Die schwierigste Etappe für Solarflieger

Von: Lee Beck
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Leidenschaft für saubere Energie: Stefan Gehrmann, Ingenieur in Aachen, hat dafür gesorgt, dass sich das Solarflugzeug „Solar Impulse 2“ in der Luft halten kann. Überschüssige Sonnenenergie wird tagsüber in einer speziellen Batterie gespeichert. Foto: Dagmar Meyer-Roeger

Aachen. Die vergangenen vier Wochen haben den Aachener Ingenieur Stefan Gehrmann Nerven gekostet. Immer wieder waren die Starts des Sonnenfliegers „Solar Impulse 2“ verschoben worden: Schlechtes Wetter! Aber jetzt ist der Pilot André Borschberg seit dem frühen Montagmorgen in der Luft – von Japan über den Pazifik nach Hawaii. Es ist die schwierigste und längste Etappe der Weltumrundung allein mit Sonnenenergie.

Das Herzstück des Fliegers ist die Batterie, und die hat der Aachener Ingenieur Stefan Gehrmann entwickelt: „Es war schön zu sehen, dass es endlich weiter geht“, atmet er auf.

Richtig erleichtert wird Gehrmann sein, wenn der Sonnenflieger nach etwa 8000 Kilometern und 120 Flugstunden über dem Pazifik sicher auf Hawaii gelandet ist. Pilot Borschberg war bereits Ende Mai von China aus losgeflogen. Doch eine Schlechtwetterfront hatte ihn zur Landung in Japan gezwungen.

Wenn der Aachener Ingenieur aus dem Fenster seines Büros in einer ehemaligen Briefsortieranlage schaut, sieht er sein eigenes Segelflugzeug auf dem Hof. Der Mann ist selbst leidenschaftlicher Segelflieger: Ruhig durch die Lüfte, ohne Abgase, im Einklang mit den natürlichen Elementen, das ist sein Ding. Deswegen fasziniert ihn auch die Idee des Solarflugzeugs so sehr.

Mit seinem kleinen Unternehmen hat der 59-Jährige die Batterie gebaut, das Herzstück des Fliegers. Es war eine Herausforderung, die überschüssige Sonnenenergie, die das Flugzeug tagsüber produziert, für den Nachtflug zu speichern. Außerdem musste das System sehr leicht sein. Gehrmann hatte dem Piloten in Aachen sein Konzept vorgestellt – und bekam den Zuschlag.

Acht Jahre sollte es dauern, bis das Batteriesystem perfekt war. Man muss wohl Idealist sein, um das durchzuhalten – vielleicht auch ein bisschen besessen. Manchmal hat es ihn um den Schlaf gebracht, wenn mal etwas nicht funktionierte. Die Batterie ist so speziell, dass fast alles Spezial-Entwicklung und Handarbeit ist.

Kompliziertes System

„Von der Energiedichte her ist die Batterie des Solarflugzeugs die fortschrittlichste, die es gibt“, sagt Gerhard Hörpel, Direktor des MEET Batterieforschungszen-trums der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster. Das System sei schon recht knifflig. „Es darf ja nichts wiegen, da muss man sich für die Kühlung der Zellen schon etwas einfallen lassen“, sagt er. Aber selbst diese Technik wird irgendwann überholt sein, weiß auch er.

Mit seinem wichtigen Beitrag zu dem berühmten Projekt prahlt Gehrmann nicht. Entstanden ist das Herzstück für den Flieger in dem etwa 50 Quadratmetern großen Labor, im kreativen Chaos – könnte man meinen. „Hier hat schon alles seine Ordnung“, sagt Gehrmann dagegen, blickt sich um und lacht.

Gehrmann grübelt über Ideen, die „eigentlich kein Mensch braucht, die aber doch irgendwie ganz dringend benötigt werden“, sagt er. So war das auch mit dem Sonnenflugzeug. Denn saubere Energie braucht die Welt ganz dringend, findet Gehrmann.

In der Haut des Piloten Borschberg möchte der Erfinder jetzt aber nicht stecken: „Man muss mal daran denken, dass er fast fünf Tage lang fast nur Wasser unter sich hat“, sagt Gehrmann. Diese Vorstellung behagt ihm nicht. Gehrmann bewundert Borschbergs Mut, diese nicht ganz ungefährliche Reise anzutreten, um die Welt zu verändern.

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