi-Branche sich wehrt. Mitte April klagte ein Berliner Taxiunternehmer gegen „UberBlack“ – mit Erfolg. Das Gericht entschied, dass die Chauffeure Mietwagenunternehmer seien, deswegen nach jeder Fahrt an den Betriebssitz zurückkehren müssen und nicht an günstigen Punkten warten dürfen. Auch wenn die einstweilige Verfügung nicht vollstreckt wird, weil der Kläger etwaige Schadensersatzforderungen fürchtet, wertet die Taxi-Branche das Urteil als Erfolg. „Es zeigt, dass Ubers Handelns rechtwidrig ist“, sagt Goldberg von der Fachvereinigung, unter deren Dach sowohl der Großteil der Taxiunternehmen aus Köln und Düsseldorf vereinigt sind, als auch rund 90 Prozent derer aus Aachen, Düren und Heinsberg.

Noch weniger kann sich Goldberg mit „UberPop“ anfreunden – dem Dienst, bei dem jeder als Taxifahrer fungieren kann. „Das können wir auf keinen Fall hinnehmen“, sagt er. Laut Uber werden die Privatpersonen vom Unternehmen zwar geprüft, müssen ein polizeiliches Führungszeugnis und eine gültige Versicherung vorlegen. Der Knackpunkt ist aber: Die „UberPop“-Fahrer haben keinen Personenbeförderungsschein, eine gewerbliche Personenbeförderung ist ohne Genehmigung in Deutschland jedoch nicht erlaubt. Ein Gesundheitscheck sei nicht erforderlich, die Autos würden nicht regelmäßig überprüft, sagt Goldberg. Zudem koste die Versicherung eines Taxis nicht selten das Zehnfache einer üblichen Autoversicherung. „Wettbewerb muss man sich stellen – jedoch nicht dann, wenn er illegal abläuft“, sagt er. Der Deutsche Taxi- und Mietwagenverband BZP will seinen Angaben zufolge eine Klage „strategisch günstig aufbauen“. Schließlich geht man gegen einen finanzstarken Kontrahenten vor.

Auch das NRW-Verkehrsministerium hat das Thema längst auf dem Schirm. „Uber ist uns hinreichend bekannt“, sagt Sprecher Bernhard Meier. Er bestätigt, dass eine E-Mail an alle Straßenverkehrsämter des Landes geschickt wurde. Das Ministerium wollte wissen, ob einzelne Ämter bereits Erfahrungen mit Unternehmen wie Uber gemacht haben oder ob Anträge eingegangen sind. Das Echo sei überall dasselbe gewesen: davon gehört – ja; direkt betroffen – nein. „Wir sehen noch keinen Handlungsbedarf“, sagt Meier. „Wir behalten das Thema aber im Auge.“

Und Uber? Der US-Riese wird nicht klein beigeben – auch wenn sich in anderen europäischen Ländern Widerstand gegen die Taxi-Alternative regt. Das US-Unternehmen hat angekündigt, bis zur letzten Instanz zu klagen. Es hält die Gesetzt für nicht mehr zeitgemäß. Und Uber hat prominente Unterstützung: die EU-Digitalkommissarin Neelie Kroes. Sie echauffierte sich öffentlich bei Twitter über Verbote von Uber. Diese Entscheidung würde nicht Fahrgästen helfen, sondern das Taxi-Kartell schützen, zwitscherte die Niederländerin. Europa solle sich über Innovationen freuen, sie nicht verbannen.

Die Uhr der Taxifahrer tickt. So oder so.

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