Die komplizierte Einsatzlage im Heinsberger Hausflur

Von: Wolfgang Schumacher
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Der Nachbarschaftsstreit, der im Juni einen Mann das Leben kostete, ist nicht zum ersten Mal eskaliert. Symbolbild: dpa

Aachen/Heinsberg. Telefonmitschnitte von Anrufen zur Polizeileitstelle haben am Montag vor dem Aachener Schwurgericht drastisch klargemacht, in welch komplizierter Situation sich die Einsatzkräfte im Juni 2014 in Heinsberg-Unterbruch befanden.

Der heute vor Gericht stehende Daniel G. (35) war nach Zeugenaussagen an diesem Morgen zum wiederholten Male völlig ausgerastet und hatte Nachbarn bedroht. Doch dieses Mal endete die Situation in einem Drama. Bilanz: drei verletzte Polizisten und ein Toter. Es war der Vater des 35-Jährigen G., der nach diesem Morgen in die Psychiatrie kam und dort aller Voraussicht nach auch bleiben wird.

Um 8.24 Uhr ging der erste Notruf ein: Ein schimpfender Mann laufe mit einer zwei Meter langen Eisenstange vor dem Haus in der Wurmstraße in Unterbruch herum, die Polizei solle kommen, war von der am Montag im Gerichtssaal abgespielten CD zu hören.

Auch Daniel G., dem Widerstand gegen die Polizeikräfte und damit eine Mitschuld am Tod seines Vaters vorgeworfen wird, war zu hören: „Verrückte“ Polizisten, so sein Telefonat zu einem späteren Zeitpunkt, hätten seinen Vater erschossen, die Leitstelle solle endlich „richtige“ Polizisten, jene mit den „grünen Uniformen“, schicken.

Zu diesem Zeitpunkt, noch vor 9 Uhr, war das Drama bereits geschehen. Denn um seinen vermeintlich bedrohten Sohn zu schützen, hatte sich der Vater von G. mit einem Messer auf zwei Polizisten gestürzt und sie mit Stichen schwer verletzt, er wurde mit einem Schuss ins Bein gestoppt.

Vater verblutete in kürzester Zeit

Schnelle Hilfe hätte Antonios G. womöglich retten können, doch der Sohn verbarrikadierte sich mit ihm in der Mietwohnung – der Vater verblutete in kürzester Zeit. Telefonate und Funkmitschnitte zeigen: Daniel G. war nicht bereit, sich zu ergeben. So erfolgte der Zugriff erst nach 9.30 Uhr, zu spät für den Vater.

Die Nachbarin, an deren Familie sich seit 2012 immer wieder von Daniel G. ausgehend der Streit entzündete, berichtet über den ersten Vorfall im Jahr 2012. Da begann die Sache ähnlich, doch der Ehemann der Nachbarin kämpfte Daniel G. im Flur nieder. Auch dabei, schilderte sie dem Schwurgericht, wurde der Vater gewalttätig, damals schlug er mit einem Hammer die Tür der Nachbarn ein. Der Prozess wird heute fortgesetzt.

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