Die Kamera gegen den Stau

Von: Andreas Gabbert
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Die Kamera gegen den Stau
Die Kamera gegen den Stau

Aachen. Videokameras sollen helfen, Staus auf Autobahnen zu vermeiden. Denn Staus verursachen jährlich einen volkswirtschaftlichen Schaden in Milliardenhöhe. Eine BMW-Studie geht von mehr als 100 Milliarden pro Jahr aus. „Wenn man ein paar Milliarden abbauen könnte, wäre das sicher nicht verkehrt”, sagt Professor Bernhard Steinauer vom Institut für Verkehrswesen an der RWTH Aachen.

Er betreut ein Projekt des Landes NRW und der Bundesanstalt für Straßenwesen an der A1. Dort überwachen rund 30 Webcams testweise den Verkehr. Rund um die Uhr werden Bilder an eine zentrale Stelle geleitet und ausgewertet.

Ziel des Projektes ist eine effiziente Verkehrsüberwachung mit Hilfe von Videokameras. „Das ist der erste große Versuch in Deutschland, bei dem die Verwaltung Geld in die Hand nimmt, um Stauzeiten zu reduzieren”, sagt Steinauer. Sollte das Projekt erfolgreich sein, kann er sich theoretisch eine flächendeckende Überwachung an Autobahnen vorstellen.

Im Tunnelbau kommen Kameras schon länger zum Einsatz, um etwa Brände schnell erkennen und entsprechend darauf reagieren zu können. Mittlerweile kommen Kameras auch an Unfallschwerpunkten und Baustellen zum Einsatz. Bereits jetzt überwachen nach Angaben des Landesbetriebs Straßen.NRW auf dem Kölner Ring 15 Kameras den Verkehr. Weitere drei sind an der A40 im Einsatz, und im Laufe des Jahres sollen an den Autobahnkreuzes Aachen und Leverkusen je zwei Webcams installiert werden.

Zwar liefern auch Induktionsschleifen, Infrarot- und Radartechnik Informationen von den Autobahnen, die Schleifen sind aber in Abständen von ein bis zehn Kilometern installiert. Kommt es zu einem Unfall, wird dies erst registriert, wenn an der nächsten Messstelle kein Verkehr mehr ankommt. „Mit Webcams sehe ich aber die gesamte Strecke und registriere gleich, was passiert ist”, sagt Seinauer. So könne gleich das Richtige veranlasst werden, um Verletzte zu versorgen und Staus zu vermeiden. „Das entscheidende ist die Zeit”, sagt Steinauer.

Die Auswertung der Videos soll die Fragen beantworten, wie es zu dem Unfall gekommen ist oder ob und wie er zu vermeiden gewesen wäre - etwa durch breitere Spuren in einer Baustelle. Damit geben sich die Verkehrsforscher an der RWTH Aachen aber noch nicht zufrieden. Intelligente Kameras, die Situationen mit Hilfe von Software erkennen, sind für Steinauer der nächste Schritt. „Wenn ein Mensch die Monitore im Auge behalten soll, wird er schon nach einer Stunde nichts mehr sehen, er kann sich einfach nicht mehr konzentrieren”, sagt Steinauer. Die Kameras sollen automatisch Probleme wie Geisterfahrer und langsame Fahrzeuge erkennen und darauf reagieren. Bis es soweit ist, dürften wohl noch 20 bis 30 Jahre vergehen.

Datenschutzrechtlich Bedenken hat Steinauer nicht. Die Auflösung der Bilder sei niedrig, die Nummernschilder nicht zu erkennen, personenbezogene Daten würden nicht erfasst. „Wir brauchen gar keine hohe Auflösung. Uns interessiert nur die Situation.” Bettina Gayk, Sprecherin des Landesbeauftragten für Datenschutz sieht auch keine Probleme. Im Datenschutzbericht 2009 heißt es: „In der Regel reichen Übersichtsbilder für die Verkehrsbeobachtung und Verkehrslenkung aus, denn es kommt nicht darauf an, die am Verkehrsgeschehen beteiligten Personen oder Fahrzeuge zu erkennen und zu identifizieren.” Nur in Ausnahmen wie Unfällen darf herangezoomt werden. Dann ist aber zu dokumentieren, wer das wann warum getan hat.

Statt Datenschutz steht für den Wissenschaftler Steinauer eher die Frage im Vordergrund, „ob wir uns das leisten wollen”. In Deutschland gebe es etwa 120.000 Autobahnkilometer, auf denen alle 100 Meter eine Kamera installiert werden müsste. „Das ist eine Kostenfrage.”
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