Die jungen „Wise Guys” rocken Eupen

Von: Amien Idries
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Hatten in Eupen den größten Auftritt ihrer bisherigen Karriere: Die A-Cappella-Band „Mit ohne Alles” aus Aachen. Foto: Anja Klingbeil

Aachen/Eupen. Ab wann ist eine erfolgreiche Band, eine erfolgreiche Band? Wann war klar, dass Fettes Brot oder BossHoss es geschafft haben? Eine Frage, die sich meist erst im Rückblick beantworten lässt. Sicher ist nur, dass alle - von ein paar Castingbands mal abgesehen - klein angefangen haben.

Auftritte im Jugendheim, erste bezahlte Engagements bei Betriebsfeiern und irgendwann der Durchbruch.

Beim Eupen Musik Marathon (EMM), der am Wochenende wieder 10.000 Besucher in die hügelige Stadt in Ostbelgien zog, kann man beide Karrierestadien antreffen: sowohl alte Hasen der Musikbranche als auch junge, hungrige Nachwuchstalente, für die ein solches Festival der Wendepunkt in ihrem Musikerleben sein könnte.

Eine dieser Bands ist die A-Cappella-Truppe „Mit ohne Alles” (MoA). Fünf Jungs zwischen 20 und 24 aus Aachen, die in Eupen den professionellsten Auftritt ihrer bisherigen Karriere hatten. „Wir hatten 45 Minuten Zeit für den Soundcheck”, berichtet Bariton Tobi Malms ungläubig. Normalerweise dächten Tontechniker: „Diese A-Cappella-Fritzen brauchen ein paar Mikros und gut ist.”

Schüchterne Autogramm-Jägerin

Dass „Mit ohne Alles” alles andere als ein zu klein geratener Chor sind, sondern ein feinstes aufeinander abgestimmtes Zusammenspiel von allem, was man fünf geschulten Kehlen entlocken kann, davon konnte man sich auf der schönen Bühne im Stadtpark überzeugen. Tobi (24), Yannick Flaskamp (20), Fabian Imdahl (22), Karsten Patzer (22) und Axel Sixt (24) sangen die Menschen förmlich in den Park. Das taten sie vor allem mit eigenen Songs. Die überzeugen durch politisch ein wenig unkorrekte Texte, wie in dem Song „Super Nanny”, in dem der Zögling die „stille Treppe” runterfällt.

Liebeslieder geben die fünf in der selbstironischen Variante zum Besten: „Ich finde Dich toll und Du findest gerade nichts Besseres.” Recht schnell war klar, dass die 300 Menschen im Rund des Stadtparks sich dem Charme der fünf Sonnyboys nicht würde entziehen können. So wie die 15-jährige Stella Dreijkoningen aus Eupen, die MoA nicht kannte, aber nach dem Konzert schüchtern um ein Autogramm bat.

Andy Kockartz vom EMM-Veranstalter Sunergia legt großen Wert darauf, junge Talente aus der Region zu fördern: „Das haben wir sogar in unserer Satzung festgeschrieben.” Ziel sei eine Mischung sowohl der Musikgenres als auch der Generationen. Und das funktioniert. In Eupen ist es möglich, in der Nikolauskirche die Carmina Burana zu hören, danach den frechen Balkanpop von Miss Platnum - dem derzeit angesagtesten Ding aus Berlin - mitzunehmen, um anschließend entspannt in einem der Höfe der Gospertstraße zu den Saxofonklängen von Six Pack mit dem Fuß zu wippen. Und all das bei herrlichem Wetter und familiärer Atmosphäre. Bevor die Headliner, zu denen auch die belgische Rockband K´s Choice gehörten, die Hauptbühne auf dem Werthplatz einnahmen, galt es also Entdeckungen wie „Mit ohne Alles” zu machen.

Wobei die fünf, von denen vier studieren, alles andere als Amateure sind. 2008 gegründet, absolvierten sie recht schnell ihren ersten Auftritt an einer Aachener Schule. Inzwischen sind sie an fast jedem Wochenende unterwegs. Am 18. Juni waren sie beispielsweise beim Bundeswettbewerb deutscher A-Cappella-Gruppen. Die erste CD mit dem Namen „Für den kleinen Hunger” steht seit zwei Wochen im Laden und es gibt sogar Aufkleber mit Bandlogo. Recht ambitioniert die jungen Leute. Aufgaben, die sonst ein Managerstab übernehmen würde, haben sie untereinander aufgeteilt. Axel kümmert sich beispielsweise um die Homepage, die sich vor der arrivierter Bands nicht verstecken muss. Es wird getwittert und upgedated, dass man kaum nachkommt.

Im Moment ist die Musik ein Hobby, das seine Unkosten trägt. Man spürt jedoch, dass sich die Jungs nicht dagegen wehren würden, irgendwann einmal so erfolgreich zu sein, wie die „Wise Guys”, deren ehemaliges Mitglied Clemens Tewinkel sie schon gehört und für gut befunden hat. Tobi: „Er hat gesagt, dass wir ihn an die jungen Wise Guys erinnern.”

Vielleicht war ja der gestrige Auftritt in Eupen so etwas wie die Initialzündung für die Karriere. Ein Wendepunkt war es in jedem Fall. Bass Fabian Imdahl hatte nämlich seinen letzten Auftritt, er wird die Band verlassen. Über die Gründe schweigen MoA ganz professionell. Ein Nachfolger ist mit Joachim Geibel aus Köln bereits gefunden.

Wer weiß, vielleicht wird man später einmal sagen: „Wisst ihr noch, damals in Eupen? Danach sind MoA richtig durchgestartet.”
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