Aachen/Düren/Heinsberg - Die Pfarre wählt, und kaum einer geht hin

Die Pfarre wählt, und kaum einer geht hin

Von: Berthold Strauch
Letzte Aktualisierung:
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Vielfach fehlt es an Kandidaten: In den 374 Pfarren des Bistums, hier St. Anna in Düren, wird am Wochenende gewählt. Foto: Stephan Vallata

Aachen/Düren/Heinsberg. Stell´ dir vor, es sind Pfarrgemeinderatswahlen - und (fast) keiner geht hin. Oder, schlimmer noch: Der Urnengang muss komplett ausfallen, weil sich einfach viel zu wenige Menschen zu einer Kandidatur durchringen konnten. Wo bleibt da die Demokratie?

Bei der Frage nach der Wahlbeteiligung zögert Johannes Schnettler mit seiner Antwort, ehe er die fast grausame Wahrheit dann doch kundtut: Nur 7,5 Prozent aller Wahlberechtigten haben bei der letzten Entscheidung ihre Stimme abgegeben, bedauert der Referent der Hauptabteilung Pastoral, Schule und Bildung des Bistums Aachen.

Bei der Wahl davor waren es immerhin noch 8,9 Prozent. Und welche Quote ist am kommenden Samstag und Sonntag bei den anstehenden Pfarrgemeinderats- und Kirchenvorstandswahlen zu erwarten - oder eher zu befürchten? Es könnten noch weniger Christen werden, die am 7. und 8. November von ihrem Recht Gebrauch machen.

Die Vertretung der Gläubigen in den kirchlichen Gremien steckt in einer Krise. Die Legitimation der Gewählten nimmt immer mehr ab, genauso wie die Bereitschaft der Laien, sich für „ihre” Kirche zu engagieren.

Petra Reiß zuckt mit den Schultern. Nein, die Wahl zum Pfarrgemeinderat (PGR) in dem beschaulichen Voreifelort Venwegen, der zu Stolberg gehört, findet an diesem Wochenende nicht statt. Und auch nicht in den Monaten danach. „Wir haben nur einen einzigen Bewerber”, gibt die bisherige Vorsitzende zu. Sie selbst hatte frühzeitig signalisiert, dass ihr das zeitraubende Amt der Vorsitzenden aus beruflichen Gründen zu viel geworden sei. Allerdings hätte sie als einfaches Mitglied dieses Gremiums weitergemacht, wenn sich genügend andere Bewerber gefunden hätten.

Dem ist nun aber nicht so. Und jetzt? Johannes Schnettler vom Bistum macht deutlich, dass die Gemeinschaft der Gemeinden (GdG) mit Sitz in der Propsteipfarre Kornelimünster, zu der auch St. Brigida Venwegen gehört, zwei Vertreter aus dem Nachbarort benennen werde, damit die PGR-lose Pfarre in dem künftigen GdG-Rat auch vertreten sein wird.

Doch Venwegen steht mit diesen Problemen nicht ganz allein. „Unter einem Prozent” liege die entsprechende Quote, sagt Referent Schnettler - bei insgesamt 374 Pfarren im Bistum Aachen, wo nun die Gremien gewählt werden, also etwa drei. Genaueres werde man nach Auszählung der Stimmen am Sonntagabend wissen, ist dies für die Kirchenoberen auch noch eine kleine Rechnung mit Unbekannten.

Mit etwas Verzögerung werden übrigens die Gremien in Würselen und Broichweiden, wo die Weichen für einen Pfarrverbund bereits gestellt sind, und in Krefeld-Uerdingen gewählt, weil man nach den erst Mitte September getroffenen Entscheidungen noch ein wenig Zeit brauche, um sich „zu finden”, erklärt der Referent.

Rund 4000 Kandidaten treten bistumsweit für die Pfarrgemeinderäte an, weitere 4000 für die Kirchenvorstände. Oftmals ist es auch so, dass gerade so viele Kandidaten auf den Listen stehen, wie Plätze verfügbar sind: In diesen Pfarren findet also keine echte (Aus-)Wahl statt.

„Wir müssen für die übernächste Wahl in vier Jahren die Synodalgremien neu aufstellen”, will Joachim Schnettler daraus die Konsequenzen ziehen. So weitergehen wie bisher kann und soll es also nicht. Neue Wege zu mehr Mitwirkung sind somit als zwingend notwendig erkannt.

„Geben Sie der Kirche ein Gesicht”, fordert Bischof Heinrich Mussinghoff in seinem aktuellen Aufruf zur Wahl. Mal abwarten, ob dieser Ruf gehört wird...
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