Die regionale Karte der Hochintelligenz

Von: Heike Eisenmenger
Letzte Aktualisierung:
iqbild
Die Grafik zeigt die Zahl und den Wohnort der gemeldeten Mitglieder des Hochbegabten-Vereins. Tatsächlich wird die Zahl derjenigen mit einem IQ von 130 oder mehr höher sein. Foto: imago/imagebroker, Grafik: ZVA Foto: imago/imagebroker, Grafik: ZVA

Stolberg. Der Verein für Hochbegabte, Mensa, in der Aachener Region sucht neue Mitglieder. Sie rufen vom Tellerwäscher bis zum Hochschulprofessor jeden dazu auf, einen Test zu machen. Denn sie wollen alles sein - nur nichts Abgehobenes. „Wir sind kein elitärer Verein von verschrobenen Son erlingen”, sagt Gerline Schwab vom Aachener Mensa-Stammtisch.

„Unsere Intention ist es, Menschen mit Hochbegabung zusammenzubringen, ein Netzwerk zu bilden, sich auszutauschen.” Doch immer wieder ist die Rede vom „Club der Einsteins”. Eine Umschreibung, die Gerlinde Schwab nicht gerne hört.

In Deutschland gehören dem Verein mittlerweile fast 10.000 Mitglieder an, weltweit sind es rund 110.000. Das Entree zum Mensa-Verein ist die magische Zahl 130.

Das ist der Wert des Intelligenzquotienten (IQ), der die Hochbegabung markiert und der vorliegen muss, um im Mensa-Verein aufgenommen zu werden. „Nur zwei bis drei Prozent der Bevölkerung sind hochbegabt”, bilanziert der für die Region zuständige Testleiter Torsten Volkmann, der wie Schwab ehrenamtlich für den Mensa-Verein arbeitet.

Der IQ vergleicht die Intelligenz eines Menschen mit dem geschätzten Durchschnitt der Gesamtbevölkerung im selben Zeitraum und im vergleichbaren Alter. 50 Prozent der Bevölkerung liegen über einem IQ-Wert von 100. Einen IQ von mehr als 115 haben aber nur wenige - etwa 16 Prozent. Die Marke von 130 erreichen 40 Prozent derjenigen, die am IQ-Test teilnehmen, „was zeigt, dass die Mehrzahl derjenigen, die den Test machen, ihre Intelligenz gut einschätzen können”, sagt der 27-Jährige Volkmann. Drei Viertel der nachweislich Hochbegabten entscheiden sich dann laut Mensa-Deutschland, Mitglied im Verein zu werden.

In unserer Region konzentriert sich die - durch Mitgliedschaft gemeldete - Hochintelligenz vor allem auf Aachen und Umgebung. In der Städteregion gibt es lediglich in Stolberg und Baesweiler kein Mensa-Mitglied. Im Kreis Heinsberg gibt es in sechs von zehn Kommunen gemeldete Hochbegagte, im Kreis Düren dagegen nur in vier von 14.

Sind die Menschen in einigen Kommunen also dümmer als in anderen? „Nein”, wehren Schwab und Volkmann ab und lachen. „Vielleicht bestehen Hemmschwellen, es ist aber auch möglich, dass die Idee, die Mensa verfolgt, in den betreffenden Städten nicht bekannt ist”, vermutet Schwab, die als Chemisch-technische Assistentin arbeitet.

In Großstädten wie Berlin, München und Hamburg hat der Verein im Schnitt 500 Mitglieder, sagt Matthias Moehl, Vize-Vorsitzender auf Bundesebene. Aachen weist also eine höhere Dichte an Hochbegabten auf als diese Großstädte. Berlin etwa hat 3,4 Millionen Einwohner, und einer von 6800 Einwohnern ist ein gemeldeter Hochbegabter. In Aachen trifft das bei 250.000 Einwohnern und 77 Mensa-Mitgliedern bereits bei jedem 3250. Bewohner zu.

Der 90-minütige IQ-Test bewertet rein die Denkleistung, „das logische Denkvermögen und die Fähigkeit, Lösungen zu entwickeln”, sagt Testleiter Volkmann. Es werden keinerlei Wissenfragen gestellt. Der Bildungsgrad sei nicht mit hoher Intelligenz gleichzusetzen. Auch soziale Kompetenzen spielen im Mensa-Test keine Rolle. Sie werden schlicht nicht abgefragt. Wobei genau das manchen Wissenschaftlern im IQ-Test fehlt.

Im Mensa-Netzwerk treffen Menschen mit unterschiedlichsten Berufen - vom Wissenschaftler bis zum Handwerker - aufeinander. „Wir haben auch einen Hausmeister in unseren Reihen”, sagt Schwab. Der beste Beweis dafür, dass nicht jeder Hochbegabte Akademiker sein muss. Ob man Zugang zu Bildung erhält, sei von vielen Faktoren abhängig, betont Schwab.

Beim Mensa-Stammtisch in Aachen treffen sich an jedem 15. des Monats in einem Lokal in der Komphausbadstraße 2 die Hochbegabten aus dem Postleitzahlenbereich mit den Anfangsziffern 52. „Es herrscht eine lockere Atmosphäre.” Schwab: „Hochbegabte neigen dazu, zu kritisch mit der eigenen Leistung zu sein. Es ist befreiend, mit jemandem zu reden, der das von sich selbst kennt und Verständnis hat.”

Menschen zu begegnen, die einen beflügeln und inspirieren, Das ist auch für Marc-André Kaiser aus Düsseldorf der Grund, warum er dem Verein beitrat. „Bei den Mensa-Veranstaltungen treffe ich auf Gesprächspartner, die nicht vorschnell etwas von sich geben. Es sind Gedankengänge, die mich auch als Mensch weiterbringen.”

Nächster IQ-Test am 25. April in Stolberg

Mensa Aachen bietet den nächsten IQ-Test in der Region am Sonntag, 25. April, in Stolberg an. Die Teilnahme kostet 49 Euro. Eine vorherige Anmeldung ist unbedingt erforderlich. Ansprechpartner auch für Interessenten aus den Kreisen Heinsberg und Düren ist Torsten Volkmann. E-Mail: Torsten-Volkmann@web.de.

Die Mitgliedschaft im Verein kostet 44 Euro im Jahr.

Der Mensa-Test ist nicht für Kinder unter 14 Jahre geeignet. Wer bei seinem Kind eine Hochbegabung vermutet, kann sich beim Schulpsychologischen Dienst beraten lassen. „Wichtig ist, dass eine schulische Frage zu diesem Thema im Vordergrund steht. Ist das Kind etwa unterfordert? Ist es auffällig im Unterricht oder in der Klasse?”, erklärt Anja Mommer, Psychologin des Schulpsychologischen Dienstes der Stadt Aachen.
Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert