Aachen - Die Jungen müssen stärker gegen die Alten rebellieren

Die Jungen müssen stärker gegen die Alten rebellieren

Von: Katharina Menne
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Gruppenbild mit Martin Schulz (3.v.l.): Podiumsdiskussion zum 20. Jubiläum des Europäischen Freiwilligendienstes am Freitagabend im Aachener Eurogress. Foto: Andreas Steindl

Aachen. Unpolitisch sei sie, wird der Jugend häufig vorgeworfen, nur auf das eigene Wohl bedacht und gleichgültig gegenüber gesellschaftlichen Fragen unserer Zeit. Dass es auch anders geht, zeigten rund 400 europäische Freiwillige beim großen Festakt anlässlich des 20-jährigen Jubiläums des Europäischen Freiwilligendienstes (EFD) vergangenen Freitag in Aachen.

Sie feierten gemeinsam ein solidarisches und vorurteilsfreies Europa, das von Toleranz und Engagement geprägt ist.

Das waren auch die Forderungen der anschließenden Polit-Debatte im Eurogress zum Thema „Freiwillig für Europa – Unser Engagement. Unsere Zukunft“. Dazu konnten neben zwei ehemaligen EFD-Freiwilligen und dem Leiter von Jugend für Europa, Hans-Georg Wicke, auch ranghohe Politiker gewonnen werden: Martin Schulz, der Präsident des EU-Parlaments, Elke Ferner, Parlamentarische Staatssekretärin des Bundesjungendministeriums, und Antoaneta Angelova-Krasteva, Direktorin in der EU-Kommission. Moderiert wurde die Debatte vom Journalisten Andreas Korn.

Sie alle zeigten sich begeistert von den Leistungen der Freiwilligen für und in Europa. „Wenn es ein Projekt gibt, das für ein zukunftsfähiges Europa steht, wie ich es mir vorstelle, das über Grenzen hinweg funktioniert und agiert, dann ist es der Europäische Freiwilligendienst“, sagte Martin Schulz in seiner Eröffnungsrede. Deshalb sei es auch seine Pflicht. Mit seinen offenen und mitreißenden Worten sorgte er mehrfach für Szenenapplaus. Sei es zu aktuellen politischen Fragen wie Flüchtlingskrise oder Brexit, oder zu seinem eigenen Werdegang und seinen politischen Überzeugungen.

Als Kind dieser Region, sei er sozusagen „Instinkt-Europäer“, sagte Schulz mit einem Augenzwinkern. „Wenn man hier spazieren geht, weiß man nie, ob man noch in Belgien ist oder die Niederlande schon wieder in Richtung Deutschland verlassen hat.“ Das sei prägend. Die Menschen hier wüssten, was es heißt, an einer Grenze zu leben.

Genau das sei auch die Idee des Freiwilligendienstes. Denn: „Die beste Möglichkeit, die Hetze gegen andere, die Vorurteile, die Verleumdung, die Falschinformationen abzubauen, ist die eigene Erfahrung, dass es sich um Vorurteile, Hetze und Verleumdung handelt“, sagte Schulz.

Auch für Hans-Georg Wicke ist der EFD „der Ausdruck eines gelebten politischen Engagements“. Zehntausende junge Menschen arbeiteten jährlich in 3000 Projekten in 33 Ländern, rechnete er vor. Aber das Jahr im Ausland sei vor allen Dingen prägend für die Persönlichkeit der Freiwilligen. „Viele sagen, dass sie durch die Zeit im Ausland selbstsicherer geworden sind, dass sie jetzt besser wissen, wie es beruflich weitergehen soll.“

Das bekräftigte auch Antoaneta Angelova-Krasteva. „Der EFD ist eine großartige Möglichkeit persönliche Erfahrungen zu sammeln und etwas zur Gesellschaft beizutragen“, sagte sie. Mit den Plänen zur Umsetzung eines Europäischen Solidaritätskorps möchte die Kommission ab Dezember noch weiter gehen und die bestehenden Strukturen erweitern.

Janet Ladwig und Leon Brülke, die beiden Freiwilligen in der Diskussionsrunde, forderten vor allem mehr politisches Engagement von ihrer Generation. „Wir jungen Menschen sollten die Welt, in der wir leben wollen, stärker selbst mitgestalten. Wir müssen lauter und vor allem kreativer werden“, sagte Brülke. Die Jungen müssten stärker gegen die Alten rebellieren.

Das Stichwort griff Martin Schulz gern auf. „Rebellion finde ich gut – wenn sie nicht gegen mich geht“, gab er schlagfertig zurück. Es sei gut und richtig, alten Männern wie ihm Feuer unter dem Hintern zu machen. Janet Ladwig sieht den Schlüssel für ein starkes Europa vor allem in einer guten Bildung. Sie kritisierte, dass zu viele Menschen zu wenig hinterfragen. Viele seien verunsichert und daher ein leichtes Fressen für Populisten. „Wir alle zusammen sind Europa, also lasst uns etwas daraus machen“, sagte sie.

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