Herzogenrath - Die Spur der dubiosen Hundezüchter

Die Spur der dubiosen Hundezüchter

Von: Beatrix Oprée
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Hunde sind Hausgenossen: Werner Senster aus Herzogenrath – hier mit dem Mischlingsrüden Jamie – ist zweiter Vorsitzender des Vereins „Das Leid der Vermehrerhunde“, der jetzt mit dem Deutschen Tierschutzpreis ausgezeichnet wurde. Foto: Beatrix Oprée

Herzogenrath. „Das hier ist verdächtig“, sagt Werner Senster und zeigt auf den Computerbildschirm: „Labradorwelpen, reinrassig aber ohne Papiere, sechs Wochen alt“, heißt es da in einer Online-Kleinanzeige. 300 Euro sollen die Welpen „aus privater Hobbyzucht“ pro Stück kosten, es folgt eine Handynummer und der Hinweis: „Preis nicht verhandelbar, keine Ratenzahlung.“ Fotos von süßen Hündchen auf schmutzigen Holzplanken garnieren das Ganze.

„Diese Anzeige werde ich melden“, kündigt Senster an. „Hier geht es offenbar nur um Kommerz.“ Hunde als Handelsware – das allgemeine Verbrauchermotto „Hauptsache billig!“ leistet dem Vortrieb, das Internet bietet die willkommene Anonymität dazu.

Senster ist stellvertretender Vorsitzender des Vereins „Das Leid der Vermehrerhunde“ (DLDV). Der Herzogenrather setzt sich seit Jahren für das Wohl von Hunden ein, zunächst in einer bundesweiten Tierschutzorganisation: „Aber immer wieder wurden bei uns auch völlig ausgemergelte Hündinnen abgegeben, die der Verein dann aufgepäppelt und an Pflegefamilien weitergegeben hat.“

Hormonspritzen

Damit war zwar einzelnen Tieren geholfen, doch dem illegalen Hundehandel grundsätzlich nichts entgegengestellt. So bildete sich eine Gruppe Gleichgesinnter, seit 2013 als Verein organisiert und jetzt mit dem Deutschen Tierschutzpreis ausgezeichnet, die die Methoden dubioser Züchter aufdeckt und das Leid der Hunde, die zur kommerziellen Vermehrung ausgebeutet werden, ans Licht der Öffentlichkeit bringen will. Indem sie von Hündinnen berichten, die – meist irgendwo in Osteuropa – in Holzverschlägen oder Hinterhöfen vegetieren, die mit Hormonspritzen zu sogenannten Zwischenläufigkeiten gebracht, auf ein Gestell gebunden zwangsgedeckt werden und am Ende ihres kurzen Lebens 20 bis 25 Würfe hinter sich haben. Und von Welpen, die auf kalten, verdreckten Betonböden geboren und viel zu früh vom Muttertier getrennt werden.

„Ein guter Züchter hingegen ist einem Verband angeschlossen und wird regelmäßig kontrolliert“, erklärt Senster. Eine Verbandshündin bringe es gerade einmal auf drei bis vier Würfe im Leben, dabei werde jeweils eine Läufigkeit übersprungen. Auch der Welpenwurf wird unter die Lupe genommen, gemäß der Richtlinien des internationalen Zucht-Dachverbandes FCI. Erst wenn von dort die Freigabe erfolgt, gibt es offizielle Papiere. Senster stellt klar: „Papiere, die man kaufen kann, entsprechen nicht der FCI!“

Reguläre Zucht, so erläutert er, sei immer mit hohen Kosten verbunden. Und ein guter Züchter schließe Verträge, die beide Parteien absichern, etwa über ein Rückkaufrecht respektive die Rücknahme des Hundes bei Scheidung, Todesfall oder Allergie. Oder, falls nachweisbar ist, dass der Züchter bei der Verpaarung nachlässig war und es so zu gentypischen Erkrankungen wie Augen- oder Hüftproblemen gekommen ist.

Illegale Einfuhren aus Osteuropa

Bei Hunden, die man zum Dumpingpreis kaufen kann, sind derartige Klauseln undenkbar. Senster sagt: „Jedes Jahr werden rund 400.000 Welpen aller Rassen illegal nach Deutschland eingeführt. Die Erzeugungskosten betragen höchstens 50 Euro, im Verkauf bringen die Tiere 300 bis 350 Euro.“ Er ist überzeugt: „Die Erlöse nehmen Größenordnungen des Drogen- oder illegalen Waffenhandels ein, unter Umständen sind die Strukturen sogar identisch.“ Eine EU-Verordnung regelt zwar das Inverkehrbringen von Welpen. Doch Europas offene Grenzen lassen den unkontrollierten Handel dennoch florieren. Senster: „Je kleiner der Hund, umso besser lässt er sich in Mengen transportieren. Da werden ganze Transporter vollgeladen und unerkannt ins Land gebracht.“ Der Zustand der „Ware“ interessiert zunächst niemanden.

Erst nach dem Verkauf wird offenbar, wie schlecht es den Tieren geht. Und die neuen Besitzer bleiben unter Umständen auf unüberschaubaren Tierarztkosten sitzen.

Regelmäßig gibt es neue Moderassen, für die sich die illegale Nachzucht besonders lohnt. Im Moment im Trend: die französische Bulldogge. Die Preise für Welpen schwanken z wischen 650 und 3200 Euro im Internet . Senster: „Hier gibt es viele rassetypische Erkrankungen, etwa Atemprobleme durch verkürzte Luftwege.“

Kleinanzeigenportale lassen Fenster mit Warnungen vor unseriösem Welpenhandel und dem Appell, keine Tierquälerei zu unterstützen, aufploppen. „Holen Sie Ihren Hund immer persönlich beim Züchter oder Halter zu Hause ab. Lassen Sie sich immer das Muttertier und die Tierhaltung zeigen“, heißt es da auch. „Doch viele Käufer halten sich nicht daran“, sagt Senster. „Entweder, weil ein Modehund zum kleinen Preis zu verlockend ist, oder aus falsch verstandener Tierliebe. Aber auch wer ein Tier zweifelhafter Herkunft kauft, um es retten zu wollen, fördert den illegalen Handel.“

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