Die neue Sicherheit beim Karnevalszug

Von: Angela Delonge
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Mehr Sicherheit im Karneval: Bei vielen Karnevalsumzügen in der Region soll es in diesem Jahr verstärkte Sicherheitsvorkehrungen geben. Doch wer dafür verantwortlich ist, darüber sind sich Veranstalter und Kommunen noch nicht überall einig. Foto: Imago/Jochen Tack
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Überzeugt, dass der Karneval Herausfordderungen meistert: Reiner Spiertz (l.), Präsident des Verbands der Karnevalsvereine Aachener Grenzlandkreise, und Stellvertreter Hans-Josef Bülles. Foto: Angela Delonge

Aachen. Das Thema Sicherheit dürfte in den kommenden Wochen noch so manchem karnevalistischen Verbandsfunktionär schlaflose Nächte bereiten. Angesichts der von den Ordnungsbehörden geforderten zusätzlichen Sicherheitsauflagen wie zum Beispiel Lkw-Straßensperren sehen sich vor allem kleine Zugveranstalter in ländlichen Gebieten einem schier unlösbaren Problem gegenüber.

Heribert Kaptain, Präsident des Dürener Regionalverbands im Bund Deutscher Karneval, sagt: „Ich tue seit drei Wochen nichts anderes, als in dieser Angelegenheit zu telefonieren.“

In fast allen Städten und Gemeinden der Region sollen die Karnevalsumzüge in diesem Jahr unter verschärften Sicherheitsbedingungen stattfinden. Grund hierfür ist vor allem der terroristische Lkw-Anschlag auf den Berliner Weihnachtsmarkt an der Gedächtniskirche.

Auch im Verbandsgebiet der Karnevalsvereine Aachener Grenzlandkreise sieht deren Präsident Reiner Spiertz viele Vereine vor Probleme gestellt, wenn es um die Erfüllung der geforderten Sicherheitsauflagen geht. Zwar hätten die Kommunen den Vereinen Unterstützung zugesagt, doch wie genau diese aussehen soll, sei noch nicht klar. Denn nicht nur Finanzierungs- und Personalfragen seien offen, sondern auch Fragen der Zuständigkeit und der Versicherung, zum Beispiel von Fahrzeugen.

So ruft Spiertz seine Vereine zu größerer Eigenleistung ebenso auf wie zu verstärkter Sponsorensuche. „Jetzt ist Fantasie gefragt“, sagt er. Noch seien alle fest entschlossen mitzumachen, es herrsche das Motto vor: „Wir lassen uns unser Volksfest nicht kaputt machen.“ Doch neben allem Optimismus bleibt eine gewisse Skepsis: Denn nicht alle Vereine seien sicher, ob sie diese neue Anforderung wirklich bewältigen können.

Bisher wurden nur zwei Umzüge im Kreis Heinsberg wegen mangelnder Sicherheit abgesagt. Hier sind die Gründe jedoch andere: In den Orten Erkelenz-Granterath und Waldfeucht bestünden berechtigte Sorgen vor Randale, so Spiertz. Im vergangenen Jahr war es dort nach den Zügen zu Ausschreitungen gekommen – 400 betrunkene Jugendliche hatten mächtig für Ärger gesorgt. In solchen Fällen könne kein Veranstalter für die Sicherheit garantieren.

In Eschweiler, wo der größte Rosenmontagszug der Region stattfindet, haben alle Beteiligten bereits eine Lösung gefunden: Die Stadt errichtet Straßensperren, Feuerwehr, Polizei und Technisches Hilfswerk helfen bei der Sicherung, die Wirtschaftsbetriebe stellen Fahrzeuge.

Auch in Aachen wird es sowohl beim Kinderzug als auch beim Rosenmontagszug besondere Schutzmaßnahmen geben: „Es wird Zufahrtshindernisse geben, die Attacken mit Lkw unmöglich machen sollen“, sagte Stadtsprecher Bernd Büttgens auf Anfrage. Zufahrten an besonders gefährdeten Stellen sollen mit Fahrzeugen blockiert werden.

So sehr das Thema Sicherheit die Vertreter der Karnevalsverbände zurzeit umtreibt, so wenig Grund zur Sorge haben sie, was Status und Zukunft des Karnevals in der Region angeht.„Mir ist umdas Brauchtum Karneval nicht bange“, sagt Frank Prömpeler, der Präsident des Ausschusses Aachener Karneval. Denn statt herbeigeredetem Nachwuchsmangel sehen die Karnevalisten in der Region eine Stabilisierung auf hohem Niveau.

Dies ist vor allem den teilweise sehr aktiven Jugendabteilungen zu verdanken, die auch durch intensive Förderungen von einigen Verbänden entstanden sind. Michael Bartz, der Vizepräsident des Stolberger Karnevalskomitees, bringt es auf den Punkt: „Man muss die Jugend machen lassen, und Präsidenten müssen nicht ewig auf ihrem Posten bleiben.“

Reiner Spiertz sieht vor allem zwei Dinge, die sich im Karneval massiv verändert haben: die Sprache und das Feiern. „Für junge Leute fängt die Party erst um 22 Uhr an.“ Vereine, die das erkannt haben und entsprechende Veranstaltungen – teilweise auch mit ganz anderer Musik – anbieten, hätten großen Zulauf. Solche Veranstaltungen seien „pickepackevoll“, sagt Spiertz' Stellvertreter Hans-Josef Bülles.

Trotzdem gibt es immer wieder auch solche Meldungen im regionalen Karneval: „Der letzte Vorhang ist gefallen.“ So steht es aktuell auf der Homepage der KG Scherpe-Bösch-Wenk aus Übach-Palenberg. Wegen „rapiden Mitgliederschwunds“ hat sich die Karnevalsgesellschaft im Januar nach 62 Jahren aufgelöst. 23 Mitglieder waren es am Ende. Sogar die letzte Kindersitzung hatte trotz freien Eintritts „erschreckend“ wenig Resonanz gefunden. Reiner Spiertz, der seit 22 Jahren im Amt ist und dessen Verband aktuell 166 Karnevalsvereine umfasst, findet das einen „normalen Vorgang“. 28-mal hat er schon das Ende eines Vereins erlebt. 68 neue kamen hinzu.

Die KG Teuflische Jecke aus Stolberg ist so ein junger Verein. Sie verzichten auf traditionelle Strukturen und feiern den Karneval ganz ungezwungen – Warm-up statt Sessionseröffnung. „Damit sind sie sehr erfolgreich“, sagt Michael Bartz. Frank Prömpeler vom Ausschuss Aachener Karneval sieht die Dinge ähnlich. Auch er redet unablässig der Veränderung das Wort. Dass dies Arbeit ist, scheint jedoch manchem Protagonisten in den Vorständen wenig zu schmecken, meint Prömpeler. Er ist kein Hellseher, aber die Konsequenz für die Vereine glaubt er zu kennen: „Vereine, die nicht mit der Zeit gehen, sterben irgendwann aus.“

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