Die Hochschule lässt Flüchtlinge den Mars erkunden

Von: tka
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Aachen. Mit der RWTH Aachen landen junge Flüchtlinge auf dem Mars – zumindest virtuell. Denn Kinder und Jugendliche aus Flüchtlingsfamilien können am Sonntag das DLR-School-Lab besuchen, dabei Roboter kennenlernen und eben den Mars erkunden – mit beiden Beinen fest auf dem Boden.

Möglich macht dies das Institutscluster Informationsmanagement im Maschinenbau/Zentrum für Lern- und Wissensmanagement & Institut für Unternehmenskybernetik der RWTH in Kooperation mit dem Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) und dem Verein SKM.

Im Mittelpunkt steht nicht nur der Spaß an Technik, sondern die Botschaft, dass Universitäten als Orte der Bildung und des Fortschritts Schlüssel für eine friedliche Zukunft sein können, sagen die Organisatoren.

Im ganzen Land fragen sich Hochschulen, was sie für Flüchtlinge eigentlich tun können. Das Problem: Sie können Flüchtlinge nicht einfach aus Solidarität nach Belieben studieren lassen. Es gibt strikte Regeln, wer zu einem Studium zugelassen ist. Laut dem Flüchtlingshilfswerk der Vereinten Nationen sind fehlende Dokumente, Gebühren und Sprachbarrieren die Hauptschwierigkeiten.

Es gibt den Numerus clausus. Es gibt Einstiegstests. Zeugnisse müssen vorgelegt werden. Aber welcher Flüchtling, der in großer Not die Heimat verlässt, denkt daran, sein Zeugnis einzupacken? Und dann sind die Vorlesungssäle an den Hochschulen angesichts weiter steigender Studentenzahlen ohnehin überfüllt.

Alles nicht so einfach.

Und doch ist da der große Willen, Regeln zu dehnen und Türen zu öffnen. „Die Integration von Flüchtlingen halten wir für eine wichtige Aufgabe“, erklärt RWTH-Rektor Ernst Schmachtenberg. An der FH Aachen wird gerade beraten, wie Angebote für Flüchtlinge aussehen könnten. Erste Maßnahmen der Hochschulen haben integrativen Charakter: Am Sportzentrum dürfen Flüchtlinge aktiv werden.

Die Bibliothek der TH steht offen. Die Studierfähigkeit muss aber nachgewiesen werden, wenn es darum geht, ein richtiges Studium aufzunehmen. An der „Testas“-Prüfung führt für junge Menschen, die aus einem anderen Land kommen – egal unter welchen Umständen –, kein Weg vorbei. Was die RWTH aber leisten will, ist, Flüchtlinge auf die Prüfung vorzubereiten und sie finanziell zu unterstützen. Stipendien sollen auch für Sprachkurse erteilt werden.

Eine Alternative gibt es mit der Berliner Kiron University, mit der die RWTH Aachen nun kooperiert. Diese Online-Universität ist gebührenfrei, und Flüchtlinge können in Aachen sein und dabei an der Berliner Uni studieren. Die ersten beiden Studienjahre lernen sie online, fehlende Dokumente können nachgereicht werden. Für das dritte Jahr wechseln sie an eine Partnerhochschule – zum Beispiel die RWTH.

„Flüchtlinge haben einen langen Weg hinter sich und einen spannenden vor sich: Sie bilden ein unglaubliches Potenzial für unsere Wirtschaft“, sagt Malte Brettel, Prorektor der RWTH Aachen. „Flüchtlingen direkt die Chance zu geben, über Online-Kurse zu lernen, um sie später in unser Studium zu integrieren und an die Wirtschaft heranzuführen, kann für uns alle nur ein Herzenswunsch sein.“

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