Die Klangbrücke sorgt noch immer für Dissonanzen

Von: Wolfgang Schumacher
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Die Pfosten der Klangbrücke in Übach-Palenberg sind nur angeheftet, die Schweißnähte zum Teil unbrauchbar, sagt ein Gutachter. Der Streit zwischen Stadt und Baufirma geht weiter. Foto: Markus Bienwald

Aachen/Übach-Palenberg. Die Klangbrücke in Übach-Palenberg beschäftigt die Justiz nun seit fast zehn Jahren: Vor der 7. Zivilkammer am Aachener Landgericht nahmen sich die Richter unter Vorsitz von Richter Karl Klöpper gestern erneut der langjährigen Dissonanzen rund um das Klangkunstwerk an.

Das Bauwerk von 2008, erstellt im Rahmen der damaligen Euregionale, könnte wegen seiner mangelhaften Ausführung für eine erhebliche Schieflage in den Kassen der Gemeinde Übach-Palenberg sorgen.

In dem Verfahren geht es nach wie vor um 103.000 Euro, die die mittlerweile insolvente Stahlbaufirma als Restlohn für ihre damaligen Arbeiten am Objekt von der Stadt fordert. Das trieb dem Münsteraner Rechtsanwalt Andreas Kleefisch als Vertreter der Stadt gestern erneut den Schweiß auf die Stirn. Die Firma, die die Brücke nach Anweisungen eines in die USA abgewanderten Architektenbüros „vollendet“ hatte, macht diese Summe über ihren Insolvenzverwalter unvermindert geltend.

Die Stadt Übach-Palenberg rechnet jedoch die Kosten einer notwendigen Mängelbeseitigung dagegen, weshalb sich die Streitparteien bereits in den Jahren 2014 und 2015 unverrichteter Dinge vor dem Landgericht trennten.

„Wir wollen in dem gesamten unschönen Verfahren die Kosten für die Steuerzahler aktuell möglichst gering halten“, sagte Kleefisch gestern nach der einstündigen Verhandlung gegenüber unser Zeitung. Im aktuellen Verfahren hatte der Aachener Anwalt Markus Meyer für den Insolvenzverwalter der Firma nochmals eingehend einen Gutachter zur Lage auf und unter dem Stahlkunstwerk befragt. Was dieser vortrug, war ernüchternd und lässt die Forderung des Insolvenzverwalters wie Eis in der Sonne schmelzen.

„Die Schweißnähte, die ich untersuchen konnte, sind fehlerhaft“, berichtete der Düsseldorfer Bauingenieur dem Gericht, dies könne sich mit der Zeit negativ auf die statischen Eigenschaften der Brücke auswirken. Es gehe dabei nicht so sehr um ein mögliches Zusammenbrechen, sondern um langfristig auftretende Schäden, die durch schlechtes Schweißen begünstigt würden. „Bei einer Dauerbelastung sind Sprödrisse zu befürchten“, führte der Ingenieur aus. Er berichtete ebenfalls über Seitenpfosten, die zu kurz geraten und quasi mit einer kosmetischen Naht an den Brückenboden angeheftet sind. „In die Lücke ließ man Tropfen von Schweißdraht fließen, statisch absolut keine Option“, so der Gutachter.

Anwalt Meyer wollte wissen, ob das Baugerüst, das mit 28.000 Euro angesetzt ist, tatsächlich nötig sei, um die unsachgemäßen Schweißnähte unter der Brücke zu reparieren. „Ja“, sagte der Gutachter, eine Hebebühne reiche da nicht aus. Er selber habe eine bergtaugliche Kletterausrüstung benötigt, um nur ansatzweise die Nähte betrachten zu können. „Ein Schweißer aber muss festen Stand haben“, befand er.

Die Stadt Übach-Palenberg befindet sich nach wie vor in einer echten Zwickmühle. Denn anstatt die missratene Klanginstallation vom Verursacher – den Architekten und der Stahlbaufirma – für die Wiederherrichtung in Regress nehmen zu können, muss sie möglichst hohe Kosten geltend machen, um so zumindest den Restforderungen der insolventen Stahlbaufirma zu entgehen.

Wie die Richter in dieser komplizierten Angelegenheit entscheiden werden, wollen sie am 29. August um 12 Uhr im Aachener Landgericht verkünden.

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