Die Krankenschwester macht den Bachelor-Abschluss

Von: Axel Borrenkott
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Aachen. Mehr und qualifiziertere Menschen in Gesundheitsberufen braucht das Land. Deshalb kann man Krankenpflege, Physiotherapie, Logotherapie und Hebamme demnächst auch studieren. Vor allem in Bochum.

Dort soll nach dem Willen der Landesregierung der „Gesundheitscampus Nordrhein Westfalen” mit einer Fachhochschule als Zentrum entstehen. Von den 75 Millionen Euro, für die im Ruhrgebiet 1000 Studien- und 500 Arbeitsplätze geschaffen werden, hätte die Region Aachen auch gerne etwas abbekommen. Nun macht sich eine Initiative aus Hochschulen, Krankenhäusern und Wirtschaftsförderern dafür stark: „Aachen braucht diese Studiengänge auch.”

Oberbürgermeister Jürgen Linden hatte im August vergangenen Jahres seinem Ärger öffentlich Luft gemacht darüber, dass „die Landesregierung Aachen als Standort für den Gesundheitscampus nicht einmal ernsthaft in Betracht gezogen” habe. Nicht nur der Aachener Oberbürgermeister mutmaßte damals, dass diese Art der Ruhrgebietsförderung eine politische Kompensation des knapp verpassten Elitetitels für die Uni Bochum sei. Zu einem regelrechten Protestbrief an Landtagsfraktionen und Gesundheitsminister bewegte Linden damals Krankenhäuser, RWTH und Wirtschaftsförderungszentren.

Von diesem KonkurrenzKnatsch wollte die stattliche Zwölferrunde, die sich in der dafür eigentlich zu engen Event-Loge des neuen Tivoli versammelt hatte, nicht mehr so viel wissen. Dennoch: „Ein Desaster”, wäre es, „wenn alles nach Bochum geht”, wie es Ulrich Deller, Prodekan der KatHO (Katholische Fachhochschule für Sozialberufe) auf den Punkt brachte.

Vornehmlich aber wollen die vereinten Kräfte sowohl für das Aus- bildungspotenzial der Region wie auch ihren Bedarf an Pflegekräften „Stimmung machen”. In den Schubladen der Aachener Hochschulen liegen mehr oder weniger fertige Konzepte für Studiengänge nicht-ärztlicher Medizinberufe - die das Land finanzieren müsste. Darunter ein Logopädiestudium an der RWTH, duale Studiengänge Pflege und Hebamme (KatHO) sowie ein Aufbaustudium Physiotherapie an FH und TH - jeweils in Kooperation mit den Fachschulen.

Inzwischen habe man, berichtet der neue Chef der Aachener Wirtschaftsförderung, Dieter Begaß, bei der Landesregierung „vorgefühlt”. Demnach ge- be es „durchaus Möglichkeiten, neben Bochum andere Standorte zu beteiligen”. Man müsse nun halt Anträge stellen und dokumentieren, mit welchen Stärken und Vernetzungen die Aachener „Gesundheitsregion” aufwarten könne.

Diese Bemühungen würde, wie sie sagte, auch Ulla Schmidt unterstützen, wiewohl das eigentlich Ländersache sei. Mit dramatisch klingenden Hochrechnungen führte die Bundesgesundheitsministerin zunächst den Bedarf ins Feld, der die akademische Wende der Pflege-Ausbildung vor allem begründe. Angesichts der rapide älter werdenden Bevölkerung „brauchen wir in zehn Jahren 220.000 Pflegekräfte mehr” als heute, bis zum Jahr 2030 seien es sogar 500.000. Mit dem Mangel an Kräften speziell in der Altenpflege hat die Akademisierung in Gesundheitsberufen allerdings nur bedingt zu tun.

Es geht generell darum, diese Berufe qualifizierter - und attraktiver für junge Menschen bei der Berufswahl zu mache n. Johannes Noth, Dekan der Medizinischen Fakultät der TH, bekräftigte, dass eine akademische Ausbildung „größere Anreize durch mehr Aufstiegschancen” biete.

Dass nicht-ärztliche Gesundheitsberufe nun auch in Deutschland - wie längst bei den Nachbarn - studiert werden können, macht eine im Juli vom Bundestag beschlossene Gesetzesänderung möglich. Diese Höherqualifizierung sei auch deshalb vonnöten, so Schmidt, „weil wir uns bereits in 15 Jahren nicht mehr diese Arztzentriertheit leisten können”. Viel mehr müssten bislang ärztliche Aufgaben vom übrigen Personal übernommen werden (können). „Dazu reicht die klassische Ausbildung auf Dauer nicht.”

Ginge aber die Chance für entsprechende Studiengänge an der Aachener Region mit ihrer „ausgewiesenen medizinischen Exzellenz” vorbei, drohte der Nachwuchs ins Ruhrgebiet oder nach Holland abzuwandern, mahnten die Regionalförderer ein ums andere Mal.

Am Donnerstag findet im Düsseldorfer Landtag die öffentliche Anhörung zum „Gesetz zum Aufbau der Fachhochschule für Gesundheitsberufe in Nordrhein-Westfalen” statt.
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