Köln - Die Sorge wächst: Nach Einsturz ist Ungewissheit bei Anwohnern groß

Die Sorge wächst: Nach Einsturz ist Ungewissheit bei Anwohnern groß

Von: Petra Albers, dpa
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Trümmer liegen in Köln an der Stelle, an der sich das eingestürzte Historische Stadtarchiv befand. Keiner weiß genau, ob andere Häuser nahe der Unglücksstelle wirklich noch sicher sind. Foto: dpa

Köln. Von einem Moment auf den anderen steht Marco Schönecker plötzlich ohne alles da. „Ich habe noch die Klamotten, die ich anhatte, mein Portemonnaie und meine Schultasche”, sagt der Lehrer. Seine Wohnung durfte er seit dem Einsturz des Historischen Stadtarchivs in Köln am Dienstag nicht mehr betreten.

Auch am Donnerstag weiß er noch nicht, wie es weitergeht. „Ob Haus Nummer 232 noch zu retten ist, werden wir wahrscheinlich frühestens nächste Woche erfahren”, sagt Feuerwehrdirektor Stephan Neuhoff.

Severinstraße 232 - dort wohnt Schönecker im Dachgeschoss. Als das Unglück passierte, war er noch in der Schule. „Eine Nachbarin rief mich an, weil sie sich Sorgen machte”, erzählt er. Mit dem Fahrrad fuhr er in Richtung Zuhause, sah schon von weitem das Heer von Rettungsfahrzeugen und die Absperrung.

Das Archiv ist komplett zerstört, zwei Gebäude sind teilweise zusammengebrochen - so auch das Haus mit der Nummer 230. Zwei Bewohner der dortigen Dachgeschosswohnung werden vermisst. „Ich bin natürlich glücklich, dass mir nichts passiert ist - aber man macht sich natürlich schon Gedanken darüber, ob da jemand unter den Trümmern liegt”, sagt Schönecker nachdenklich.

Der 37-Jährige ist vorläufig bei seinen Eltern untergekommen. „Es ist ein Chaos, weil wir überhaupt nicht wissen, was jetzt mit der Wohnung passiert.” Er hofft, dass er zumindest noch Gelegenheit bekommt, ein paar wichtige Sachen herauszuholen. „Dort wieder einziehen werde ich aber auf keinen Fall”, betont er. Das sei ihm zu unsicher.

Die seit Jahren bestehende U-Bahn-Baustelle direkt vor der Tür empfanden die Anwohner der Severinstraße zwar als äußerst störend, wirklich Angst hatte sie den meisten aber bislang nicht gemacht. Doch seit dem Unglück wächst die Sorge.

Der Gedanke, dass so etwas auch mit dem eigenen Haus passieren könne, sei schon da, sagt die Wirtin einer anliegenden Kneipe - und die um den Theke sitzenden Gäste nicken bestätigend. Im Zuge der Tunnelarbeiten habe manchmal der ganze Raum vibriert, erzählen sie. „Die allgemeine Befürchtung hier ist, dass noch etwas passiert”, meint einer.

Viele Häuser in der Altstadt haben durch den U-Bahn-Bau Risse bekommen. In Küche und Schlafzimmer von Gabi Markert-Rave, die nahe der Severinstraße wohnt, klafft ein teilweise bis zu zwei Zentimeter breiter Spalt zwischen Wand und Decke. Insgesamt habe die Hauswand sich im Laufe der Zeit um sechs Zentimeter geneigt, berichtet sie.

„Mit der Angst müssen wir leben”, meint die Vorsitzende der Interessengemeinschaft Severinsviertel, Ursula Jünger. Auch in ihrem Buchladen zeigen sich kleine Risse. „Ich kontrolliere sie jeden Tag, aber so lange sie sich nicht verändern, fühle ich mich sicher.”

Einen Baustopp des U-Bahn-Projekts, wie manche ihn nach dem Unglück forderten, hält Jünger für falsch. Im Gegenteil: „Wir drängen darauf, dass die Bauarbeiten zügig fortgeführt werden.” Der 2004 begonnene Bau hat in der Vergangenheit für viel Ärger bei den Geschäftsleuten gesorgt.

„Nur die Aussicht, dass die U-Bahn 2011 in Betrieb gehen soll, hat viele dazu gebracht, durchzuhalten”, sagt Jünger. Das dürfe jetzt nicht infrage gestellt werden. „Wir wollen, dass die U-Bahn endlich fertig wird, damit die Belastungen endlich ein Ende haben.”
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